Überdachung für Klinker

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Warm und lebendig wirken die alten Backstein- und Klinkerfassaden, die der Jarrestadt ihren Charme verleihen. Doch infolge energetischer Sanierung könnten sie nach und nach verschwinden. Foto: ag
 
Für Saga-Hauswart Michael Schultze sind die Probleme nicht neu. Er betreut den aus den 1930-ern stammenden Wohnblock im Jean-Paul-Weg seit sieben Jahren. Foto: Gemeinholzer

Rettungsschirm für Backsteinbauten in der Jarrestadt

Von Anne Gemeinholzer
Winterhude. Noch prägen roter Backstein und Klinker die Jarrestadt. Doch wenn immer mehr der Wohnblöcke aus den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den nächsten Jahren energetisch saniert werden müssen, wird das einheitliche städtebauliche Bild durchlöchert und das beliebte Quartier unweigerlich an Charme einbüßen.
Der lebendig-warme Charakter der roten Bauten verschwände zugleich mit deren Backsteinfassaden – hinter einer schlichten Thermohülle mit Putz oder Klinkerverblendung.
Im Jean-Paul-Weg soll es dazu nicht kommen: Ein ganzer Wohnblock könnte einfach überdacht werden, so der Plan von Saga, Denkmalschutzamt und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU). „Es geht um die Frage, wie wir alte Backsteinfassaden retten, die Wohnungen in den Gebäuden aber bezahlbar bleiben“, erklärt Oberbaudirektor Jörn Walter auf Anfrage des WochenBlatts. „Im konkreten Fall geht es um ein Wohngebäude, das dem städtischen Wohnungsbauunternehmen Saga gehört. Das Gebäude hat eine wunderschöne Fassade mit Klinkerelementen, die wir erhalten wollen“, so der Oberbaudirektor. Angedacht ist, das über 80 Jahre alte Ensemble mit einem Vordach gegen Niederschläge zu schützen. Denn schon seit Längerem gibt es in dem denkmalgeschützten Gebäude Probleme mit Feuchtigkeit. „Regenwasser dringt durch die Fassade ein. Wir haben zum Teil kalte und feuchte Wände“, heißt es dazu von der Saga.
In den Wohnungen bildet sich Schimmel. Man habe schon viel versucht, unter anderem mit unterschiedlichem Fugenmaterial. Etliche Versuchsfelder an der Fassade zeugen davon: Der Mörtel ist dort zum Teil stark ausgewaschen. Genutzt hat das alles nichts. Deshalb kommt jetzt eine Art Regenschirm für den Backstein. Ein Schleppdach soll schräg vor der Fassade installiert werden. „Es gibt keine Alternative dazu. Die Fassade ließe sich nicht nachbauen“, so Dr. Michael Ahrens von der Saga. Ein übliches Wärmedämmverbundsystem mit Putz oder Riemchen (Klinkerverblendung) scheide aus Gründen des Denkmalschutzes aus. Man plane in enger Abstimmung mit BSU und Denkmalschutzamt. „In diesem Jahr erfolgt die Planung, frühestens 2014 ist mit dem Baubeginn zu rechnen.“
Wie viel die ungewöhnliche Maßnahme kosten wird, ist nach Auskunft der Saga noch unklar. Sicher sei dagegen, dass die Kosten nicht auf die Mieten übertragen werden. Für die Instandhaltung alter Backsteinhäuser gibt es Mittel vom Staat. „Wenn sanierte Gebäude eine neue Klinkerverkleidung erhalten, wird dies gefördert“, so Oberbaudirektor Walter. Die BSU versuche mit finanzieller Hilfe entgegenzuwirken, damit die für Hamburg so typischen historischen Backsteinfassaden nicht nach und nach aus dem Stadtbild verschwinden. Das einheitliche Fassadenmaterial Backstein legte Hamburgs ehemaliger Oberbaudirektor Fritz Schumacher in dem städtebaulichen Gesamtkonzept für die Jarrestadt fest, die zwischen 1927 und 1930 als in sich geschlossenes Stadtquartier entstand und als Ausdruck der damaligen Reformen in Stadtentwicklung und Wohnungsbau wegweisend wurde. (ag)
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