Träume im Haus St. Johannis

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Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (re.) auf Sommertour: Leiterin Sabine Kalkhoff (li.) und Lieselotte Boock begrüßen sie Foto: flü

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks macht auf ihrer Sommertour Station in Harvestehude

Harvestehude „Mein Alptraum ist es, morgens um 6 Uhr geweckt zu werden, tagsüber Bastkörbchen zu basteln und abends Hagebuttentee zu trinken“, schildert Cornelia Prüfer-Storcks ihre Schreckensvision vom Leben im Altenheim. Dass es auch ganz anders geht, erfährt die Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz im Alten- und Pflegeheim St. Johannis in Harvestehude. Während ihrer Sommertour machte die SPD-Politikerin nach Besuchen bei Airbus und im Marienkrankenhaus am 30. Juli Station in der Gründerzeit-Villa von 1888, in der 47 Bewohner und 37 Mitarbeiter leben und arbeiten. Im Haus St. Johannis wurde in einem von der Gesundheitsbehörde geförderten Pilotprojekt und in enger Abstimmung mit Angehörigen und Pflegepersonal eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz eingerichtet.

„Die selbstständige Bewegung ist für Menschen mit Demenz ganz wichtig.“ Sabine Kalkhoff, Heimleiterin

„Die selbständige Bewegung ist für Menschen mit Demenz ganz wichtig“, weiß Heimleiterin Sabine Kalkhoff. Zur Förderung der Autonomie und Selbständigkeit wurden deshalb die „13 Pöseldorfer“ entwickelt, ein leichtes Bewegungsprogramm, das täglich absolviert wird. Es wird außerdem zusammen mit Musiktherapeut Jan Sonntag gesungen, getanzt oder Qi Gong gemacht. Von einem reinen Betreuungsangebot wollen Kalkhoff und ihre engagierten Mitarbeiter sich aber verabschieden: Im gesamten Alltag sollen Bewegungsimpulse ermöglicht werden, beispielsweise auch durch das Zusammenlegen kleiner Wäschestücke. Viele der Bewohner mit Demenz schlafen gern länger, deshalb ist eine wie von Cornelia Prüfer-Storcks gefürchtete Weckzeit um 6 Uhr morgens tabu. „Wir möchten einen guten Weg für alle finden, auch für die Mitarbeiter“, begründet Kalkhoff. Im Treppenhaus der gemütlichen Villa sind die Stationen des Projektes „Wohngruppe für Menschen mit Demenz“ in Fotos und Texten dokumentiert. Hier hängen auch die „Herzenswünsche“ der Bewohner: noch einmal Autofahren, ins Fußballstadion gehen oder gemeinsam mit der Familie essen.
Hilfe auf dem Weg zum selbstbestimmten Leben in der Gemeinschaft hat sich die Heimleiterin auch von externen Experten geholt: „Durch den Blick von außen haben wir viele Impulse bekommen – zum Beispiel, dass keine Pflege-
utensilien im Wohnzimmer herumliegen sollen“, so Kalkhoff. Sie ist sich sicher, dass kleine Veränderungen wie diese auch ohne große finanzielle Mittel durchführbar sind. „Wir sind eine normale stationäre Einrichtung für Menschen mit Pflegestufe“, erklärt sie. Bewohner und vor allem ihre Angehörigen sollten für die milieu-therapeutisch orientierte Wohngruppe im Idealfall aus dem Quartier kommen. Die Behörde von Cornelia Prüfer-Storcks sieht einen „Nachholbedarf für alternative Wohngruppen im Quartier“ und hat Fördermittel in Höhe von drei Millionen Euro bereitgestellt, um entsprechende Projekte und personelle Entwicklungen anzustoßen. „Man kann hier gut alt werden“, findet Lieselotte Boock, Sprecherin des Bewohner-Beirats. (flü)
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