So summt es in Eppendorf

Anzeige
Imker Thorsten Willers (49, l.) und Günther Poppinga (59) von der Anscharhöhe freuen sich auf den Honig Foto: flü

Berliner Bienenvölker auf der Anscharhöhe angesiedelt. Erster Honig erwartet

Eppendorf Die Anscharhöhe summt: In den historischen Garten der Familie de l’Aigle sind vier Bienenvölker gezogen. Ein fünftes soll in Kürze folgen. Schon Mitte Juni kann der erste Eppendorfer Honig vernascht werden. „In der Frühtracht werden es etwa 45 Kilogramm, im ganzen Jahr bekommen wir 250 Gläser Honig,“ schätzt Imker Thorsten Willers (49), der einmal wöchentlich nach seinen Bienen sieht. Rund 20.000 Arbeiterinnen eines Bienenvolkes schwärmen von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang im Umkreis von zwei Kilometern aus. „Da versteht man, woher das geflügelte Wort von den fleißigen Bienen kommt“, staunt Günther Poppinga, Vorstand der Stiftung Anscharhöhe.

Bienen aus Berlin


Poppinga hat die Bienen zusammen mit Imker Willers und Cornelis Hemmer von der Berliner Stiftung für Mensch und Umwelt nach Eppendorf geholt. Hemmers hat mit seiner Stiftung 2010 die Initiative „Berlin summt“ ins Leben gerufen, die über die Ansiedlung von Honigbienen im urbanen Raum aufzeigen will, wie einfach es ist, Lebensräume für die vielen bedrohten Wildbienenarten zu erhalten oder zu gestalten. Das ist wichtig, denn nach wie vor gilt der Ausspruch von Albert Einstein, der auch an den Bienenstöcken von Imker Willers klebt: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Denn ohne Bienen gäbe es keine Bestäubung und somit keine Pflanzen, Tiere und Menschen mehr. Gefährlich wird den Bienen die Varroamilbe, die als Parasit an ihnen lebt. „Wenn die Winter sehr mild sind, entwickelt sich auch die Milbe“, so Willers. Anhand von Bienen-Koffern, Mitmach-Aktionen und Informationsveranstaltungen möchte Cornelis Hemmer, der seit 2013 auch ausgewählte Standorte in Hamburg summen lässt, diese Zusammenhänge klar machen.
Interessierte Eppendorfer haben auf dem Sommerfest der Anscharhöhe am 1. September Gelegenheit, Imker Willers an den Bienenstöcken über die Schulter zu schauen. „Der Honig ist sogar sauberer als auf dem Land, weil hier keine Pestizide eingesetzt werden.“ Die fleißigen Insekten fliegen Obstblüten, Akazien, Lindenblüten, Weiden oder Traubenkirschen an.

Große Vielfalt


Damit ist auch die Vielfalt größer als auf dem Land, auf dem immer mehr Monokulturen wie Raps, Kohl und Mais angebaut werden. „Das Bewusstsein für Bienen nimmt zu und viele Großimkereien zieht es in die Stadt. Zum Beispiel auch auf den Ohlsdorfer Friedhof“, freut sich Willers. Für die Initiative „Hamburg summt“ ist die Anscharhöhe mit ihrer dörflichen Struktur ein idealer Standort: „Dort leben Menschen in allen Lebensabschnitten. Die alten Bewohner können aus dem Bienenwachs Kerzen drehen. Anhand solcher haptischer Dinge werden Erinnerungen an die Kindheit wach.“
Bevor die Bienen eingezogen sind, hat Günther Poppinga alle Beteiligten auf dem Stiftungsgelände gefragt: „Das Projekt gefällt allen gut und es wurde noch niemand gestochen.“ Die Wahrscheinlichkeit ist nach Imker Willers auch gering, wenn man die Bienen nicht stört und ihnen besonders „bei schwülem Wetter und mit intensivem Parfum“ nicht zu nahe kommt. Auch die Einflugschneisen der Bienenstöcke sollte man nicht versperren. Günther Poppinga ist sicher, dass Bewohner und Bienen friedlich miteinander leben und freut sich auf das erste süße Frühstücksbrötchen. (flü)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige