Umdenken bei Neubauten

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Das größte Neubauprojekt in Groß Borstel startet in 2016: Tarpenbeker Ufer mit 750 Wohnungen Illu: Otto Wulff GmbH
 
Bezirksamtsleiter Harald Rösler (64) Foto: Hanke/wb

Bezirksamtschef Rösler: „Wenn alles so bleibt, haben wir keine Perspektiven“

Eppendorf Was steht an in Eppendorf und Winterhude, in Groß Borstel und Alsterdorf im gerade angebrochenen Jahr? Welche Probleme sieht das Bezirksamt Hamburg-Nord? Wie will das Amt sie lösen? Das Wochenblatt befragte den Leiter des Bezirksamtes, Harald Rösler. Natürlich bewegt auch ihn die Frage, wo in seinem Amtsgebiet wie viele Flüchtlinge untergebracht werden können. In Groß Borstel leben in drei Einrichtungen schon relativ viele, insbesondere in der Erstaufnahme Sportallee, die gerade zwecks Grundsanierung und Erweiterung in das als Provisorium aufgebaute Containerdorf Heselstücken umgezogen ist. In der Grünanlage Pehmöllers Garten soll eine vierte Unterkunft entstehen (wir berichteten).

Flüchtlinge in Eppendorf


Aber auch im dicht bebauten Eppendorf werden Flüchtlinge leben. An der Osterfeldstraße sollen Wohnhäuser im geförderten Wohnungsbau entstehen, in die zunächst Flüchtlinge einziehen werden. 180 werden voraussichtlich Ende des Jahres bezugsfertig sein. Die Realisierung des zweiten Bauabschnitts wird nach der derzeitigen Planung bis Mitte 2017 folgen. Insgesamt entstehen bis zu 400 Wohnungen. Dafür muss der dort gültige Bebauungsplan geändert werden. „Ich rechne damit, dass die Fläche als Mischgebiet ausgewiesen wird“, prognostiziert Harald Rösler. Damit wären auch benachbarte Gewerbeflächen gesichert. An denen fehlt es im Bezirk Hamburg-Nord. Nicht alle sollen aus aktuellem Anlass umgewidmet werden. Der Bezirksamtsleiter sieht für Flüchtlinge in Eppendorf gute Rahmenbedingungen. „Die Infrastruktur ist vorhanden. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen“, gibt sich Rösler optimistisch.

„Kleingärten sind wichtig“


Gebaut wird 2016 in Groß Borstel und in Winterhude aber auch ohne Gedanken an Flüchtlinge. In Groß Borstel startet das Neubauprojekt Tarpenbeker Ufer, das größte Vorhaben seiner Art in diesem Stadtteil. 750 neue Wohnungen sind vorgesehen. In Winterhude kann an der Grenze zu Barmbek mit dem Bau des Pergolenviertels begonnen werden (zirka 1.400 Wohnungen). Viele Kleingärten müssen dafür verlagert werden. Rösler steht zu dieser Freizeitform. „Ich halte Kleingärten auch stadtnah für ganz wichtig“, betont der Amtsleiter. Um die Wohnungsbauvorgaben des Senats zu erfüllen, die in Hamburg-Nord in den letzten Jahren immer übererfüllt wurden, denkt Rösler für die Zukunft an andere und neue Wohnformen: „Wir sind der kleinste Bezirk in Hamburg. Wir haben keine großen Gewerbeflächen mehr, die wir noch mit Wohnungen bebauen können. Wir müssen über neue Formen und Geschosse nachdenken.“ Nachverdichtungen, in die Höhe bauen sind nur zwei Möglichkeiten, um die vielen künftigen Neuhamburger unterzubringen. Nicht nur beim Wohnungsbau, auch in der Verkehrspolitik soll sich, so findet Harald Rösler, 2016 einiges ändern. „Es wird mehr Fahrrad gefahren. Deshalb müssen wir Fahrradstraßen bauen. Das Auto ist kein Statussymbol mehr“, hat der Bezirksamtsleiter erkannt. Eine erste Fahrradstraße will das Bezirksamt 2016 daher am Leinpfad anlegen. „Das ist einer der stärksten Fahrrad-Hotspots“, erläutert Rösler. Auch die Fortführung der Fahrradstraßen rund um die Außenalster betrifft Winterhude. Doch mit einer Realisierung kann erst 2017 gerechnet werden. Rösler hält Veränderungen, gerade in den angespannten oder umstrittenen Bereichen wie Wohnungsbau und Verkehr für wichtig: „Wenn alles so bleibt, haben wir keine Pespektiven.“ (ch/wb)
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