Rückkehr des Café Leonar in Hamburg

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Ein besonderer Abend: Jüdischer Salon am Grindelhof eröffnet

Hamburg. So ein Jüdischer Abend mäandert nicht einfach so vorbei. Nach so einem Abend geht man nicht nahtlos zur Tagesordnung über. Dazu ist er viel zu intensiv.
Besonders wenn bei der Wiedereröffnung des Jüdischen Salons im Café Leonar starke Emotionen im Spiel sind. Wenn Rabbiner Dr. S. Almkias-Siegl von der Egalitär Minyan Hamburg die Schriftkapsel Mesusa zum Schutz des Hauses am Eingang anbringt. Wenn die jungen Musiker Avi Avital und Ksenija Sidorova mit Mandoline und Akkordeon Musik unter die Haut jagen, dass es den Zuhörern in den Beinen zuckt - generationsübergreifend.
Wenn Kultursenatorin Barbara Kisseler hervorhebt, dass jetzt ein Stück jüdisches Leben in das Grindelviertel als einstiges jüdisches Herzstück zurückkehrt und der Ruf des Café Leonar schon weit über die Grenzen hinausgeht.
Oder Direktor Holger Eschholz von der Haspa einer sichtlich gerührten Sonia Simmenauer einen Scheck von 10.00 Euro überreicht.
Den Sinn des Café Leonar und des Jüdischen Salons bringt Schriftstellerin Rada Biller auf den Punkt, die seit 1972 genau gegenüber wohnt: „Das Beste sind die Gäste: Jüdisch und nichtjüdisch, vom Grindel und nicht vom Grindel“.
Fast fühlbar wird die Erleichterung von Architekt Andreas Heller, wenn er sagt, dass eine Bombenwarnung das ganze Projekt erstmal zum Stillstand gezwungen haben, und heute, heute, endlich alles realisiert ist.
Abwarten, was passiert, wenn er sich eine Auszeit als Geschäftsführer vom Café nimmt, will Arnold, Sonia Simmenauers Sohn. Seinen eigenen Zugang zum Judentum will er jetzt finden, sagt er, mit etwas Abstand. An diesem so intensiven jüdischen Abend. (geh)

Interview:

Nach drei Jahren Ausquartierung wegen des Umbaus ist das Café Leonar an seinen alten Standort am Grindelhof 59 - im neu errichteten Haus - zurückgekehrt. Nun hat auch der Jüdische Salon am Grindel e.V., 2007 gegründet, dort wieder Einzug gehalten. Ein Interview mit Musikagentin und Initiatorin Sonia Simmenauer.
Wochenblatt: Kunst und Café – eine geniale Verbindung. Wie stark verzahnen beide ineinander?
S. Simmenauer: Es sind zwei getrennte Institutionen. Arash Karimi löst meinen Sohn Arnold als Geschäftsführer des Café Leonar ab. Der Salon wird als Verein von einem rund 15-köpfigen Team geführt, um jüdische Kultur und Traditionen zu fördern und darzustellen. Sowohl bei den Veranstaltungen als auch bei der Auswahl der Bücherspenden, die wir im Café ausleihen, richten wir das Augenmerk eindeutig auf das Heute und das Morgen.
WB: Welche Art von Veranstaltungen findet im Jüdischen Salon statt?
S: Es werden etwa zweimal pro Monat Veranstaltungen abgehalten. Geladen sind bekannte Autoren, Wissenschaftler, Musiker und Künstler.
WB: Wie koscher ist das Café Leonar?
S: Wir bieten zwar weder Schweinefleisch noch Meeresfrüchte an, sind aber nicht streng koscher. Wir haben das Jüdische nie als streng Religiöses verstanden, sondern als Kultur, als Geist, als eine Offenheit für alle.
WB: Was hat sich in den neuen, alten Räumen geändert?
S: Der Raum für den Jüdischen Salon besitzt jetzt große Glasfronten zum Garten und keine Säulen mehr, so dass jeder ungehinderte Sicht auf die Bühne hat. Das Haus ist übrigens so toll gebaut, das wir keinen Empfang für Handys haben.
WB: Womit läuten Sie den Veranstaltungskalender ein?
S: Zu Gast wird am 30. Oktober Tal Alon, Gründerin und Chefredakteurin des „Spitz Magazin“ sein. Sie beschäftigt sich mit der wachsenden Zahl von Israelis, die es nach Berlin zieht. (geh)

Weitere Infos unter salonamgrindel.de
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