Schlechter Service beim Hamburger Nahverkehr?

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Rammelvolle U-Bahn am Hauptbahnhof: Diese U3 war gesteckt voll – ein zweiter, fast leerer Zug folgte kurz darauf Foto: fbt
 
Das Berliner Tor ist eine so genannte Konferenzhaltestelle: Hier kreuzen sich U-Bahnen und es gibt eine Verknüpfung mit der S-Bahn Foto: fbt

Politik kritisiert Störungen – Hochbahn transportiert täglich 1,2 Millionen Menschen. Was sagen Sie dazu?

Von Frank Berno Timm
Hamburg
Wie steht es um die Qualität des Öffentlichen Nahverkehrs in Hamburg? Aus der Politik kam zuletzt scharfe Kritik. Beim Umsteigen, so ist vom HVV zu erfahren, werden offensichtlich nur bestimmte Stationen zwischen Bus und Bahn aufeinander abgestimmt. Steigende Preise und sinkende Qualität im S-Bahn-Verkehr gingen nicht – so lautete zuletzt die scharfe Kritik des Verkehrspolitikers Dennis Thering (CDU). Der Bürgerschaftsabgeornete geißelt nicht nur, dass auch die zukünftigen Linien S4 und U5 wieder durch den überlasteten Hauptbahnhof verlaufen sollen, sondern bemängelt, dass die rot-grüne Mehrheit in der Bürgerschaft eine generelle Überplanung des Hamburger Nahverkehrs abgelehnt habe. Auf Nachfrage des Hamburger Wochenblatts, welche U- und S-Bahnen konkret von Störungen betroffen seien, antwortet Thering, hierzu lägen keine genaueren Daten vor.

Wochenblatt-Testfahrt

Eine Wochenblatt-Testfahrt führte mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof über Dammtor nach Altona und im Tunnel zurück zum Hauptbahnhof. Auch eine Rundfahrt auf der ältesten Hamburger Schnellbahnstrecke – der U-Bahn-Ring vom Berliner Tor über Barmbek, die Kellinghusenstraße, den Hafen und zurück ans Berliner Tor – zeigte, dass die Verkehre nachmittags (15 bis 17 Uhr) weitgehend reibungslos funktionieren. Auffällig war nur eine U3 am Hauptbahnhof, die gesteckt voll war, kurz dahinter kam ein zweiter, fast leerer Zug. Wichtige Umsteigestationen sind offensichtlich der Hauptbahnhof, Altona (beide S-Bahn), Barmbek und die Kellinghusenstraße. Überraschend viel Betrieb ist am Spätnachmittag auch am Baumwall. Umsteigen klappt nicht immer. Wer in Billstedt aus dem Metrobus 12 in die U-Bahn wechseln will, sieht den stadtwärts fahrenden Zug auf den letzten Metern der Busfahrt immer wieder davonfahren. Sonntags wendet die U4 in der Regel an der Horner Rennbahn – also fährt der nächste Zug in die Stadt erst neun Minuten später – Wartezeit ist angesagt.

Qualitätsbericht steht aus

Was sagt der Hamburger Verkehrsverbund (HVV)? Sprecher Rainer Vohl macht deutlich, dass man erst in der zweiten Jahreshälfte sagen könne, mit welcher Qualität die Verkehrsmittel im Jahr 2016 unterwegs gewesen seien. In Sachen Metrobuslinie 12 merkt Vohl an, dass die Umsteigezeiten zwischen Bus und U-Bahn auf die Station Mümmelmannsberg abgestimmt seien – wer aus Lohbrügge oder Boberg komme, werde hier passend bedient. „Da die U2 natürlich auf dem Weg nach Billstedt schneller ist als der Bus, ergeben sich für die im Bereich Kirchsteinbek zusteigenden Fahrgäste leider die häufig monierten Wartezeiten“, sagt Vohl. Hinweise an den Haltestellen auf diesen Umstand gibt es allerdings nicht. Die Qualitätsberichte aus den Jahren 2012 bis 2015 sind online. Im jüngsten Bericht steht, U- und S-Bahn unterschieden sich insofern, als es bei der
U-Bahn ein Streckennetz gebe, in dem die Linien zu 92 Prozent getrennt voneinander unterwegs sind. Bei der S-Bahn ist das anders: Sowohl im City-Tunnel als auch auf der Verbindungsbahn Hauptbahnhof – Sternschanze (-Altona) fahren bis zu drei Linien auf denselben Schienen. Also wirken sich bei der S-Bahn Verspätungen viel schneller auf das gesamte Netz aus.

U-Bahn im Taktverkehr

Hochbahn-Sprecherin Constanze Dinse bestätigt das und erinnert daran, dass beim Umsteigen von dem Bus auf die Bahn zähle, dass die U-Bahn im Taktverkehr unabhängig von der Straße unterwegs sei. Besonders gut läuft es aus Hochbahn-Sicht dort, wo von einer Bahn auf dem gleichen Bahnsteig in die andere umgestiegen werde (Kellinghusenstraße, Wandsbek Markt und Barmbek). Am Schlump sei es in den Abendstunden möglich, dass U-Bahnfahrer Kontakt mit ihren Buskollegen (Linie 4) aufnähmen und darum bitten, kurz zu warten – das sei „immer eine Abwägung“. Ihr Unternehmen transportiert täglich 1,2 Millionen Fahrgäste – als Herausforderung nennt die Hochbahnsprecherin die U1 mit ihrer langen, in Teilen eingleisigen Streckenführung. Deutsche-Bahn-Sprecher Egbert-Meyer Lovis räumt ein, es habe in der Vergangenheit bei Störungen eine „Häufung“ im Hauptbahnhof gegeben. Meyer-Lovis spricht von externen Einflüssen, ansonsten gebe es bei der S-Bahn eine „sehr hohe Pünktlichkeit und damit verbunden eine entsprechende Zufriedenheit“.

Was sagen Sie zu dem Thema?

Welche Erfahrungen machen Sie im öffentlichen Nahverkehr Hamburgs? Nutzen Sie Bus und Bahn? Sind Sie pünktlich und zügig unterwegs? Wo klemmt es am meisten? Schreiben Sie an wbv.redaktion@hamburger-wochenblatt.de. Wir werden Ihren Geschichten nachgehen!
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