Streitobjekt Frisbee

Anzeige
Gut gefangen! Aber eigentlich sollte die Wurfscheibe in den Korb, nicht ins MaulFoto: thinkstock
 
Barbara Assen ist von denaKörben der Disc-Golfer in der Grünanlage der City-Nord nicht begeistert. Chico scheint überhaupt nicht interessiert Foto: Hanke

In der City Nord kommen sich Hundehalter, Passanten und Disc-Golfer in die Quere

Von Christian Hanke
Hamburg. Eigentlich passen Hunde und Frisbees ganz gut zusammen. Nicht selten nutzen nämlich Hundebesitzer die Wurfscheibe, um ihren vierbeinigen Liebling in Bewegung zu bringen. In der City Nord allerdings gibt es seit einiger Zeit Ärger mit den Frisbees der Disc-Golfer. Nicht nur, dass Hunde unberechtigter Weise den schnellen Scheiben hinterher jagen. Die Frisbees entpuppten sich auch als gefährliche Wurfgeschosse für Passanten.
Unterwegs mit Barbara Assen in der Grünanlage der City Nord. Die gibt es. Ein breiter Grünzug, der die ganze Geschäftsstadt in deren Mitte von Nord nach Süd, vom U-Bahnhof Sengelmannstraße bis zum Stadtpark durchzieht. Eine ausgewiesene Hundefreilauffläche, ein Dorado für Hundebesitzer wie Barbara Assen. Immer mittags ist sie hier mit Chico unterwegs, trifft andere Hundebesitzer aus den umgrenzenden Stadtteilen. Für alle eine große Freude. Doch seit letzten Sommer ist die Freude getrübt. Denn nicht nur die Hundebesitzer genießen hier besondere Rechte. Auch die Disc-Golfer. Seit 20 Jahren werfen sie in der Grünanlage der City-Nord Frisbees in eigens fürs Disc-Golf konstruierte Körbe. 2013 durften sie 14 Körbe in der City-Nord fest installieren und erhielten eine Sondernutzung für die Grünfläche.
„Dafür haben wir 20 Jahre lang gekämpft“, erzählt Andreas Runte, der erste Vorsitzende des 1. Ultimate Club Hamburg Fischbees 00 e.V., in dem sich die 35 gelernten Hamburger Disc-Golfer organisiert haben. Sie gehen ihrem Sport nun endtlang des fest installierten Parcours nach - und das ängstigt manche Hundebesitzer wie Barbara Assen. „Ich fühle mich bei meinem Hundespaziergang gestört. Ein Korb steht nur drei Meter von einer Bank entfernt“, erzählt die ältere Dame. Vor den geübten Werfern hat sie keine Angst. Die sind außerdem sehr höflich, so Barbara Assen. „Aber es kann ja jeder, der Lust hat, in die Körbe werfen. Da kann einem so eine Scheibe leicht an den Kopf fliegen“, befürchtet die Hundebesitzerin. Insbesondere wenn die Frisbees von oben kommen, von der Torontobrücke zum Beispiel, die die City Nord mit dem Stadtpark verbindet.
Oben auf der Brücke befindet sich ein Abwurfpunkt, markiert durch einen roten Balken. Der zu treffende Korb steht nicht weit von einem Fußgängerweg. „Ein unerfahrener Werfer kann doch leicht Autos auf der Fahrbahn oder Fußgänger treffen“, gibt Barbara Assen zu bedenken. „Die Sicherheit spielt bei der Anlage der Parcours die größte Rolle“, beruhigt Andreas Runte, der betont, dass den Disc-Golfern das Verständnis für andere Nutzer der Grünanlage sehr wichtig sei.
Für Anwohner Thomas Simuleit gibt es keine Gemeinsamkeiten mit den Disc-Golfern. Er sieht die Hundefreunde langsam aber sicher durch die Frisbee-Werfer verdrängt und weiß von Rücksichtslosigkeit und Exzessen der Sportler zu berichten.
Einige würden ihre Discs werfen, wenn Passanten und Hundehalter über die Freilaufflächen gingen und auf der Wiese vor dem Vattenfall-Gebäude seien Hundebesitzer angepöbelt worden. Lesen Sie bitte weiter auf Seite 3.
„Manch biertrinkende Discgolfgruppe spielte vergnügt“, schreibt Simoleit in einem dem Wochenblatt vorliegendem Schreiben an das Bezirksamt Hamburg-Nord, „Gruppen bis zu sieben Personen nächtigten neben dem Kraftwerk der Firma Vattenfall. Es wurde geworfen, gegrillt und getrunken.“

Polizei ist verwundert

Andreas Runte dagegen glaubt, dass die Disc-Golfer umgekehrt im Bereich des U-Bahnhofs Sengelmannstraße durch ihre Anwesenheit dafür gesorgt haben, dass eine trinkende Klientel verschwunden sei. Er glaubt zudem, dass es sich bei den Kritikern des Disc-Golf nur um eine kleine Minderheit handelt: „Mit 85 Prozent der Hundebesitzer haben wir ein gutes Verhältnis.“ Im Sommer würden sich ohnehin nur wenige Disc-Golfer auf die ganze Strecke verteilen.
Thomas Simoleit sieht es anders. Er hat den Regionalausschuss Winterhude / Eppendorf aufgefordert, die Sondergenehmigung für die Disc-Golfer zu widerrufen. Hartmut Herbst, zuständig für Straßenverkehr im Polizeikommissariat 33, wunderte sich im Ausschuss darüber, dass die Polizei bei der Erteilung der Sondergenehmigung für die Disc-Golfer nicht gefragt wurde: „Das ist eigentlich unüblich.“ Er sieht Gefahren für den Autoverkehr, da der Jahnring nicht zur Grünfläche City-Nord abgegrenzt ist. Egbert Willing, der Leiter des Management des öffentlichen Raumes in Hamburg-Nord, wird sich des Konflikts annehmen, die Vorwürfe überprüfen. Seine Devise: Man muss in einer Grünanlage miteinander auskommen: „Jeder muss auf den anderen Rücksicht nehmen!“ Hoffentlich klappt´s. (ch)
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
6
John Wedemeyer aus Winterhude | 21.01.2014 | 16:18  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige