Stadtteilschule Winterhude: Schüler verkaufen „Sonnenstrahlen“

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Waren im Rahmen des Schüleraustauschs in Kamerun: Marius, Yasmin (hinten), Luisa und Aylin (vorne, v.l.) Foto: wb

10.000 Euro für Solardach der Partnerschule in Kamerun

Von Susanne Gabriel
Winterhude
Es begann mit dem Kontakt einer früheren Lehrerin der Stadtteilschule Winterhude zu einem Kameruner, der beim Goethe-Institut in der Landeshauptstadt Yaoundé tätig war. Das war im Jahr 2010. Unter der Leitung des Französisch-Lehrers Heino Schäfer (55) und der Geografie-Lehrerin Ellen Ziel (47) entstand daraus in den Folgejahren ein regelmäßiger Schüleraustausch der Stadtteilschule mit dem in Yaoundé ansässigen Collège Jean Tabi. Doch schon zu Beginn zeigte sich, dass im Collège immer wieder der Strom ausfiel, was die Lernsituation stark beeinträchtigte. Die Kameruner baten um Hilfe. Man dachte über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schule nach. Das Problem: Die Anlage ist teuer, inklusive der Lieferkosten schlägt sie mit etwa 100.000 Euro zu Buche. Davon wollte man sich in Winterhude jedoch keineswegs beirren lassen und startete eine beispiellose Spendenaktion. Die Winterhuder „Kamerun-AG“, bestehend aus Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, bastelte eine riesige Sonne und hängte sie in der Aula der Stadtteilschule auf. Jede der 100 Sonnenstrahlen stand für einen Betrag von 100 Euro. Anschließend rührte die Gruppe unter der Leitung von Ellen Ziel und Heino Schäfer kräftig die Werbetrommel. Der Verein „Netzwirkung e.V.“ wurde ins Leben gerufen, um das Projekt im schulischen Umfeld bekannter zu machen. Wer 100 Euro spendete und seinen Namen nannte, wurde auf einem der Strahlen verewigt. Das Unglaubliche wurde geschafft: In nur etwa einem Jahr brachten Schulklassen, Lehrer, Eltern, Gremien und weitere Spender insgesamt 10.000 Euro zusammen! „Durchhalten war angesagt“, gibt Ellen Ziel zu, „Doch am Ende hat es sich gelohnt. Und die Solaranlage ist wichtig, denn sie ermöglicht kontinuierliches Lernen und damit Chancengleichheit.“ Das Projekt erhielt viel Aufmerksamkeit. So gewann es den 2. Preis beim „bridge-it! Award 2015“, der Partnerschaftsprojekte mit Jugendlichen aus Gebieten auszeichnet, die im globalen System gesellschaftlich, politisch und ökonomisch benachteiligt sind. Ein toller Erfolg, auf den die jugendlichen Mitglieder der Kamerun-AG stolz sein können! Erfolgreich gestaltet sich auch der Schüleraustausch, der allen Beteiligten ganz neue Horizonte eröffnet. Wie aufregend drei Wochen in Kamerun sein können, haben Marius (19), Luisa (18) und die Schwestern Aylin (16) und Yasmin (20) erfahren, denn sie waren bereits vor Ort. Sie berichten von engen Bussen, einem ungewohnt schwülen Klima, sehr netten Gastfamilien und gewissen sprachlichen Barrieren. „Mit dem Französisch ist es erst einmal schwierig, selbst wenn man die Sprache sonst gut beherrscht“, erzählt Yasmin. „Ja, im Unterricht wird sehr schnell gesprochen“, ergänzt Luisa. Doch die Schule machte nur einen kleinen Teil des Aufenthalts aus. „Wir haben viele schöne Ausflüge unternommen“, berichtet Marius, und Aylin erzählt, dass die Kontakte nach Kamerun bis heute eifrig gepflegt werden. „Über Facebook oder What’s App geht das prima“, sagt sie. „Solange das Internet funktioniert“, bemerkt ihre Schwester Yasmin, „Denn mit der Verbindung hapert es manchmal etwas.“ Die nächste Schülergruppe soll Anfang 2017 nach Kamerun fliegen. In diesem Jahr kommt erst einmal wieder eine Kameruner Gruppe nach Winterhude. Wie geht es weiter mit dem Projekt „100 Strahlen für Jean Tabi“? „Schulintern haben wir ja schon jede Menge erreicht“, erklärt Ellen Ziel. „Auf Basis unseres Eigenanteils möchten wir nun nach draußen gehen und externe Spender und Stiftungen ansprechen.“ Denn auch wenn die Kameruner selbst einen Teil der Kosten für die Photovoltaikanlage übernehmen, so gilt es doch noch eine größere finanzielle Lücke zu schließen. Jeder Beitrag ist herzlich willkommen!

Wer dieses schöne Projekt unterstützen möchte, findet alle Infos hierzu auf www.netzwirkung.com
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