UKE-Museum will Schädel zurückgeben

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Professor Philipp Osten (l.) und der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Uwe Koch-Gromus, zeigen das Inventarbuch Foto: Hanke
 
Dieser Anhänger kennzeichnet einen der Schädel als Kopf eines Herero Foto: UKE
Hamburg: Martinistraße 52 |

Eine Frage der Würde: Die 75 Exemplare waren Teil der Rassenanthropologie

Von Christian Hanke
Eppendorf
Das Medizinhistorische Museum auf dem Gelände des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) hat in seinen Beständen
75 Schädel entdeckt, die 1917 bis 1933 aus verschiedenen Teilen der Welt gekauft wurden, um durch eine Forschung auf der Grundlage der Rassenanthropologie und durch Zurschaustellung eine Rangfolge von „Rassen“ zu beweisen. Sie sollen den Herkunftsländern zurückgegeben werden. Die Schädel gehörten ursprünglich zu der Neuropathologischen Sammlung im Staatskrankenhaus Friedrichsberg, die der Leiter dieser Einrichtung von 1908 bis 1934, Wilhelm Weygandt, ein energischer Verfechter der so genannten Rassenhygiene, aufbaute. Die Sammlung umfasste 1185 Objekte. Sie wurde vermutlich 1942 nach der Auflösung der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg vom UKE übernommen. Bis 1946 wurde sie aufgelöst. Nur einige als wichtig erachteten Objekte blieben.

Aus Kolonien

Aufgrund eines in anderen Archivbeständen entdeckten Inventarbuchs konnte die Herkunft der Schädel nachvollzogen werden. Mindestens zwölf stammen aus früheren deutschen Kolonien, neun aus dem Bereich Papua-Neuguinea, zwei aus Kamerun und einer aus Namibia, der Kopf eines Angehörigen der Herero, die die deutschen Kolonialherren 1904 in einem Vernichtungsfeldzug fast auslöschten.
Professor Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, dem Dekan der Medizinischen Fakultät der Hamburger Universität, war „die Brisanz dieser Funde“ sofort klar. Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank wurde informiert. Das Auswärtige Amt wird in Kenntnis gesetzt. Mit den Herkunftsländern sollen nun Vereinbarungen über das weitere Vorgehen getroffen werden. „Mit Hilfe der Schädel sollte die Minderwertigkeit afrikanischer Menschen nachgewiesen werden. Ein wichtiges Ziel muss die Rehumanisierung der enthumanisierten Menschen sein“, erläuterte der Historiker Professor Dr. Jürgen Zimmerer, Experte für Kolonialgeschichte an der Hamburger Universität. Eine Frage der Würde.

Kritische Debatte anstoßen

Die Schädel wurden erst jetzt in ihrer Bedeutung als Relikte des Kolonialismus und der Forschung zur Rassenhygiene entdeckt, da das vor drei Jahren gegründete Medizinhistorische Museum noch nicht alle Bestände aus verschiedenen Abteilungen des UKE gesichtet hatte. Das UKE will sich über die Rückgabe von Schädeln an die Herkunftsländer hinaus kritisch damit auseinandersetzen. „Das Medizinhistorische Museum Hamburg möchte eine Debatte über herkömmliche historische Lehr- und Forschungssammlungen anstoßen, die menschliche Präparate enthalten. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, uns zur Verfügung gestellte Sammlungen und Bestände wissenschaftlich zu hinterfragen, daher werden wir auch unsere weiteren Bestände einer kritischen Bewertung unterziehen“, sagte der kommissarische Leiter des Museums und Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin am UKE, Professor Dr. Philipp Osten. Für die Schädel, die keinem Land zuzuordnen sind, soll mit der Wissenschaftsbehörde ein geeigneter Ort der Aufbewahrung gefunden werden. Bis über das weitere Vorgehen entschieden ist, werden die Schädel nicht öffentlich gezeigt.
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