Schüler fordern Vorfahrt in Hamburg

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Vorsicht Autos! Wie Björk und Vincent überqueren jede Woche 801 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Eppendorf den Loehrsweg auf dem Weg zwischen Schule und Turnhalle Foto: Hanke

Bezirksversammlung diskutiert Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen

Von Christian Hanke
Hamburg. Was für ein ungewöhnlicher Auftritt im Regionalausschuss Eppendorf/Winterhude: Dort, wo gewöhnlich gestandene Bürgervertreter ihre Anliegen vortragen, machten in der letzten Sitzung zwei Kinder auf ihr Problem aufmerksam. Björk (10) und Vincent (11) forderten zwei Zebrastreifen im Bereich der Straßen Loehrsweg, Haynstraße, Loogestieg, die sie mindestens einmal in der Woche kreuzen müssen, um von ihrer Schule, dem Gymnasium Eppendorf, zur rund 500 Meter entfernten neuen Turnhalle an der Loogestraße zu gelangen. Diese Strecke ist außerdem ein viel genutzter Schulweg von und zum U-Bahnhof Kellinghusenstraße.

Straßen sind schwer einzusehen

Die Kommunalpolitiker waren von dem Auftritt der Schüler begeistert. „Es ist schön zu sehen, wie sich Kinder und Jugendliche für ihr Umfeld einsetzen und engagieren. Das muss man einfach unterstützen“, fand die SPD-Abgeordnete Heike Lucas. SPD und FDP hatten das Anliegen der Schüler bereits in einem Antrag formuliert. Björk und Vincent, die die fünfte Klasse des Gymnasiums Eppendorf besuchen, erleben die Schwierigkeiten auf dem Weg von Schule zur Turnhalle jede Woche hautnah. An der Kreuzung Hayn-, Hegestraße, Loehrsweg gibt es zwar zwei Zebrastreifen, aber keinen über den Loehrsweg, den 801 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Eppendorf auf diesem Weg jede Woche ebenfalls überqueren müssen. Außerdem fehlt an einer Kreuzung weiter ein markierter Übergang über den Loogestieg. Alle diese Straßen sind zwar kleine Wohnstraßen, aber durch den enormen Parkdruck in Eppendorf werden sie hoffnungslos zugeparkt und können daher auch an den Kreuzungen nur sehr schwer eingesehen werden.

„Wir wollten erleben, was passiert, wenn man so ein Problem hat. Wie in einem
Regionalausschuss damit umgegangen wird.“ Vincent


Da Björk und Vincent an ihrer Schule in der Politik AG mitarbeiten, interessierte sie dieses Problem besonders. „Wir wollten erleben, was passiert, wenn man so ein Problem hat. Wie in einem Regionalausschuss damit umgegangen wird“, erläutert Vincent. So konnten die beiden Schüler miterleben, wie ihr Problem in Form eines Antrags von der Kommunalpolitik aufgegriffen wurde, dem alle Mitglieder des Aussschusses zustimmten. Beschlossen ist damit aber noch nichts. Auch das lernten Björk und Vincent. Der Regionalausschuss kann seine Vorsitzende nur auffordern, sich für das entsprechende Anliegen einzusetzen. Dagmar Wiedemann (SPD), die den Vorsitz im Regionalausschuss inne hat, wird nun vor allem die Polizei befragen müssen, von deren Votum die Umsetzung der Forderung der Eppendorfer Gymnasiasten abhängen wird.

Schulwege sollen sicher sein

Am kommenden Donnerstag erhält dieses Anliegen in der
Bezirksversammlung voraussichtlich eine größere Bedeutung, denn SPD und FDP haben die Forderung von Björk und Vincent in einen allgemeinen Antrag zum Therma Zebrastreifen in Tempo-30-Zonen gepackt. Sie fordern den Bezirksamtsleiter auf sich dafür einzusetzen, dass Zebrastreifen in den Wohngebieten mit hohem Parkdruck „insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Schulwegsicherung“ nicht „ersatzlos wegsaniert werden“, sondern auch neu hergestellt werden können.
Der Hintergrund: in Tempo-30-Zonen darf es eigentlich gar keine Zebrastreifen mehr geben. Wer nicht schneller als 30 km/h fährt, gefährdet ja niemanden, so der Gesetzgeber. Eine gefährliche Illusion, denn Tempo-30-Fahrer sind in Tempo-30-Zonen leider nicht selbstverständlich.
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