Über die Kindheit als Jude

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Hans Gärtner und die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Barbara Nitruch bei Gärtners letztem Besuch in Eppendorf Foto: privat

Nazis vertrieben Hans Gärtner. Zur Woche des Gedenkens wird er sprechen

Eppendorf Das Leben eines Eppendorfers wird verfilmt. Hans Gärtner, aufgewachsen in der Straße Beim Andreasbrunnen, war deshalb kürzlich in seiner Heimatstadt. An Originalschauplätzen wird seine Geschichte erzählt. Hans Gärtner lebt heute in Prag. Als Sohn jüdischer Eltern wuchs er, 1926 geboren, in Eppendorf auf, besuchte die Schule Breitenfelder Straße, dann die private Bertram-Schule am Harvestehuder Weg, eine Eliteschule, in denen die Kinder der wohlhabenden Hamburger aus Eppendorf, Harvestehude und Umgebung unterrichtet wurden. Als er zehn Jahre alt war, registrierte er: Juden sind unerwünscht. „Am Eppendorfer Baum war ‚Der Stürmer‘ ausgestellt, in dem gegen die Juden gehetzt wurde“, erzählt Hans Gärtner. Trotzdem sah er Kriegsfilme, war von der militärischen Erziehung dieser Jahre beeinflusst, wollte am liebsten zur See fahren. „Wir konnten in der Hitlerzeit zunächst noch zivilisiert leben“, berichtetet Gärtner.

Jugend in Theresienstadt


Doch 1938 erschien den Eltern von Hans Gärtner die Situation der Juden in Deutschland als nicht mehr sicher. Der Sohn blieb bei Verwandten in der Tschechoslowakei. Hans Gärtner ging in Prag zur Schule. Sein Vater Erich Gärtner, der in Hamburg eine Speditionsfirma besaß, wurde 1941 mit dem zweiten Transport in die Vernichtungsstätten des Ostens nach Minsk deportiert und dort 1942 ermordet. Gärtners Mutter und sein Bruder überlebten in der Schweiz. Hans Gärtner wurde 1942 ins Ghetto Theresienstadt verschleppt. „Wir haben dort eine Eisenbahnstrecke gebaut“, erzählt der Eppendorfer. Im Dezember 1943 wurde Gärtner nach Auschwitz deportiert, musste später im sächsischen Außenlager Schwarzheide arbeiten. Am 18. April 1945 wurde er mit anderen Häftlingen auf einen Todesmarsch nach Theresienstadt geschickt, das er am 6./7. Mai aber lebend erreichte. Nach der Befreiung blieb er in der Tschechoslowakai. Ein Cousin beschäftigte ihn auf einem Gut in der Nähe von Prag. Auch unter der kommunistischen Herrschaft litt Hans Gärtner unter Antisemitismus. Er arbeitete als Übersetzer, übersetzte rund 40 Bücher ins Deutsche. 1964 reiste Gärtner zum ersten Mal wieder nach Hamburg.

Woche des Gedenkens


Als er im vorigen Jahr vom Hamburger Senat als NS-Opfer eingeladen wurde, „entdeckte“ ihn die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete und Ortsvorsitzende von Groß Borstel, Barbara Nitruch, als Eppendorfer, und bat ihn, als Ehrengast bei der Feierstunde der Woche des Gedenkens anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz aufzutreten. So wird Hans Gärtner am Dienstag, 27. Januar, um 18 Uhr im Großen Saal des Bezirksamtes, Robert-Koch-Straße 17, über seine Erlebnisse sprechen, auch über seine Eppendorfer Kindheit. Am 28. Januar, 20 Uhr, ist er im Kulturhaus Eppendorf, Julius-Reincke-Stieg 13a. Es werden Ausschnitte aus dem Film über Gärtner gezeigt. (ch)
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