Stolperfallen am Mühlenkamp kommen weg

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Die Trenninsel am Mühlenkamp wird wieder abgerissen Fotos: mdt
 
Bernd Kroll, CDU und Sprecher der Anwohnerinitiative, kämpfte lange für den kompromiss
Hamburg: "Unser Mühlenkamp" |

Initiative und Senat schließen Kompromiss gegen Verkehrsbehörde

Von Marco Dittmer
Die Anwohnerinitiative „Stopp des Busbeschleunigungprogramms“ hat sich im Streit mit dem Senat um den vor zwei Jahren umgebauten Mühlenkamp weitgehend durchgesetzt. Trenninseln und Stahl-Poller werden zurückgebaut. Zudem gibt es mehr Bäume und Platz für Fußgänger, auch Radfahrer profitieren.

Damit hat wohl kaum einer noch gerechnet: Die Einigung zwischen Senat und der Bürgerinitiative beendet einen langjährigen Streit am Mühlenkamp. Am Ende ging alles ganz schnell: „Wir wurden vor zwei Wochen zu weiteren Gesprächen mit der Stadt eingeladen. Nach zwei Jahren siegt nun endlich die Vernunft“, sagt Bernd Kroll, Sprecher der Anwohnerinitiative und CDU-Bezirkspolitiker.

Die wichtigsten Änderungen

Der Kompromiss: Die beiden Trenninseln auf dem Mühlenkamp zwischen Poel-chaukamp und Gertigstraße verschwinden. Ein weiteres Ärgernis war der Stahl-Poller auf Höhe Gertigstraße, auch er verschwindet, um gegen einen Plastik-Poller ersetzt zu werden. Nachdem Verkehrsbehörde und Polizei im vergangenen Jahr den einknickbaren Kunstoff-Poller gegen einen Stahl-Pfosten tauschten, schienen sich die Fronten in dem Konflikt eher zu verhärten. „Verkehrserziehung“ nannte es die Polizei, die Autofahrer damit besser am illegalen Linksabbiegen hindern wollte. Das ging schief, denn wie zuvor der Plastik-Poller, musste auch die Stahl-Variante mehrere Male erneuert werden, nachdem Fahrzeuge ihn umgenietet hatten. Auch in diesem Fall folgt der Senat nun der Sicht der Bürgerinitiative und nicht der Verkehrsbehörde.

Kein Bürgerbegehren

Im Gegenzug verpflichtet sich die Initiative dazu, keine Volksinitiative oder Bürgerbegehren am Mühlenkamp weiter zu verfolgen. Zudem wurde vereinbart, die beiden Verkehrsinseln auf der Kreuzung Gertigstraße Ecke Mühlenkamp fahrradfreundlich umzugestalten. „Radfahrer, die bislang hier links abbiegen, wissen nicht, ob sie vor oder hinter der Insel in die Gertigstraße fahren sollen“, beschreibt Bernd Kroll die Problem-Insel. Auch Fußgänger sollen mehr Platz bekommen. Stahl-Pfosten zwischen den Hausnummern acht und zwölf am Mühlenkamp sollen das Parken auf dem Fußweg verhindern.

Andreas Dressel, SPD-Fraktionsvorsitzender, und Anjes Tjarks von den Grünen machten in der vergangenen Woche die Einigung öffentlich. Mit dem Kompromiss richtet sich der Senat klar gegen die Meinung der Verkehrsbehörde und dessen Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD). Sie verteidigten bis zuletzt die Maßnahmen als „erfolgreich“ und nahmen auch eine eigens beauftragte Verkehrszählung, die mehr Verkehr in umliegenden Straßen, kaum schnellere Busfahrzeiten und viele falsch abbiegende Linksabbieger zählte, nicht zum Anlass für ein Umdenken.
Anwohner zeigen sich nach dem Kompromiss erleichtert.

Das sagen Anwohner: Viele Winterhuder zeigen sich nach dem Kompromiss zwischen Senat und Bürgerinitiative erleichtert. Den Rückbau der langen Trenninsel auf dem Mühlenkamp zwischen Poelchaukamp und Gertigstraße war der Hauptstreitpunk im Konflikt um die Busbeschleunigung am Mühlenkamp.

Laut Initiative gab es in den vergangenen zwei Jahren Dutzende Stolperopfer an der Stelle. Entsprechend groß ist die Freude über den Abriss. „Wir würden die Insel auch bei einer kleinen Abriss-Party selbst entsorgen“, sagt Bernd Kroll, Sprecher der Initiative „Stopp des Busbescheunigungprogramms“. Wann die Bauarbeiten zur erneuten Umgestaltung starten, ist noch unklar. Vorher müssen die beiden Verkehrsinseln an der Kreuzung zur Gertigstraße so neugeplant werden, dass abbiegende Radfahrer ohne Umwege fahren können. „Ich fand die ganze Diskussion schon ziemlich amüsant“, sagt Beate B. Die 60-Jährige traute sich mit dem Rad lange nicht über den Mühlenkamp. „Radfahrer bremsen dort die Busse aus. Über den Rückbau bin ich froh“, sagt die Anwohnerin.
Auch andere Nachbarn stimmen dem zu: Hartwig Goldenbaum macht die mangelnde Rücksicht für die andauernden Diskussionen verantwortlich. „Autofahrer konnten oder wollten sich nicht an die neuen Regeln gewöhnen“, so der 75-Jährige.
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