Scheibner ungezähmt

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Lässt sich nicht zähmen: Satiriker und Kabarettist Hans Scheibner verzichtet auch zur Weihnachtszeit nicht auf die spitze Zunge. Foto: hfr

Hamburger Kabarettisten-Urgestein geht mit Familie auf Tour

Hamburg-Nord. „Wer nimmt Oma?“ Seit wann er diese Frage zu Weihnachten stellt, weiß Kabarettist Hans Scheibner schon selbst nicht mehr. Aber auch in diesem Jahr wird sein stets aktualisiertes Weihnachtsprogramm wieder Scharen von Scheibner-Fans in Alma Hoppes Lustspielhaus locken, die sehen wollen, wie das Hamburger Kabarett Urgestein aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen und Alltagsbeobachtungen satirisch in sein Weihnachts-Dauerprogramm eingebaut hat.

Oma Beerbaum

Im Mittelpunkt steht Oma Beerbaum. Die ist listig, clever und humorvoll und lässt sich nichts gefallen. Mit dem Oma-Weihnachtsprogramm ist Hans Scheibner in der Vorweihnachtszeit bestens ausgelastet. Gemeinsam mit Ehefrau Petra-Verena Milchert und Tochter Raffaela, die in dem Programm mitspielen, tourt er durch ganz Deutschland, vorzugsweise im Norden, füllt Säle mit bis zu 800 Plätzen. Das Weihnachtsprogramm ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Nicht nur, dass die Geschichten rund um Oma Beerbaum bestens besucht sind und auch bereits gedruckt wurden. Dem Vorläufer, „Weihnachtsmann in Nöten“, 1982 erdacht, verdankt Scheibner auch seiner jetzige Frau. „Ich brauchte eine Schauspielerin für dieses Programm und engagierte die hervorragende Petra-Verena Milchert, mit der ich heute verheiratet bin“, erzählt Scheibner.
Alltagssatire und politisches Kabarett machen den Hamburger, dem man seine Herkunft sprachlich durchaus anmerkt, gleichermaßen aus. In den 1970er Jahren, als seine Karriere begann, lag der Schwerpunkt, der damaligen Zeit und der Jugend geschuldet, noch mehr auf den politischen Texten, aber die Bissigkeit im Umgang mit der Politik hat Scheibner nicht verloren. In der Hamburger Livemusik-Szene der 1970er Jahre mischte er munter mit, schrieb Texte für Gottfried & Lonzo und für Meyers Dampfkapelle. Mit dem Lied „Das macht doch nichts, das merkt doch keiner“ über kleine und große Betrügereien landete Scheibner dann einen Hit, der ihn in ganz Deutschland populär machte. Das Fernsehen entdeckte ihn. Seine Sendung „scheibnerweise“ etablierte ihn in den 1980-er Jahren endgültig unter den Topsatirikern des Landes. Als er Soldaten 1985 in der NDR-Talkshow als Mörder bezeichnete, war´s damit vorbei. Scheibner war nicht zahm geworden.

Kabarettistische Heimat

Die Enttäuschungen und Überraschungen des Lebens haben ihn dazu gebracht, Kabarettist zu werden. „Politiker wollte ich nicht werden. Da blieb nur Kabarettist“, erzählt Scheibner, der schon in der Schule begann, „komische Geschichten“ zu schreiben. „Die erste war eine Liebesgeschichte, die ich mit 15 schrieb. Die war sehr komisch, sollte es aber nicht sein“, erzählt der Kabarettist. Wie findet Hans Scheibner den Stoff für seine Geschichten? „Es gibt kein System. Ich beobachte und das setzt sich dann fest“, erläutert Scheibner, der von Material geradezu erdrückt wird. Das Entscheidende sei dann „das Absurde rauszukitzeln“, erzählt der Satiriker. Wie bei Weihnachten die Oma-Geschichten. Zweimal im Jahr tritt Scheibner gewöhnlich in Alma Hoppes Lustspielhaus auf. „Das ist meine kabarettistische Heimat geworden“, bekennt Hans Scheibner.
Kann der findige Kabarettist auch ´mal vom Satireschreiben abschalten? Ja, vor allem in den Bergen oder wenigstens in Bewegung. Hans Scheibner ist begeisterter Bergsteiger und hält sich beim Tennisspielen fit. Auch den Golfball schlägt er noch ab und zu - und hat sogar ein Stück darüber geschrieben: „Der Golfspieler“. (ch)
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