Schul-Dresscode gegen Hotpants und Bauchfrei-Mode

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So knapp bekleidet wie auf diesem Symbolbild sollte man nicht in die Schule gehen: Dieser Meinung ist die Schulkonferenz der Sophie-Barat-Schule (Foto: thinkstock)

Neue Kleiderordnung an der katholischen Sophie-Barat-Schule: "Freizügige und nachlässige Kleidung löst ungute Gefühle aus"

Von Silvia Stammer

Rotherbaum. "So gehst du mir nicht in die Schule!" Manche Mutter, mancher Vater denkt oder spricht diesen Satz, wenn der Nachwuchs jetzt wieder morgens das Haus verlässt. Das gilt insbesondere beim Blick auf Teenager-Töchter mit Hotpants und T-Shirts, die in Nabelhöhe enden. Ein Verbot für die Mini-Shorts hatte kürzlich bei einer Schule in Horb am Neckar zu einem Shitstorm und einer bundesweiten Diskussion geführt. Auch in Hamburg regt sich jetzt Widerstand im Klassenzimmer gegen allzu "freizügige und nachlässige Kleidung", wie es in den neuen Dresscode-Richtlinien der Sophie-Barat-Schule heißt.

Zu viel Haut? Nein, danke!


Wie das Hamburger Wochenblatt erfuhr, wurde den Schülern und Schülerinnen des Katholischen Gymnasiums in der Warburgstraße mit Start des Schuljahrs die neue Kleiderordnung bekanntgegeben. Das bestätigte Christoph Schommer, Sprecher der Katholischen Schulen in Hamburg. Die Schulkonferenz - Schüler, Lehrer- und Elternvertreter - der "Sophie", wie sie liebevoll genannt wird, hat Richtlinien beschlossen, was man NICHT im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof sehen möchte: "Brustansatz, Bauchfreiheit, Unterwäsche/Unterhosen, zu viel Oberschenkel, Aufdrucke mit Aussagen, die andere in ihrer Würde verletzen - insbesondere sexistische, rassistische oder anti-demokratische Botschaften".

In fünf ausführlich begründeten Absätzen wird den neuen Richtlinien ein eigenes Kapitel in der Hausordnung gewidmet. Die Sophie-Barat-Schule sei eine Bildungseinrichtung und damit ein öffentlicher Ort gemeinsamen Lernens. Damit unterscheide sie sich "also wesentlich von der Freizeit". Für eine gute und erfolgversprechende Arbeitsatmosphäre sei im Umgang miteinander die gegenseitige Wertschätzung und Toleranz unerlässlich. Dieser Umgang werde auch durch die Kleidung unterstrichen - als "Zeichen von Respekt und nicht nur Geschmacks- oder Stilfrage".

Ungute Gefühle


Allzu freizügige und nachhlässige Garderobe könne ungute Gefühle auf Lehrer-, aber auch auf Schülerseite hervorrufen. Und weiter: "Auch wenn tiefe Dekolletés, Bauchfrei-Shirts, tief sitzende und stark abgerissene Jeans gegenwärtig Mode sind, muss immer wieder diskutiert werden, wofür Kleidung, aber auch Mode gerade bei Jugendlichen steht, wie sie integriert und ausschließt, anzieht oder auch abstößt."

Schließlich gehe es auch um die Konzentration, wenn man die Kleidung seines Gegenüber ansieht. Bei so viel Haut, wie manche Schülerinnen zeigen, oder auch angesichts der Boxershorts, die sich über die Jeans vieler Jungs rollen, dürfte dieser Hinweis durchaus berechtigt sein - werden zumindest manche Eltern überzeugt sein.

Die katholischen Schulen sind in Hamburg individuell mit der Frage befasst, ob und welche Kleiderordnung gilt oder ob beispielsweise eine Schulkleidung empfohlen wird. Eine Vorgabe durch den Schulverband besteht laut Sprecher Schommer nicht.

Und was ist mit möglichen Dresscodes an den staatlichen Schulen in der Hansestadt? Dazu hätte das Hamburger Wochenblatt gerne die Schulbehörde gehört. Eine Anfrage per Telefon und Mail blieb jedoch bis Redaktionsschluss ohne Antwort.
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 29.08.2015 | 19:34  
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