„Sitzen zwischen Baum und Borke“

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Idylle unter Bäumen am Kellerbleek: Martin Kottmeiers Zimmerei muss dem „Tarpenbeker Ufer“ weichen Foto: Haas
 
In Festtagskluft: Martin Kottmeier (dritter von rechts) und Team beim Richtfest für das BUND-Haus im Kellinghusenpark Foto: Haas

Das letzte Unternehmen am Kellerbleek muss weg

Groß Borstel Aktuell beschickt sein Acht-Mann-Betrieb drei Baustellen. Kürzlich feierte er mit seinem Team das Richtfest für die abgebrannte Kate im Kellinghusenpark: das „Haus der BUNDten Natur“. Zudem muss sich Martin Kottmeier aber auch um einen neuen Standort für seine Zimmerei kümmern, denn die Tage von „FachWerk“ am Kellerbleek sind gezählt. Sein Betrieb ist der letzte, der dem Wohnungsbauprojekt „Tarpenbeker Ufer“ weichen muss. Wo jetzt noch Hölzer lagern und für die Bauherren zugerichtet werden, sollen bald die Erschließungsarbeiten für 750 Wohnungen starten (das Wochenblatt berichtete). Zuvor war hier eigentlich die Ansiedlung von Handwerksbetrieben geplant. Doch dann kam alles anders: mit dem ambitionierten Wohnungsbauprogramm des Senats. „Jetzt ist es wie es ist. Wir müssen hier weg“, bedauert der gebürtige Hamburger Jung achselzuckend.
Aktuell wird seine Pacht am Kellerbleek noch monatsweise verlängert. Die Lösung ist in Sicht: Ein Grundstück der städtischen Wirtschaftsförderung am Vierenkamp in Niendorf steht zum Verkauf. Allerdings sei der Erwerb an eine erteilte Baugenehmigung gebunden. Voraussichtlich erst ab Januar kann Kottmeier dort mit dem Bau einer neuen Halle starten. „Deswegen sitzen wir gerade irgendwie zwischen Baum und Borke“, sagt der 55-Jährige.
Seit 1982 ist er Zimmermann – mit hohem Anspruch: Nichts weniger als die traditionelle Handwerkskunst will er wiederbeleben. Zusammen mit drei Kompagnons gründet er 1999 die Zimmerei „FachWerk“, die sich der fachgerechten Erhaltung historischer Bausubstanz widmet. Der Betrieb findet einen Schwerpunkt in der Restaurierung von Objekten unter Denkmalschutz, spezialisiert sich auf überlieferte Werktechniken und Holzverbindungen. Für Arbeiten an Mühlen oder historischen Fachwerkhäusern wurde er bereits ausgezeichnet: mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“.
Doch auch als traditioneller Handwerker müsse er mit der Zeit gehen, sagt Kottmeier. „Früher kaufte der Bauherr das Holz, dann verrichtete der Zimmermann seine Arbeit auf der Bausstelle.“ Heute gilt Zeiteinsparung. „Die Hölzer werden hier auf dem Platz schon angerissen.“ Ganze Wände und Balken werden in der Zimmerei maßstabsgerecht zugesägt und „abgebunden“, nur der Dachstuhl wird noch auf der Baustelle montiert. Zudem müsse der gesamte Auftrag vorfinanziert werden. Vor der Bezahlung kommt die Zahlungsmoral: Privatkunden beglichen ihre Rechnungen meist sofort, während öffentliche Auftraggeber oft zu den säumigen Kunden zählten. Schon aus Kostengründen müsse man sich „modern aufstellen“: Neben Arbeiten im Bereich der Denkmalpflege entwickelt sich der Hausbau aus Massivholz zum zweiten Standbein von „FachWerk“, aktuell noch eine Nischenproduktion. „Aber der Massivholzbau ist ganz groß im Kommen“, weiß Kottmeier, während er auf einen Klotz aus verfugten Hölzern zeigt: Er kommt ohne Nägel, Folien oder Abklebungen aus und ohne chemischen Holzschutz. „Das nenne ich baubiologisch sauberes Arbeiten.“ Dafür werden Eiche, Douglasie oder Lärche aus nach alter Väter Sitte nur in den Wintermonaten und bei abnehmendem Mond geschlagen, danach mindestens zwei Jahre trocken gelagert. Holz für fachgerechte Handwerkskunst. (wh)
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