So spannend ist Medizin von gestern

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Im neu eröffneten Medizinhistorischen Museuem werden zahlreiche Moulagen (Wachsnachbildungen von Krankheitszeichen auf der Haut) ausgestellt
 
600 Exponate dokumentieren die medizinhistorische Entwicklung seit dem 19. JahrhundertFotos: Medizinhistorisches Museum

Ausbau und neue Schau: Medizinhistorisches Museum Hamburg am UKE wird wiedereröffnet

Hamburg-Nord. Welche wissenschaftlichen Methoden haben das Fundament für die moderne Medizin gelegt? Welche medizinischen Apparate gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts? Vor welchen medizinischen Herausforderungen stand Hamburg und „sein“ Krankenhaus, das spätere Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), damals? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt das Medizinhistorische Museum Hamburg auf dem Gelände des UKE. Am Mittwoch, 30. Oktober, öffnet es mit der neuen Dauerausstellung „Die Geburt der modernen Medizin“ seine Tore. Das Museum befindet sich im denkmalgeschützten Fritz Schumacher-Haus und zeigt besondere Exponate wie seinen deutschlandweit einzigartigen Sektionssaal und eine der ersten Röntgenröhren weltweit.
100 Jahre alter Sektionssaal
„Wir freuen uns, dieses einmalige Museum im denkmalgeschützten Fritz Schumacher-Haus der Öffentlichkeit übergeben zu können. Hier wird die Geschichte der modernen Medizin im historischen Ambiente erfahrbar. In den Themengebieten der Ausstellung ‚Der Kosmos Krankenhaus‘, ‚Krankheit und Stadt‘ sowie ‚Hafen und Medizin‘ werden insbesondere auch die enge Verbindung zwischen der Stadt Hamburg und ‚ihrem‘ Krankenhaus, dem späteren Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, anschaulich gemacht“, sagt Prof. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan und Vorstandsmitglied des UKE. Der Freundes- und Förderkreis des UKE e.V. hat seit 2007 schrittweise die Räume im Fritz Schumacher-Haus in ihrer bauzeitlichen Architektur und Farbigkeit wiederhergestellt und eine neue Nutzung als Medizinhistorisches Museum Hamburg ermöglicht. „Der Sektionssaal mit seinen originalen, fast 100 Jahre alten Sektionstischen überrascht den Besucher durch seine Architektur und Lichtfülle und ist zugleich das größte Exponat des Museums. Die umfangreichen Restaurierungsarbeiten waren nur mit Unterstützung durch das Hamburger Denkmalschutzamt und mit finanzieller Hilfe großzügiger Sponsoren, Stiftungen und vieler engagierter Spender zu schaffen“, sagt Prof. Dr. Adolf-Friedrich Holstein, Vorstandsvorsitzender des Freundes- und Förderkreises des UKE e.V.
Das neue Museum für Hamburg steht unter der Leitung des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin des UKE. „Naturwissenschaftliche Methoden schafften im Verlauf des 19. Jahrhunderts ein neues Fundament für die Medizin: Physik und Chemie erlaubten spektakuläre Einblicke in den menschlichen Körper, die Mikroskopie enthüllte die Struktur von Körperzellen und Krankheitserregern, das Experiment in Labor und Klinik wurde zum wesentlichen Forschungsinstrument. Das Medizinhistorische Museum stellt die Entwicklung von Medizin und Gesellschaft mit rund 600 Exponaten auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern anschaulich dar“, sagt Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin des UKE.
Einzigartige Moulagensammlung
Ausgestellt werden auch zahlreiche Moulagen (Wachsnachbildungen von Krankheitszeichen auf der Haut). Seit dem 19. Jahrhundert wurden sie für wissenschaftliche Präsentationen und im Unterricht der Medizinstudierenden genutzt, denn bis in die 1950er Jahre war die Farbwiedergabe der Fotografie zu verfremdend für medizinische Darstellungen der Dermatologie. Moulagen beruhen auf Gipsabdrücken von Patienten. Die so gewonnenen Negativformen wurden mit einer speziellen Wachsmischung ausgegossen und in Anwesenheit der Patienten koloriert. „Mit 600 Moulagen gehört die Sammlung des UKE zu den umfangreichsten noch erhaltenen Sammlungen im deutschsprachigen Raum. Etwa 50 von ihnen zeigen wir in der Dauerausstellung; sie dokumentieren, wie die Syphilis-Erkrankung zwischen 1880 und 1950 dargestellt und therapiert wurde“, sagt Dr. Antje Zare, Kuratorin des Medizinhistorischen Museums Hamburg. (wb)

Öffnungszeiten: mittwochs, freitags und sonnabends von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 12 bis 18 Uhr; öffentliche Führungen gibt es jeden Freitag um 17 Uhr.
Der Eintritt beträgt fünf, ermäßigt drei Euro. Ein barrierefreier Zugang ist nach telefonischer Anmeldung unter (040) 7410-52643 möglich. – Sonderführungen auf Anfrage: medizinhistorisches-museum@uke.de
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