Rückbau des Zebrastreifens?

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Hier wurde ein Zebrastreifen abgebaut – weil in der Schlüterstraße höchstens 30 km/h gefahren werden darf. Foto: Hanke

CDU fordert in der verkehrsberuhigten Schlüterstraße Fußgängerübergang

Rotherbaum. In der Schlüterstraße gibt es vor der Kreuzung Binderstraße seit Februar keinen Zebrastreifen mehr. Abgebaut, weil die Schlüterstraße seit einigen Jahren verkehrsberuhigte Zone ist. Autos sollen hier nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren. Leider sieht die Realität in 30 km/h-Straßen oft anders aus. Viele Autofahrer halten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Deshalb fürchten Eltern von Kindern, die Grundschule oder Kindergärten besuchen, um die Gesundheit ihres Nachwuchses und fordern immer wieder, Zebrastreifen und Ampeln in verkehrsberuhigten Straßen nicht abzubauen. Dem steht allerdings eine Fachanweisung der Straßenverkehrsbehörde entgegen, nach der genau diese Sicherungen von Straßenübergängen abgebaut werden müssen, wenn eine Straße verkehrsberuhigt wird. Die Theorie bestimmt eine bedenkliche Praxis. Im Fall Schlüterstraße hat die CDU jetzt im Kerngebietsausschuss Eimsbüttel beantragt, den Zebrastreifen und die entsprechende Beschilderung wieder einzuführen und in einem weiteren Antrag gefordert, dass der Abbau von Fußgängerampeln und Zebrastreifen dem Ausschuss vor der Durchführung angezeigt werde. Beide Anträge wurden einstimmig beschlossen. Die Bezirksversammlung wird diesem Votum sicherlich folgen.
Der Zebrastreifen hätte allerdings nicht zwingend abgebaut werden müssen. Nur Ampeln müssen aufgrund der Fachanweisung weg. „Zebrastreifen können in verkehrsberuhigten Straßen bleiben“, erläutert Ralf Schlüter, zuständig für Verkehr im Polizeikommissariat 17 an der Sedanstraße. Im Falle Schlüterstraße wurde der Zebrastreifen abgebaut, weil er erneuert werden musste und sowohl Auto- wie Fußgängerverkehr stark zurückgegangen waren, seitdem die Straße verkehrsberuhigt worden war, so Schlüter. „Die Schlüterstraße wird inzwischen auf ganzer Länge überall überquert. Das ist immer ein Zeichen für wenig Autoverkehr“, berichtet der Verkehrsexperte, der auch darauf hinweist, dass zu viele Zebrastreifen eine Scheinsicherheit suggerieren können: „Wir überfrachten die Autofahrer, wenn es überall Zebrastreifen gibt. Der Zerbrastreifen wird dann nicht mehr ernst genommen.“ „Zebrastreifen wirken geschwindigkeitsfördernd“, glaubt sogar sein Kollege Hartmut Herbst vom PK 33 am Wiesendamm. Autofahrer erhalten das Gefühl, nur am Zebrastreifen auf die Bremse treten zu müssen und ansonsten ungebremst fahren zu können. Der Sinn der Verkehrsberuhigung liegt aber darin, die Autofahrer für die anderen Verkehrsteilnehmer zu sensibilisieren, ständig auf sie zu achten. „Die generelle Sorgfaltspflicht soll erhöht werden“, so Herbst.
Ob der Zebrastreifen in der Schlüterstraße wiederkommt, ist noch unklar. Die Polizei wird sich mit dem Beschluss der Bezirkspolitik auseinandersetzen. „Wir werden noch einmal eine Verkehrszählung machen“, kündigte Ralf Schlüter an, der die Sorgen der Eltern verstehen kann. Vielleicht wird der Übergang ja doch wieder eingerichtet. (ch)
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