Straße der Erinnerung

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Suchten ein früheres Arbeitslager am Ende der Borsteler Chaussee: Bürgerschaftsabgeordnete Barbara Nitruch, der ehemalige Zwangsarbeiter Henry Brzozowski, Katja Herz-Eichenrode (Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme) und die frühere Zwangsarbeiterin Leokadia Jander (v.l.). Foto: Hanke

Ehemalige Zwangsarbeiter besuchten Groß Borstel

Groß Borstel. Henryk Brzozowski ist ein freundlicher älterer Herr. Er kann nicht mehr so gut gehen. Brzozowski ist 85 Jahre alt. Kürzlich besuchte Henry Brzozowski Groß Borstel. Am Ende der Borsteler Chaussee, unmittelbar vor dem Flughafenzaun guckte er sich um, denn hier in der Nähe war er schon einmal gewesen. Vom Oktober 1944 bis April 1945 im Arbeitslager Schießstand der Polizei. Irgendwo in dem waldigen Gelände am Ende der Borsteler Chaussee muss es gestanden haben, dieses Arbeitslager für Kriegsgefangene.
Henryk Brzozowski wurde im Rahmen eines seit zwölf Jahren bestehenden Besuchsprogramms des Hamburger Senats für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nach Hamburg eingeladen, war nun zusammen mit seiner Leidensgenossin Leokadia Janda vom Freundeskreis KZ Neuengamme in Groß Borstel In Begleitung der Bürgerschaftsabgeordneten Barbara Nitruch, auch SPD-Ortsvorsitzende von Groß Borstel.
Henryk Brzozowski hat wenig Erinnerung an Groß Borstel. Auf LKW´s wurden er und seine Leidensgenossen, alle Überlebende des Warschauer Aufstandes vom Herbst 1944, morgens nach dem Appell um sechs Uhr in die Stadt zu ihren Arbeitseinsätzen gefahren. Im Hafen mussten sie Trümmer räumen. Gegen 17 Uhr kamen sie zurück. Der Sonntag war frei. Doch die polnischen Kriegsgefangenen konnten sich nur innerhalb des Lagerkomplexes aufhalten. In 27 Baracken lebten 300 oder 400 Kämpfer des Warschauer Aufstandes. Bewacht erst von der SS, dann vom Volkssturm. Bei Fliegeralarm wurden die Baracken geöffnet und das Deutsche Rote Kreuz durfte gelegentlich Pakete schicken. Im April 1945, als die Front an Hamburg heranrückte, wurden die Gefangenen nach Sylt geschickt, kamen dort aber nie an. Auf dem Wege zur Nordseeinsel wurden sie von englischen Truppen befreit. Henryk Brzozowski kehrte nach Warschau zurück und studierte Ingenieur im Bauwesen. Er lebt nach wie vor in der polnischen Hauptstadt. Freimütig erzählt er seine Leidensgeschichte - und lächelt. (ch)
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