St. Nikolai Schule - der Appell einer Mutter

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Kinder und Eltern der Grundschule St. Nikolai demonstrieren gegen die Neubaupläne, die auf Kosten ihrer Spielflächen umgesetzt werden sollen Foto: wb

Brief an Senatschef und Bezirksamtsleiter: Freiflächen in Eppendorf erhalten und nur behutsam Areal umgestalten

Hamburg. Mit dem Schulstart am 21. August ist es mit der Ruhe an der Grundschule St. Nikolai vorüber. Allerdings liegt das nicht nur an den vielen Schülern, die sich aufgeregt über ihre Ferienerlebnisse austauschen. Die Pläne zur Gestaltung der neuen Mitte Eppendorfs beschäftigen Schüler und Eltern bereits seit Wochen (das Wochenblatt berichtete). Mutter Valeska Arndt hat sich mit ihren Bedenken an Hamburgs ersten Bürgermeister Olaf Scholz und Bezirksamtsleiter Harald Rösler gewendet.
Ihr offener Brief liegt dem Wochenblatt vor. Darin heißt es: „Als Elternteil einer derzeitigen Grundschülerin der St. Nikolai-Schule möchte ich einige Gedanken zur Situation dieser Schule beisteuern. Der Wert, den die Freiflächen der Grundschule St. Nikolai für die Schülerinnen und Schüler dort hat, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Diese Schule hat schon dadurch ein Alleinstellungsmerkmal in Eppendorf, da sie über unversiegelte Schulhöfe verfügt. Das Gebäudeensemble ist so angelegt, dass nicht ein großer, zentral positionierter asphaltierter Schulhof existiert, sondern mehrere kleinere mit altem Baumbestand. Die Kinder haben Platz, können sich zu Grüppchen finden und ihren Spielinteressen nachgehen, ohne sich gegenseitig dabei zu stören oder können sich auch in unbeobachtete Ecken zurückziehen. Bedenkt man, dass die Schüler hier einen Schulalltag erleben, der sich mindestens von 8 bis 15.30 Uhr hinzieht (...), kann man vielleicht erahnen welchen Wert die Freiflächen für diese Grundschulkinder im hoch verdichteten Innenstadtbereich haben.

Erweiterung erforderlich

Das Gebäudeensemble selbst überzeugt wohl die Mehrheit der Erwachsenen mit seinem versteckten Charme nicht spontan. Allerdings haben schon einige Generationen Eltern erleben dürfen, dass Kinder sich in diesen flachen, verwinkelten Gebäuden sehr geborgen und zugleich frei fühlen. (...) Aus der einst zweizügigen Schule ist eine vierzügige geworden. Eine Erweiterung der Schule für weitere Klassenräume ist erforderlich, zudem braucht die Schule eine neue Sporthalle. Auf dem derzeitigen Gelände der Schule eine entsprechende behutsame Erweiterung darzustellen ist möglich.
Diese Notwendigkeit der Erweiterung der Schule allerdings zum Anlass zu nehmen dieses Kleinod in Eppendorfs Mitte zu zerschlagen und für ambitionierte Wohnprojekte bis aufs maximal Mögliche zu verdichten, erscheint zumindest wenig visionär. Die Pläne stauchen dabei die Schulhoffläche der Schule so stark zusammen, dass die nach dem Musterflächenprogramm des Senats geforderten „2.300 Quadratmeter frei bespielbare, zusammenhängende Schulhoffläche“ zuzüglich Kleinspielfeld, Laufbahn und Weitsprunganlage nicht erreicht werden. Lediglich 1.800 Quadratmeter werden den 460 Kindern zugestanden, wobei Freiflächen für die in dem Gebäudekomplex geplante Kita nicht vorgesehen sind.
Die Konfliktherde, die mit den Wohnungen gleich mitgebaut werden, sind bereits bekannt. In diesem konkreten Fall grenzt ein Teil der geplanten neuen Luxuswohnungen direkt an den Schulhof der extrem kompaktgestalteten Schule an. Aufgrund der zu erwartenden Lärmbelastungen durch die Schüler ist ein stetes Konfliktpotenzial mit den neuen Anwohnern zu erwarten. (...)

Interessen der Schüler

Aus Sicht der Elternschaft spiegeln die aktuell favorisierten Pläne zur Gestaltung der neuen Mitte Eppendorfs die Interessen der Schüler, der Eltern, der aktuellen und zukünftigen Anwohner nur unzureichend wider.
Den Denkmalschutz des Schulgebäudeensembles zu achten bedeutet in diesem konkreten Fall gleichzeitig, die Interessen der zukünftigen Schüler der Grundschule St. Nikolai zu wahren, den Baumschutz zu gewährleisten und den Bürgerinteressen zu entsprechen, die sich den Erhalt eines friedvolles Miteinanders in diesem bereits heute hoch verdichteten Innenstadtbereich wünschen.“ (wb)
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