Stolperstein vor der Ida-Ehre-Schule

Anzeige
Drei Schülerinnen und Schüler der Projektgruppe „Stein des Anstoßes“ mit Solms Coutinho, einem ehemaligen Schüler der Jahnschule mit jüdischen Wurzeln.
 
Solms Coutinho und sein Bruder Bernt (ganz rechts) als Kinder vor dem Eingang für Knaben der damaligen Jahnschule. Fotos: Ida-Ehre-Schule

Erinnerung an Eva Freimuth, die von den Nazis deportiert und ermordet wurde

Harvestehude. Vor der Ida-Ehre-Schule in der Bogenstraße erinnert ein Stolperstein an Renate Eva Freimuth, die 1941 nach Lodz deportiert und 1942 weitertransportiert und ermordet wurde. Sie war eine der 29 jüdischen Kinder und Jugendlichen, die 1934/35 die damalige Jahnschule besuchten. Die Projektgruppe „Stein des Anstoßes“ brachte es an den Tag. Seit drei Jahren erforschen Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Klassenstufen der Ida-Ehre-Schule unter diesem Namen die Biografien der einstigen jüdischen Schüler ihrer Schule und damit auch die Geschichte der Jahnschule. Der 2001 mit der Namensänderung der Schule gegründete Ida-Ehre-Kulturverein schlug das Projekt „Stein des Anstoßes“ vor und erreichte die Finanzierung durch die Körber-Stiftung im Rahmen der Aktion ANSTIFTEN!, 50 Impulse für Hamburg. Die Schülerinnen und Schüler konnten auf der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Jahnschule von 1984 aufbauen, die sich bereits kritisch mit dem Namen und der Geschichte der Schule auseinandergesetzt hatte. Die Jahnschule war 1934 ganz im nationalsozialistischen Geist gegründet worden, weshalb die wenigen jüdischen Schülerinnen und Schüler bereits bis 1935 abgeschult worden waren. Der Projektgruppe „Stein des Anstoßes“ gelang es 14 der 29 jüdischen Schülerinnen und Schüler zu ermitteln und mit elf von ihnen Interviews zu führen. Einer von ihnen war Solms Coutinho, väterlicherseits ein Nachfahre sefardischer Jude, der als „Mischling“ die Jahnschule noch bis 1937 besuchen durfte. Wie seine Klassenkameraden drängte es ihn in die Hitlerjugend, aber seine Mutter blieb beim „Gute Nacht“, als er auf Grund eines Auftrags der Jahnschule mit „Heil Hitler“ ins Bett gehen wollte. 1939 gelang es seinen Eltern, ihn mit einem der Kindertransporte nach England zu bringen. Coutinhos Vater wurde in Auschwitz ermordet. Vier Schüler der „Stein-des-Anstoßes“-Gruppe und Lehrerin Inge Mandos trafen Coutinho, der heute in Kanada lebt, vor seiner alten Schule. Die Erforschung der Vergangenheit hat sich an der Ida-Ehre-Schule mittlerweile zum festen Bestandteil des Unterrichts in allen Klassenstufen entwickelt. „Die Nachhaltigkeit ist uns bei diesem Thema ganz wichtig. Wir haben nicht nur diese Projektgruppe, sondern Bausteine davon in allen Klassen, wie Begegnung mit Stolpersteinen, die Geschichte der Schule und des Stadtteils, zum Beispiel über das Darstellende Spiel“, erzählt Lehrer Oliver Thron. Deshalb hat sich die Projektgruppe auch nach dem Ausscheiden ihrer Mitglieder aus der Schule nicht aufgelöst. Neue Schülerinnen und Schüler beleben die Gruppe mit neuen Themen, wie zum Beispiel dem Gedenken an überlebende jüdische Schüler, für die eine Gedenktafel ins Foyer gehängt werden soll, oder der Forderung nach einem Denkmal für desertierte deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Die Arbeit der ersten „Stein-des-Anstoßes“-Gruppe wird aber nicht vergessen. Die Ergebnisse der Nachforschungen nach den jüdischen Schülern, und wie es dazu kam, all´ das kann in der Broschüre „Stein des Anstoßes - An- und Innehalten“ nachgelesen werden, die für 2,50 Euro im Büro der Ida-Ehre-Schule, Bogenstraße 36, erhältlich ist. (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige