Schwanenvater feiert Dienstjubiläum

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Ein-Mann-Betrieb im „Schwanenwesen“ mit Verstärkung: Olaf Nieß (rechts), Mithelfer Vincent Mayer und Vorstehhündin Caja Foto: Haas
 
Olaf Nieß im ersten „Lehrjahr“: Als Kleinkind krabbelnd mit jungen Graugänsen Foto: privat, Repro: Haas

Olaf Nieß kümmert sich seit 30 Jahren um Hamburgs edle Vögel

Von Waltraut Haas
Eppendorf
Bisher haben sich Seehunde in diesem Sommer nicht auf Hamburger Gebiet verirrt. „Aber das kann sich noch ändern“, weiß Olaf Nieß (49) aus Erfahrung. Seit August 1986 ist er tätig in der Dienststelle „Hamburger Schwanenwesen und Wildtiermanagement“: als geprüfter Revierjagdmeister nach einer über sechsjährigen Berufsausbildung zunächst an der Seite seines Vaters Harald Nieß (1931-2016). Doch in die „Lehre“ beim Senior-Schwanenvater ging er schon seit Kindertagen. Wenn es hart kam, packte die Familie mit an. Wie etwa nach der Havarie des Öltankers Afran Zenith im Juli 1981, als rund 300 Tonnen Rohöl ausliefen. „Danach hatten wir das Haus voller ölverschmierter Schwäne, die Tag und Nacht versorgt werden mussten“, erinnert sich Olaf Nieß, inzwischen versiert in aufwendigen Verfahren zur Bergung und Rettung von kontaminierten Wasservögeln. Und leider gibt es immer noch Ölalarm auf Hamburgs Gewässern: mit Ölsperren durch die Feuerwehr und Tierrettungen kommt er auf monatlich zwei bis drei Einsätze. Notfalls rund um die Uhr ist er im Einsatz für alle Wildtiere und Meeressäuger. So etwa, wenn nachts eine Kegelrobbe in Övelgönne auftaucht oder wenn im Hafen ein Schweinswal strandet. Für sie steht in der Dienststelle am Mühlenteich ein kleines Seehundbecken bereit, bis sie in die Nordsee transportiert werden können oder in die Seehundstation Friedrichskoog. Auch um angriffslustige Dachse, die sich in Tiefgaragen oder Komposthaufen verirren, kümmert sich Nieß, ebenso um Rehe auf der Autobahn. Oder um Wildschweine, wie zuletzt an der Alster im Mai 2012: Ein Einsatz, bei dem sich Diensthund Balou schwer verletzt und nicht wieder erholt hatte. Das Aufspüren von Tieren übernimmt jetzt die Deutsch-Drahthaar-Hündin Caja. Die kürzlich im Brutkasten ausgebrüteten Schwanenküken, deren Mutter auf dem Nest starb, wurden von einer Schwanenfamilie adoptiert. Dass die Aktion gelang, ist eine kleine Sensation: „Solche Glücksfälle bringen den Spaß in meinem Beruf“, sagt Olaf Nieß und seufzt, wenn er an die vielen Wasservögel denkt, verletzt durch achtlos entsorgte Angelhaken und -schnüre. „Das ist leider tägliches Geschäft. Aber immerhin können wir hier Tiere retten, die sonst keine Chance hätten.“ So kann ein tierärztlich gut behandelter Schwan trotz zertrümmertem Flügel auf der Alster weiterleben. Auch das behördliche Umdenken im Wasserbau helfe inzwischen der Natur – eher unauffällig.

„Feuer weiter geben“


Als Kind kommt ihm die Dienststelle seines Vaters vor „wie ein Abenteuerspielplatz“. Und so wächst er im Laufe der Jahrzehnte in sein Amt. Heute verfügt er allerdings über besseres technisches Equipment: Wo der Senior noch per Fahrrad und Schlauchboot rudernd unterwegs war, setzt der Junior jetzt Motorboote und einen gut ausgestatteten Rüstwagen ein. Verstärkt wird der Ein-Mann-Betrieb am Eppendorfer Mühlenteich gerade durch Vincent Mayer, 21, der hier ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert. Die Mitarbeit motiviere ihn, Biologie zu studieren, sagt Mayer. „Schwanenvater“ ist nur in Hamburg ein alter Traditionsberuf. „Meine Planstelle wurde schon 1674 eingerichtet“, sagt Olaf Nieß stolz. Und auch heute erfährt er überall, wie intensiv die Hamburger mit ihren Höckerschwänen emotional verbunden sind. Was er persönlich von seinem Amt hält? Nieß antwortet lächelnd mit einem Zitat unbekannten Ursprungs: „Tradition ist

Weitere Infos: Hamburger Schwanenwesen
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