„Solidarität kommt gut an, aber ...“

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Die Solidaritätsbekundungen und „Likes“ auf Facebook kommen bei den Beamten auf den Polizeiwachen anFoto: Sichting

Schon 54.000 Nutzer unterstützen Internet-Seite für Polizei. Was Beamte an den Wachen sagen

Von Mathias Sichting
Hamburg. Bei den massiven Angriffen auf die Davidwache auf St. Pauli wurde eine Grenze überschritten, der Tod der Ordnungshüter in Kauf genommen. Hunderte Krawalltouristen waren zuvor bei den Schanzen-Krawallen auch über die Reeperbahn gezogen. Die Stadt reagierte mit der Errichtung eines Gefahrengebietes, das inzwischen in Politik und Bevölkerung diskutiert wird. Die Polizeigewerkschaft lobte für Hinweise auf die Täter eine Belohnungen im fünfstelligen Bereich aus. Viele Hamburger Bürger und Facebook-Nutzer stellen sich auf die Seite der geschädigten Polizeibeamten. Innerhalb einer Woche klickten über 54.000 Unterstützer den „Gefällt mir“-Knopf der Seite „Solidarität mit den Beamten der Davidwache.“
Andreas Hallaschka, Journalist und Initiator der Facebook-Seite erläutert gegenüber dem WochenBlatt sein Engagement: „Es geht so einfach nicht weiter. Wir können nicht in einer Republik leben, in der Polizeiwachen angegriffen werden. Ich bin weitestgehend unpolitisch. Als ich aber die Meldungen zu den Angriffen auf die Davidwache im Internet gelesen habe, musste ich einfach handeln. Persönlich bin ich kein Freund, aber auch kein Feind der Roten Flora. Gewalt gegen Polizisten geht allerdings gar nicht.“„Aufgrund der nicht zu erwartenden Masse der Likes musste ich sogar weitere Moderatoren zulassen. Da die Diskussion nicht einseitig geführt werden soll, kommen diese aus dem linken Lager, aber auch aus dem Dunstkreis der Polizei. Da wir zwar einen Dialog schaffen wollen, aber keine Beleidigungen zulassen, schalten wir gegebenenfalls die Kommentarfunktion aus. Zukünftig wollen wir ein Abstimmungstool integrieren, bei dem wir die Nutzer beispielsweise nach dem Sinn von Volksinitiativen zu den Themen Esso-Häuser, Rote Flora oder Lampedusa-Flüchtlinge befragen.“ Die digitale Resonanz auf die Initiative des 51-Jährigen ist überwältigend. Kommt diese allerdings auch vor Ort auf den Polizeiwachen an? „Auf der Davidwache haben besorgte Bürger Kaffee und Kuchen abgegeben und ihren Unmut zu den Angriffen geäußert“, weiß Hallaschka.
Das Hamburger WochenBlatt hat sich auf Wachen umgehört und positive Reaktionen erlebt. So sagt eine Polizeibeamtin vom Polizeikommissariat 23 in der Troplowitzstraße (Hoheluft West): „Es ist schön, dass sich jemand auf unsere Seite stellt. Das Gefühl ist super. Bei uns auf der Wache kommt das nicht direkt an. Ich würde aber auch nicht verlangen, dass die Bürger zu uns kommen. Bei den jüngeren Kollegen, die bei facebook sind, ist die Soli-Seite sehr beliebt. Es ist gut zu wissen, dass man nicht für alle der Buhmann ist.“ Ein 45-jähriger Kommissar vom Polizeikommissariat 38 in der Scharbeutzer Straße in Rahlstedt sagt: „Natürlich bekommen wir von der Aktion etwas mit, wie jeder andere auch. Auf unserer Wache finden wir das positiv. Solidarität aus der Bevölkerung wahrzunehmen ist eine Abwechslung und wird im Kollegenkreis positiv bewertet. Leider wird das bei den Krawallmachern nichts bewirken. Es kann einem bei den Dingen, die auf anderen Seiten im Internet geschrieben werden, nur schwindelig werden.“
„Aber wer würde für uns auf die Straße gehen?“
Deutliche Worte fanden Beamte des Polizeikommissariats 36 an der Ellernreihe in Bramfeld: „Ich wurde auf Streife persönlich auf die Aktion angesprochen. Klar wird das Thema bei uns diskutiert. Wir als Polizei stehen zwischen Politik und Bürgern. Allerdings wollen wir nur für Frieden sorgen. Man sollte die Gründe für manche Polizeiaktionen transparenter machen, damit Bürger, die sonst nie in Kontakt mit der Polizei kommen, manche Aktionen besser einschätzen. So würden manche Gerüchte gar nicht erst entstehen. Für den Erfolg der facebook-Seite können wir nur die Daumen drücken und hoffen, dass das noch mehr Menschen werden.“ Und weiter: „Vielleicht wird der Senat irgendwann wach und bemerkt, dass es so nicht weitergeht. Wir verbiegen uns tagtäglich für die Bürger. Das dankt uns der Senat mit radikalen personellen Einschnitten oder der Streichung der freien Heilfürsorge. An Beförderungen braucht keiner von uns zu denken. Man überlegt schon, ob man seinem Sohn den eigenen Beruf weiterempfiehlt. Es wird an der Sicherheit der Stadt, also an der falschen Stelle, gespart.“ Weiter hieß es: „Es gibt heutzutage doch für Alles Facebook-Seiten. Bei der Zahl der Likes können es nicht nur Polizisten sein, die die Solidaritäts-Seite klicken und lesen. Das ist schon eine gute Sache. Allerdings würde der größte Teil der Internet-Nutzer in dieser Zahl garantiert nicht für uns auf die Straße gehen.“ Die Solidarität kommt also offensichtlich an der Polizeibasis an. Wie soll es jetzt weitergehen? Facebook-Seiten-Initiator Hallaschka:„Ich kann das Handeln der Politik nicht nachvollziehen. Die Polizei wird weiter ins Feuer geschickt und angegriffen. Man sollte den Protestlern die Rote Flora als Demonstrationsgrund entziehen. Politik ist symbolisches Handeln. Hier arbeitet man mit Bildern. Mir fehlt nach dem zweiten Angriff am 28. Dezember ein Hamburger Bürgermeister, der die Davidwache besucht oder einen Besichtigungstermin in der Roten Flora wahrnimmt.“ Am Montag wurde im Innenausschuss diskutiert Das Gefahrengebiet bleibt zunächst bestehen.

Facebook-Davidswache
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