Stolperstein für einen Spion

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Mein Onkel, der Spion: Björn Plenkers mit dem Foto von Johann-Nilsen Jebsen am Hauseingang zur Hartungstraße 7a Foto: Hanke

Doppelagent Johann-Nilsen Jebsen soll James-Bond-Autoren inspiriert haben

Hamburg. Vor dem Haus Hartungstraße 7a wurde kürzlich einer der würfelförmigen Steine im Straßenpflaster eingeweiht, die Künstler Gunter Demnig seit 17 Jahren vor den Häusern von NS-Opfern mit deren Lebensdaten verlegt. Geehrt wurde Johann-Nilsen Jebsen, Hamburger Reeder, Tausendsassa, Lebemann - und Spion. Er war als Doppelagent fürs Deutsche Reich und die Allierten tätig, gab Berlin 1944 falsche Orte für die geplante Landung der Alliierten in Frankreich durch.

In Lissabon gekippnapt und verschleppt

Der 1917 in der Hartungstraße 7a geborene Sohn eines Großkaufmanns studierte Jura im Eiltempo, erbte das Handelsimperium Jebsen und Sohn, lebte zwei Jahre in England. Er liebte schöne Frauen und schnelle Autos, was auch Tarnung für seinen Kampf gegen Hitlerdeutschland war. 1938 schloss sich Jebsen als Mitarbeiter der deutschen Abwehr der Widerstandsgruppe um Hans von Dohnanyi und Hans Oster an. Ohne Erfolg versuchte er die USA vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour zu warnen. Von Lissabon aus, wo er als deutscher Spion stationiert war, half er Menschen, die von der Gestapo verfolgt wurden. Kriegsentscheidend trug er mit Falschmeldungen dazu bei, dass Hitler die Landung der Allierten nicht in der Normandie erwartete. Im Mai 1944 wurde Jebsen von der Gestapo in Lissabon gekippnapt und in enem Schrankkoffer nach Berlin geschafft. Dort wurde er im Gestapo-Hauptquartier in der Prinz-Albrecht-Straße schwer gefoltert, ebenso wie später im KZ Sachsenhausen.

Als Retter des D-Day in England verehrt

Doch er gab den wirklichen Ort des D-Day nicht preis. Dafür wird er in England als „Retter des D-Day“ verehrt. In Deutschland ist er dagegen völlig unbekannt. „Er war so geheim, dass er in Deutschland nie bekannt wurde“, erzählt sein Neffe Björn Plenkers, der sich intensiv mit seinem Onkel beschäftigt hat, und an der Stolpersteinverlegung teilnahm. Wo und wie Johann-Nilsen Jebsen ums Leben kam, ist unbekannt. Er starb im Februar 1945, vermutlich ermordet, wie viele prominente NS-Gegner in diesem Monat. Wegen der schweren Folterungen soll er, so ein Mitgefangener, kaum noch transportfähig gewesen sein.
Aber seine Geschichte lebt bis heute weiter. In Lissabon lernte Jebsen Ian Fleming kennen. Der verarbeitete einige von Jebsens Erzählungen offensichtlich in seinen James-Bond-Romanen weiter. Wenigstens wollen Jebsens Verwandte Geschichten des unbekannten Spions bei 007 wiedererkannt haben. (ch)
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