Umstritten: Radzähler an Hamburger Außenalster

Anzeige
Streit um die Fahrradzählsäule an der Außenalster: „Überflüssiges Spielzeug“ für den Bund der Steuerzahler, von „Symbolwert“ für den ADFC Foto: Hanke

Bund der Steuerzahler spricht von „überflüssigem Spielzeug“. Behörde plant zwei weitere

Von Christian Hanke
Harvestehude/Winterhude/Rotherbaum
„Marketinggag“, „Überflüssiges Spielzeug“: der Bund der Steuerzahler hat in seinem neuesten Schwarzbuch nur deutliche Worte für den ersten Radzähler an der Außenalster übrig. Die Behörde will nun weniger Zählsäulen als geplant bauen. Die Verkehrsbehörde rudert in Sachen Fahrradzählsäulen offenbar zurück. Statt der geplanten sieben Säulen – pro Bezirk ein Zähler – werden nun nur noch zwei weitere Säulen gebaut. Mit der Säule an der Straße An der Alster stehen dann drei Zählstationen in Hamburg. Schon um die erste Säule wurde gestritten. Die blaue Säule zählt sowohl die Radfahrer, die an einem Tag hier vorbeifahren, als auch alle Räder, die diese Stelle im Laufe des aktuellen Jahres passieren. In zwei Displays wird ganz oben sowohl das Tagesdatum als auch in unübersehbarer Größe die Anzahl der an diesem Tag bisher hier durchgekommenen Radfahrer angezeigt. Ein grüner Leuchtstrahl zeigt ebenfalls klar erkennbar fast über die ganze Höhe der Säule die bisherige Anzahl der Radler im laufenden Jahr an.

Induktionsschleife würde reichen


Der Bund der Steuerzahler hält die Säule für überflüssig, weil eine in den Radweg eingebaute Induktionsschleife ausreichen würde, um die Räder zu zählen. „Wir sind verärgert darüber, dass in der Politik immer noch versucht wird, Fahrradzählsäulen als Notwendigkeit für die Erfassung von Daten zu verkaufen. Man sollte jedoch ehrlich sein: Für die Erfassung von Daten reichen unterirdische Zähler aus. Fahrradzählsäulen sind einfach nur ein teurer Marketinggag und sollten auch als ein solcher benannt werden. Hamburg braucht keine weiteren Zählsäulen“, erläutert Sabine Glawe, die haushaltspolitische Sprecherin des Bundes der Steuerzahler Hamburg e.V. Die Verkehrsbehörde, die den Radzähler aufgestellt hat, sieht das natürlich ganz anders. „Die sichtbare Anzeige macht den Radverkehr an diesen Standorten präsenter und schafft ein Bewusstsein über die zunehmende Bedeutung des Radverkehrs in Hamburg“, erläutert Sprecher Richard Lemloh: „Darüber hinaus können die ermittelten Daten für die Radverkehrsentwicklung (Vergleich der Jahreswerte) sowie als Erkenntnisgewinn zum Radverkehr herangezogen werden.“ Lemloh weist außerdem daraufhin, dass „in zahlreichen anderen Städten“ wie Bremen, Rostock, Kopenhagen, Utrecht und Straßburg diese Radzähler stehen.

Anschaffungskosten: 31.400 Euro


Der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) stimmt der Kritik des Bundes der Steuerzahler sachlich zu. Die Induktionsschleife, die auch für die Radzählsäule notwendig ist, würde zum Zählen ausreichen, räumt Dirk Lau, der stellvertretende Vorsitzende und Sprecher des ADFC Hamburg ein, „doch man sieht sie nicht“. Die Säule sei „eine gute Sache. Sie hat einen Symbolwert, eine Außenwirkung. Sie zeigt, der Radverkehr wird gefördert“, findet Lau. Sie hat laut Bund der Steuerzahler 31.400 Euro gekostet, Kauf und Anschluss allein 22.000 Euro. „So viel Geld für Schnickschnack tut nicht Not“, urteilt der Bund, der daher früh davor warnte, fünf weitere Radzähler anzuschaffen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige