Sehbehindert? Gold geholt!

Anzeige
Stolzer Medaillen- Gewinner: Lian Thomsen (14)

Was Lian (14) im Internat der Hamburger Blindenstiftung am Südring so fit macht

Von Miriam Flüß
Hamburg/Winterhude. Das Anfeuern trieb Lian Thomsen zu Höchstleistungen an: Zwei Goldmedaillen gewann der 14-jährige, stark sehbehinderte Schüler Ende Mai bei den Special Olympics in Düsseldorf.
„Ich konnte meinen inneren Schweinehund besiegen“, freut sich Lian, der sich in Düsseldorf selbst übertroffen hat. Im 400-Meter-Lauf war er mit 1,30 Minuten ganze 10 Sekunden schneller als im Training, im Weitsprung übertraf er sich selbst mit 3,15 Meter um mehr als zehn Zentimeter.

„Er hat das Feld von hinten aufgerollt. Ich dachte: Mensch, Lian!“, so Lians stolzer Trainer Jörg Gottschalt, der als Sportpädagoge im Internat der Hamburger Blindenstiftung arbeitet, in dem Lian seit seinem sechsten Lebensjahr lebt.
Derzeit 17 Jugendliche am Südring
In dem Internat am Südring 20 leben Kinder und Jugendliche ab dem Schulalter zusammen, derzeit sind es 17 Jungen und Mädchen zwischen 11 und 19 Jahren, die die an das Internat angrenzende Schule für blinde und sehbehinderte Kinder, das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehindert (BZBS) oder die Höhere Handelsschule besuchen. Die Woche verbringen die Schüler, die vorwiegend aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen stammen, im Internat. Am Freitagmittag geht es übers Wochenende nach Hause. Lian fährt dann ins heimische Nordfriesland in die Nähe von Husum.

Selbstvertrauen durch den Sport

Über den Hof läuft André so sicher und zielstrebig, dass es schwer vorstellbar ist, dass der 17-Jährige blind ist. „Es hängt sehr von der Förderung und der Persönlichkeit ab, wie viel Selbstvertrauen die Schüler
erlangen“, weiß Rea Hartwig, die den Kinder- und Jugend-bereich im Internat leitet. „Hier können Blinde und stark Sehbehinderte voneinander lernen. Sie sind untereinander und nicht die Schwachen.“ Zum Selbstvertrauen trägt auch der Sport bei.

Lian ist nicht nur ein talentierter Leichtathlet, sondern hat auch den gelben Gürtel im Judo und spielt gern Fußball mit Sportlehrer „Jörgi“. Der geht mit seinen Schülern auch segeln und snowboarden: „Im Sommer segeln wir in der dänischen Südsee, da müssen alle an einem Strang ziehen. Viele kommen danach verändert wieder. Und im Winter haben bisher alle Snowboarden gelernt!“ Blinde fahren dann mit einem eigenen Guide an der Seite, Sehbehinderte in Zweier- oder Dreiergruppen.
In Sachen Inklusion gibt es für Jörg Gottschalt und Rea Hartwig aber noch viel zu tun, obwohl schon viel passiert sei. „Ich beobachte häufig, dass Menschen dem Blindenstock nicht aus dem Weg gehen“, so Gottschalt. Rund um das Internat klappe es aber gut: „Wir sind bekannt hier und der Bäcker und der Döner-Mann am Borgweg wissen Bescheid, wenn unsere Schüler kommen“, sagt Hartwig.

Kein Heimweh

Lian gefällt das Internatsleben: „Ich habe hier viele Freunde kennengelernt und überhaupt kein Heimweh“, sagt er und verschwindet dann eilig auf den Sportplatz zum Fußballspielen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige