„Stille war uns viel wertvoller als Applaus“

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Die elf Abiturienten des Johanneums gewannen mit ihrer szenischen Lesung „Überleben“ einen der Bertini Preise 2015, rechts steht Pate Axel Zwingenberger Foto: Hanke

Gymnasiasten des Johanneums für szenische Lesung über Holocaust-Überlebende ausgezeichnet

Winterhude Mucksmäuschenstill sei es nach der Vorstellung im Resonanzraum Hamburg im Bunker an der Feldstraße gewesen, heißt es. Dort hatten elf Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs des Johanneums die szenische Lesung „Überleben – wider das Vergessen“ dargeboten. Jetzt erhielten sie dafür den Bertini Preis 2015, den Preis für junge Menschen mit Zivilcourage, der zum 18. Mal im Ernst Deutsch Theater verliehen wurde. Die Schülerinnen und Schüler lasen aus Texten von sechs Holocaust-Überlebenden, teilweise im Dialog und mit Musik. Dadurch entstand ein ganz persönlicher Zugang zu den Schrecken der Konzentrationslager. „Sie haben einen neuen Weg in der Auseinandersetzung mit dem Holocaust gefunden“, lobte der Pate dieses Projektes, der Musiker Axel Zwingenberger, den dieser Erfolg als ehemaliger Johanniter „stolz auf meine Schule“ machte. Den Wandel der Zeiten verdeutlichte er mit dem Eingeständnis: „Wir hätten das damals nicht hinbekommen.“
„Das ist eine andere Form des Erinnerns, auf einer persönlichen Ebene“, erläuterte einer der Schüler, David Lubotsky. „Die Stille nach der Vorstellung war für uns viel wertvoller als Applaus“, sagte eine der Schülerinnen, Luise Chassol. Angeregt durch die Elsbeth Weichmann Gesellschaft, die eine Beschäftigung mit Zeitzeugen vorgeschlagen hatte, begannen vier Schüler des Johanneums unter Anleitung ihrer ehemaligen, nun pensionierten Lehrerin Christine von Müller mit diesem Projekt. Die Schüler lehnten eine Zeitzeugenbefragung allerdings ab weil sie fürchteten, Gefühle der Überlebenden zu verletzen und beschäftigten sich stattdessen mit Texten von Holocaust-Opfern unter der Frage: Konnten sie ihre Identitäten im KZ bewahren oder haben sie sie verloren? Außerdem fragten die Schüler: Wie haben die Opfer überlebt und wie haben sie nach der Befreiung weitergelebt? (ch)

Wer die beeindruckende Lesung erleben möchte, hat am 8. Februar erneut Gelegenheit dazu: im Resonanzraum Hamburg, Feldstraße 66, 19.30 Uhr. Eintritt: 10 Euro (Schüler: frei).
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