„Schatzkiste“ sucht Helfer

Anzeige
Seit Anfang des Jahres leitet Lena Höllriegl (23, li.) die Schatzkiste. Gabriele Weber (64) unterstützt sie ehrenamtlich Foto: Flüß
 
Seit 4,5 Jahren dank der Schatzkiste ein Paar: Inken und Michael Foto: Flüß

Neues von der Partnervermittlung für Menschen mit Handicap

Alsterdorf „Ich möchte einen netten Partner kennenlernen, der treu sein soll.“ Martinas Wunsch ist ganz normal, seine Erfüllung ist aber noch nicht selbstverständlich. Denn Martina hat eine Behinderung und sucht in der Schatzkiste nach einem Partner. Die Gründung der Partnervermittlung für Menschen mit Behinderung der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA) war bei ihrer Gründung 1998 ein Novum in Deutschland. Mittlerweile gibt es bundesweit 35 Schatzkisten. Das Thema Behinderung und Partnerschaft ist aber in weiten Teilen der Gesellschaft immer noch ein Tabu: „Das müsste überall noch ein größeres Thema sein“, findet Lena Höllriegl, die seit Anfang des Jahres die Schatzkiste am Alsterdorfer Markt leitet. „Wir reden von Inklusion, aber warum ist ausgerechnet das kein Thema? Es ist schließlich ein normales Bedürfnis, sein Leben mit jemandem zu teilen.“ Auch sei Aufklärung wichtig, damit Menschen mit Behinderung selbstbestimmt mit ihrer Sexualität und möglichen Folgen umgehen können.
Jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr ist die Schatzkiste zum Kennenlernen, gemeinsamem Spielen und Austausch geöffnet. Zum Sommerfest kürzlich ist der Andrang besonders groß: Rund 100 Besucher haben sich angemeldet. Vor der Tür, im Flur und den beiden Gruppenräumen werden neue Kontakte geknüpft und alte Bekannte begrüßt. „Wie heißt Du und wo wohnst Du?“, fragt ein junger Mann auf der Bank im Flur seine Sitznachbarin interessiert. Für andere kommt aktives Flirten hingegen nicht in Frage: „Ich will im Moment keine. Man muss auf mich zukommen“, erklärt Alexander selbstbewusst. „Viele geben hier zu schnell auf und haben zu hohe Ansprüche. Madonna oder Britney Spears kann man hier nicht erwarten“, findet Michael. Der 52-Jährige, der bei den Alstergärtnern in Farmsen arbeitet, ist durch einen Arbeitskollegen auf die Schatzkiste aufmerksam geworden und hat hier seine Freundin Annette kennengelernt. „Ihre Ausstrahlung ist das Besondere“, sagt er und resümiert: „Ich bin zufrieden. Glück ist vergänglich. Das eine Gefühl gibt es ohne das andere nicht.“ Er und Annette wurden mit Hindernissen ein Paar: „Wir haben Telefonnummern ausgetauscht. Weil sie einen Schlaganfall hatte, war eine Ziffer nicht klar geschrieben.“ Private Daten geben die Vermittler der Schatzkiste nicht heraus.
Wie in anderen Partnervermittlungen auch gibt es eine Datenbank, aus der Lena Höllriegl zueinander passende Profile heraussucht. Ein Internetportal, in dem man sich selbst auf die Suche begeben kann, ist die Schatzkiste nicht. Mitbegründet wurde sie 1998 von Heidilore Kossenjans: „Meine Tochter ist behindert und ich habe mich gefragt, wo man sich treffen und ungezwungen Leute kennenlernen kann. Es gab ja in Hamburg nichts.“ Ihre Tochter Inken hat in der Schatzkiste ihren Freund Michael kennengelernt, mit dem sie seit 4,5 Jahren zusammen ist. Wie bei jeder Partnersuche gibt es oft konkrete Vorstellungen zu Äußerlichkeiten. „Ich frage dann: Was ist wirklich wichtig, blaue Augen oder gute Gespräche? Sind die blauen Augen vielleicht auch ein Ausschlusskriterium?“, erzählt Lena Höllriegl. Meistens sind sie es: „Das Äußere ist gar nicht so wichtig“, hat die 23-jährige Sozialpädagogin bei ihren Suchenden beobachtet. Unterstützt wird Lena Höllriegl ehrenamtlich von der Sozialarbeiterin Gabriele Weber (64). Beide wünschen sich weitere ehrenamtliche Helfer: „Es ist schade, wenn wir zu den Schatzkiste-Treffs am Dienstagnachmittag nur mit Kaffeekochen beschäftigt sind“, sagt Höllriegl. Denn manchmal müsse man den Besuchern auch ein wenig Starthilfe geben. Lena Höllriegl ermuntert dann mit Ratschlägen wie: „Man kann auch mal miteinander reden anstatt sich nur anzulächeln!“ Wer sich für die ehrenamtliche Mitarbeit interessiert, sollte „Lust und keine Scheu haben, sich mit Menschen über Liebe, Partnerschaft und Sexualität zu unterhalten.“ Auch Ehrenamtliche für die Aufnahme von Partnersuchenden in die Kartei sind willkommen. (flü)

Bei Interesse: Anrufen unter 507 735 42 oder eine E-Mail schicken an: lena.hoellriegl@alsterdorf-assistenz-west.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige