Streit um Containerdorf in Eppendorf

Anzeige
Die geplante Unterkunft an der Loogestraße für Geflüchtete wird kommen Grafik: Kühn
 
Die Container der Unterkunft sollen eine einheitliche Fassade bekommen Animation: Bezirk-Nord
Hamburg: Loogestraße |

Bezirk setzt Runden Tisch für Unterkunft an der Loogestraße ein

Von Christian Hanke
Eppendorf
Die geplante Unterkunft an der Loogestraße für Geflüchtete wird kommen (das Wochenblatt berichtete). Nur über das Wie kann noch diskutiert werden. Die Zentrale Koordinierungsstelle Flüchtlinge (ZKF) hatte ihre Entscheidung zugunsten der Loogestraße gegenüber dem vorher favorisierten Standort Seelemannpark bereits im Februar bekanntgegeben. Seitdem formiert sich Protest von Anwohnern gegen die Grünfläche zwischen Loogestraße und U-Bahntrasse als Standort für zwei dreigeschossige Containerreihen, in die 104 Geflüchtete einziehen sollen. Andrea Stolpmann, die Referentin für Folgeunterkünfte bei der ZKF, stellte in der letzten Sitzung des Regionalausschusses Eppendorf/Winterhude erste Details über die geplante Unterkunft vor. Wie gestapelte Container wird diese Unterkunft nicht aussehen. Die Gebäude erhalten eine einheitliche, wahrscheinlich dunkle Fassade. Vermutlich eine Holzverschalung. Ein erster Grundrissentwurf sieht Zimmer von etwa 13 oder 14 Quadratmetern Größe vor. Drei oder vier Zimmer sollen mit einer Küche und zwei nach Geschlechtern getrennten Bädern eine Wohneinheit bilden. Es wird Verwaltungs- und Gruppenräume geben. Hinter der Unterkunft sind Spielflächen für Kinder vorgesehen. Die ZKF geht von einer üblichen Belegung mit 60 Prozent Familien und 40 Prozent Alleinstehenden aus. Benötigt wird die Unterkunft, da in Hamburg derzeit 4.400 Geflüchtete in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden müssen, die bereits Anspruch auf eine Folgeunterkunft haben.

Anwohner haben Bedenken

Viele Anwohnerinnen und Anwohner der Loogestraße äußerten verschiedene Bedenken gegen die Unterkunft und schlugen andere Standorte vor, die das Bezirksamt Hamburg-Nord nach Aussagen des stellvertretenden Bezirksamtsleiters Tom Oelrichs aber alle bereits geprüft und als ungeeignet nicht in Erwägung gezogen hatte. Eine Anwohnerin äußerte Ängste, weil sich neben der geplanten Unterkunft sowohl auf dem Spielplatz als auch in der Turnhalle gewöhnlich viele Kinder und Jugendliche aufhalten. Aber es gab auch andere Stimmen aus dem Plenum. Mitglieder der Initiative „Welcome to Eppendorf“ warfen den Anwohnern vor, die geplante Unterkunft nur aus Eigeninteresse abzulehnen. Marthe Friedrichs, stadtteilbekannte Aktivistin, wurde richtig wütend („Ich schäme mich in Grund und Boden“) und verwies darauf, dass auf der Grünfläche an der Loogestraße schon einmal – in den 1990er-Jahren – Container für Geflüchtete gestanden hatten.

Streit um Beteiligung

Eine erregte Debatte entwickelte sich um einen CDU-Antrag, in dem ein Bürgerforum gefordert wurde, in dessen Rahmen interessierten Anwohnern und Bürgern „die Möglichkeit der Teilhabe an den Planungen eingeräumt werden“ solle. Die Loogestraßen-Anwohner und eine Vertreterin der Bürgerinitiative Eppendorf/Lokstedt - Integration statt Großsiedlung unterstützten diese Forderung nach Bürgerbeteiligung. SPD, Grüne und Linke beantragten die Einrichtung eines Runden Tisches, an dem die Betreiber, das Bezirksamt, Anwohner, Initiativen und „weitere Akteure vor Ort“ Planungen der Unterkunft und die „Betreuung des Standorts“ besprechen sollten. Dieser Antrag wurde mit der Mehrheit von SPD und Grünen beschlossen. Zwei Lager, jeweils bestehend aus Eppendorfern und Bezirkspolitik, haben sich in den Fragen rund um die geplante Unterkunft herauskristallisiert. Es bleibt brisant.

Lesen Sie auch: Flüchtlingsfrage: Loogestraße statt Seelemannpark

Lesen Sie auch: Flüchtlingshäuser im Seelemannpark umstritten

Lesen Sie auch: Neue Flüchtlingscontainer in Eppendorf?
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
16
Michael Deiwick aus Eppendorf | 02.05.2017 | 15:45  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige