Senioren wollen bleiben

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Der Neubau der Senator-Erich-Soltow-Stiftung soll abgerissen werden. Das sieht eine Planung zur Verlagerung des Altenstifts vor. Foto: Hanke
 
Der Vorstand der Martin-und-Clara-Heimann-Stiftung geriet bei der Vorstellung der Stiftsneubaupläne in Lokstedt gehörig unter Druck der Stiftsbewohner.Fotos: Hanke

Senioren wollen bleiben

Von Christian Hanke
Hoheluft. Was geschieht mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Gebäude der Martin-und-Clara-Heimann-Stiftung an Martinistraße 83 und Löwenstraße 77? Um die Zukunft der überwiegend älteren Bewohner ging´s auf einer vom Vorstand der Heimann-Stiftung organisierten Veranstaltung in der Aula Curschmannstraße der Stadtteilschule Eppendorf, an der auch Dr. Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg teilnahm. Wie die Senator-Dr.-Erich-Soltow-Stiftung, die im selben Häuserblock wie die Heimann-Stiftung Wohnungen für ältere Menschen an der Breitenfelder Straße vermietet, beabsichtigt auch die Martin-und-Clara-Heimann-Stiftung ihre dortigen Gebäude an die Stadt zurückzugeben, die hier Grundeigentümer ist, und im Grandweg in Lokstedt neue Stiftsgebäude auf Flächen zu errichten, die ihr die Stadt kostenlos zur Verfügung stellen würde (das WochenBlatt berichtete).
Der Vorstand der Heimann-Stiftung, von dem vier Mitglieder auf dem Podium saßen, begründete diese Planung mit der Einschätzung, dass die Stiftung notwendige Sanierungen an den Stiftsgebäuden finanziell nicht leisten könne. Die Dachkonstruktionen müssten erneuert werden. Fahrstühle könnten nicht eingebaut werden. Die Neubauten im Grandweg würden dagegen über alle Annehmlichkeiten verfügen, die der ältere Mensch sich heute wünscht, inklusive Betreutes Wohnen und Servicewohnen. Doch vielen der anwesenden Stiftsbewohnern bedeutet die gewohnte Umgebung in Hoheluft/Eppendorf viel mehr als die schöne neue Altenwelt in Lokstedt. „Ich hab´ hier doch alles. Hier ist das Leben. Da in Lokstedt ist doch nichts“, sagte eine ältere Dame. „Das ist kein Sanierungsfall“, fand ein anderer Bewohner in Bezug auf die vorhandenen Stiftsgebäude. Außerdem vermisst offenbar niemand die fehlenden Fahrstühle und mit „Betreutem Wohnen“ ließen sich die Alten auch nicht nach Lokstedt locken. Allein schon wegen des Aufpreises, den diese Betreuung kosten würde. Besonders erbost zeigten sich zwei Bewohnerinnen, die erst vor nicht allzu langer Zeit in die Heimann-Stifte gezogen waren, und nun womöglich wieder umziehen sollen. Der relativ junge Heimann-Vorstand, der erst vor zwei Jahren seine jetzigen Aufgaben übernommen hat, beteuerte, dass im Mai erstmals mit der Stadt über die Verlagerung der Stiftswohnungen gesprochen wurde. „Es gibt noch keine Verträge mit der Stadt. Es gibt nur Vorbesprechungen“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Sebastian Kühl, der beteuerte, dass er und seine Vorstandskollegen ehrenamtlich arbeiten und vom Verkauf des Geländes der jetzigen Stiftsgebäude nicht profitieren würden.
Eine derartige Veräusserung wäre nach den bisherigen Informationen zu den Plänen von Stiftung und Stadt nämlich die Folge des geplanten Umzugs der älteren Menschen von Hoheluft-Ost nach Lokstedt. Die Stadt würde das Gelände verkaufen, das dann - in dieser Lage - sicherlich hochpreisig bebaut würde.
Wehte dem Heimann-Vorstand bis dahin schon ein eisiger Wind entgegen, so verstummte er fast ganz, als Mieteranwalt Rolf Bosse lautstark das Wort ergriff. Er verdeutlichte, dass kein Mieter mit der Aufgabe der Stiftsgebäude durch die Heimann-Stiftung auszuziehen brauche. Allerdings könnte ein neuer Eigentümer natürlich seine finanziellen Bedingungen diktieren. Bosse fragte sich, wie wohl Vereinbarungen zwischen Stadt, Stiftung und neuen Investoren aussehen könnten und forderte Transparenz vom Vorstand der Martin-und-Clara-Heimann-Stiftung. Um die Mieter zu stärken, forderte er sie auf, Interessengemeinschaften zu bilden und rief gleich zur Bildung eines Mieterrats auf. Drei Mieterinnen und Mieter meldeten sich spontan. Bosse wurde aufgefordert, die Interessen der Mieter zu bündeln und sie zu vertreten. Er stellte sich zur Verfügung und forderte, dass bei künftigen Verhandlungen zwei oder drei Mieter mit am Tisch sitzen müssten. Ein neues Treffen mit Vertretern der Stadt ist für Oktober oder November vorgesehen. (ch)
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