SPD wählt Hindenburg

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Die Hindenburgstraße wird nicht umbenannt. Nur ein Teilstück in Winterhude könnte nach Otto Wels benannt werden. Foto: Hanke/hfr

Kehrtwende in der Straßennamen-Frage

Hamburg-Nord. Die Alsterdorfer können wieder ruhig schlafen: Ihre geliebte Hindenburgstraße wird nicht umbenannt. Das ist ein Ergebnis aus der jüngsten Sitzung der Bezirksversammlung (BV). In Winterhude hingegen könnte ein Teilstück zukünftig nach Otto Wels benannt werden: jenes nämlich, das durch den Stadtpark führt - wo niemand wohnt. Noch vor vier Wochen hatte die Absicht der politischen Mehrheit im Bezirk ganz anders geklungen. Doch danach gab es zum Thema Hindenburgstraße eine Vollbremsung mit Kehrtwende und eine Umleitung. Am vergangenen Donnerstag misslang der SPD/FDP-Koalition der Versuch, dies schlüssig zu erklären – von der Opposition erntete sie dafür nur beißenden Spott, wurden doch gleich diverse Dilemmata offenbar.
Manko 1: Den Antrag, die Hindenburgstraße zu beseitigen, hatte die GAL in der BV am
17. Januar gestellt – und die sitzt in der Opposition. Manko 2: Der Koalitionspartner FDP hatte noch Gesprächsbedarf, weshalb die Beschlussfassung über den GAL-Antrag um einen Monat verschoben wurde. Manko 3: Nicht die BV entscheidet über Umbenennungen, sondern der Senat. Und der hatte schon 1988 unter Voscherau den ersten Versuch vereitelt, den Namen Hindenburg zu tilgen, „aus Gründen der historischen Kontinuität“, wie es damals hieß. Das zwang die Bezirks-SPD zu Vorab-Verhandlungen hinter den Kulissen mit den Genossen in der Bürgerschaft.
Manko 4: Die Alsterdorfer Bürger seien mehrheitlich gegen eine Umbenennung, wollte der Bürgerverein herausgefunden haben – angeblich lehnten 80 Prozent der vom Verein befragten Anlieger die Umbenennung ab. Dann kam die Vollbremsung. Hatte SPD-Mann Jörg Lewin noch am 17. Januar verkündet, seine Fraktion werde dem GAL- Antrag zustimmen („87 Jahre sind genug“), reichte die SPD/FDP drei Tage vor der Februar-BV einen Gegenantrag ein. Darin wurde der Senat zwar noch um eine Umbenennung gebeten, allerdings „unter Berücksichtigung von Anwohnerinteressen“ – dass die dagegen sind, war ja längst bekannt.
Am Tag der BV kam dann die „Umleitung“: Offenbar hatten die Rathaus-Genossen den Bezirk zurückgepfiffen – derart, dass „Andreas Dressel, Fraktionschef der SPD-Bürgerschaftsfraktion, und Thomas Domres, SPD-Fraktionschef im Bezirk Hamburg-Nord, einen vermittelnden Vorschlag unterbreitet“ hätten, so die schriftliche Erklärung der Fraktion. Per Tischvorlage wurden die Abgeordneten davon überrascht, dass künftig der Teil der Hindenburgstraße zwischen Jahnring und Borgweg nach Otto Wels benannt werden solle, jenem Sozialdemokraten, der im Reichstag als einziger den Mut hatte, gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz zu sprechen. (bcb)
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