Senioren-Theatergruppe sucht Mitstreiter

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Steht seit 30 Jahren auf der Bühne: Hildegard Frisch (85, r. in „Helga macht nicht mit“) Foto: Herbst-Zeitlosen
 
Spielwütig: Die Herbst-Zeitlosen feiern im kommenden Jahr 30. Bühnen-Jubiläum Foto: Herbst-Zeitlosen

Bei den „Herbst-Zeitlosen“ machen Frauen zwischen 60 und 85 Theater

Von Miriam Flüß
Winterhude
„Ich dachte, ich würde höchstens Karten abreißen“, erinnert sich Hildegard Frisch schmunzelnd an ihre Anfänge bei der Senioren-Theatergruppe „Die Herbst-Zeitlosen“. Seit der Gründung der 60+-Gruppe 1987 ist die 85-Jährige dabei – und steht seitdem mit viel Spielfreude auf der Bühne. Mit Theater hatte die Winterhuderin dabei „nie viel am Hut“: Eine Bekannte, die von Berlin nach Hamburg zog, wurde in einer Wochenblatt-Anzeige auf die neu zu gründende Theatergruppe aufmerksam und hatte Hildegard Frisch mitgenommen. „Mitte und Ende der 1980er-Jahre entstanden viele Laientheatergruppen. Die Welle ist mittlerweile vergangen, aber die Herbst-Zeitlosen sind noch dabei“, freut sich Theaterpädagogin Hedwig Bumiller, die seit 25 Jahren als Regisseurin und Autorin mit den spielwütigen Senioren arbeitet. Zwischen 60 und 86 Jahre alt sind die acht ausnahmslos weiblichen Mitglieder, zwei neue Mitspieler werden derzeit gesucht. „Wer bei uns mitmachen möchte, muss offen für alles sein“, erklärt Hildegard Frisch. Tabus gäbe es in der Theatergruppe nämlich nicht. Angepackt werden aktuelle Themen und heiße Eisen von Fukushima bis zur Elbphilharmnonie. Die Entwicklung des Textes und die Recherche findet Hildegard Frisch besonders spannend: „Für unser letztes Stück ‚Hamburg.Weiblich.Nachts‘ haben wir mit einer Prostituierten auf der Reeperbahn recherchiert.“ Lampenfieber hat sie nach 30 Jahren immer noch: „Es gibt auch mal Textausfälle, aber wir lernen, damit umzugehen.“ Brigitte Schrömbges, die seit dem Abitur ihrer Tochter vor fünf Jahren bei den Herbst-Zeitlosen mitspielt und vorher schon in einer Bonner Theatergruppe Bühnenluft geschnuppert hat, weiß: „Zu Texthängern kann es kommen, wenn man zu emotional ist. Meine Mitspielerin hat es aber sofort gemerkt. Man muss immer einen Blick auf die ganze Gruppe haben, darf nicht aus der Rolle raus und muss die Illusion halten.“ Einen Blick aufeinander haben die Frauen auch hinter der Bühne: „Das ist eine kleine Familie, wir helfen uns gegenseitig“, schwärmt Ulla Cohrs. Die ehemalige Betreiberin eines Steptanz-Studios ist erst vor wenigen Monaten zu den Herbst-Zeitlosen gestoßen: „Auch mit 76 Jahren kann man noch etwas bewegen. Es ist wichtig, das Gehirn anzuregen und bei der kreativen Arbeit mit Menschen kommt so viel zurück“, findet sie. „Das Textlernen ist nicht ohne, aber es wird Zeit, dass Ältere nicht nur Kaffee trinken“, ergänzt Marita Leiser. Statt Kaffeeklatsch gibt es bei Regisseurin Hedwig Bumiller jeden Dienstag auf der Bühne des Goldbekhauses drei Stunden lang professionelle Proben. Knapp und präzise sind die Aufgaben, die Bumiller ihren Schauspielerinnen nach einem Aufwärmtraining mit Grimassieren, Fechtübungen mit Zeigefingern und Spiel auf der Klaviatur der Emotionen stellt: In Kleingruppen müssen die Herbst-Zeitlosen unter ihren kritischen Augen auf der Bühne kleine Szenen improvisieren oder spontan in die Rollen von Astronauten, Spüllappen oder Neandertalern schlüpfen. „Schauspielerisch entwickelt man sich hier weiter in Mimik und Gestik“, resümiert Hildegard Frisch ihre lange Bühnenerfahrung. Nun probt sie mit Hedwig Bumiller und ihren Mitspielerinnen für das große Bühnenjubiläum im September 2017, das aus einer neuen Produktion und einer feierlichen Gala mit einer Chronik bestehen wird.

Gesucht werden noch zwei weitere spielfreudige Mitstreiter, die sich bei Karin Möller per E-Mail an karin.moeller@gmx.de melden können
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