Streit um Rettungswege: Hausbesitzer klagt

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Die „Winterhuder Wohnkultur“ wächst stetig. Das bereitet vielen Mietern der Alsterdorfer Straße 26 (vorn rechts: die Hinterhofhäuser) Sorgen Fotos: Gemeinholzer
 
Wie viele andere Mieter der Alsterdorfer Straße 26 ärgert sich auch das Ehepaar Kreutz über das Antwortschreiben des Bezirksamts

Nachbarn von Neubau am Winterhuder Markt fühlen sich vom Bezirksamt schikaniert

Von Anne Gemeinholzer
Winterhude. Am Winterhuder Markt tut sich was: Im Blockinneren wachsen die ersten Wohngebäude des Projekts „Winterhuder Wohnkultur am Markt“ in die Höhe. Auf dem Nachbargrundstück Alsterdorfer Straße 26 aber sehen das die Mieter mit wachsender Sorge. Hilfesuchend hatten sie sich Anfang Februar an das Bezirksamt Nord gewandt. Auf ihre dringenden Fragen nach sicherzustellenden Rettungswegen erhielten sie auch eine Antwort. „Zynisch und enttäuschend“ nennt Vermieter Bernd Zocher das Schreiben. Er selbst sieht sich „Schikanen“ ausgesetzt, seit er wegen eines wegfallenden Rettungsweges Klage einreichte.
Die Hinterhofhäuser Alsterdorfer Straße 26a und 26b sind seit Beginn der Bauarbeiten vor sechs Monaten nur noch durch eine schmale Tordurchfahrt erreichbar. Ein Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr passt dort nicht hindurch.
„Das Bezirksamt fordert aber jetzt in drastischer und massiver Weise von mir, dass ich den Rettungsweg zu meinen Häusern von der Alsterdorfer Straße aus herstellen soll“, berichtet Zocher von einer Anhörung gegen ihn. „Dabei hat das gleiche Dezernat schon festgestellt, dass das gar nicht möglich ist.“ Ein Vermerk der Bauprüfabteilung in der Bauakte bestätigt das: „Die Annahme mit der Herstellung des Rettungsweges/ Feuerwehrdurchfahrt (durch den Eigentümer, Anmerkung der Redaktion) wäre sogar falsch. Hier greift der Bestandsschutz. Die Durchfahrt ist keine notwendige Feuerwehrdurchfahrt.“
Gegenteiliges behauptet aber das Bezirksamt im Antwortschreiben an die Mieter. Genehmigt worden sei nur die Erschließung über die Alsterdorfer Straße, nicht jedoch über den – nun wegfallenden – Stichweg vom Winterhuder Markt. Zocher beklagt außerdem: Das Bezirksamt habe ihn aufgefordert, eine Baugenehmigung für den Anbau an die Gewerbehalle nachzureichen, die an die Hinterhofhäuser grenzt. „Jetzt, wo nebenan ein Neubau entsteht, findet das Bezirksamt in der Bauakte plötzlich die alte Baugenehmigung nicht mehr“, so Zocher. Ebenfalls verschwunden aus der Akte sei die Stellungnahme der Feuerwehr zu dem Neubauvorhaben der Wulff Hanseatische Bauträger GmbH. Einklagen will der Vermieter die Wiederherstellung des rückwärtigen Rettungsweges vom Winterhuder Markt aus. Doch die Bearbeitung des Eilverfahrens vor dem Oberverwaltungsgericht geht nicht so schnell voran wie erhofft. In der Zwischenzeit, glaubt Zocher, wolle der Investor rasch „Tatsachen schaffen“. Denn ab einem bestimmten Baufortschritt könnte diesem ein Abriss nicht mehr zuzumuten sein. Bis August 2014 sollen im ersten Bauabschnitt rund 100 Eigentumswohnungen entstehen. Dass er seine Mietshäuser in der derzeitigen Form bewahren kann, daran glaubt der Fuhlsbüttler Rentner inzwischen nicht mehr. „Ich möchte eigentlich nicht verkaufen, auch weil es dann für die Mieter wohl in jedem Fall teurer wird“, sagt Zocher. Aber ein Käufer habe einfach bessere Karten: Er könne noch Bedenken gegen den Bebauungsplan vorbringen und so eine erneute öffentliche Auslegung erreichen. Zocher will mehrere Kaufinteressenten an der Hand haben; auch das Bauunternehmen Wulff habe ein Angebot abgegeben – das liege jedoch erheblich unter Marktwert.
Wenig Hoffnung haben auch die Mieter - wie das Ehepaar Kreutz: Die Antwort des Bezirksamtes hat sie enttäuscht. „Der Brief zeigt, dass die Ängste der Bürger egal sind, und es eher als lästig empfunden wird, sich deren Problemen anzunehmen“, sagt Mieter Michael Jürs. Aus Sicht des Bezirksamtes gibt es bei den Rettungswegen kein Problem: Die Feuerwehr könne doch ihre „Schläuche manuell an den Schadensort“ bringen, so die Antwort. Unbeantwortet bleiben dagegen: Wie soll die Feuerwehr sie aus den oberen Stockwerken retten?
Vom Bezirksamt Nord heißt es auf WochenBlatt-Anfrage, dass „in der Sache ein Widerspruchsverfahren anhängig“ sei, so stellvertretender Sprecher Jan-Peter Uentz-Kahn. Aufgrund dessen wollte das Bezirksamt keine weitere Stellungnahme abgeben.
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