Umstrittenes Nadelöhr

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Wie viele Autos verträgt eine Fahrradstraße? Foto: Hanke
 
Diese Zeichen sorgt am Harvestehuder Weg für Unruhe und massive Kritik Foto: Hanke

Was Hamburger zur Fahrradstraße an der Alster sagen

Von Christian Hanke
Rotherbaum/Harvestehude
Die Umwandlung des Harvestehuder Weges zwischen Krugkoppel und Alter Rabenstraße in eine Fahrradstraße sorgt für Aufregung, Empörung und Polarisierungen. Wie denken Nutzer der schönen Straße an der Außenalster über die Umbauten der letzten Monate? „Großer Quatsch, gefährlich“, sagt ein Autofahrer, der gerade vor der provisorischen Ampel Ecke Milchstraße hält und nicht genannt werden möchte. „Schilda“, fällt Marcus Engelhorn ein, der gerade aus dem Alstervorland gejoggt kommt.

„Es liegt keine Gefährdung vor, die uns zum sofortigen Handeln zwingt“
Ralf Schlüter, Polizei


Er läuft hier nicht nur, sondern nutzt den Harvestehuder Weg auch regelmäßig als Auto- und als Fahrradfahrer. „Es ist gefährlicher geworden, sowohl für die Autos wie für die Radfahrer. Der Autoverkehr staut sich“, findet Engelhorn, „wir haben doch einen tollen Radweg. Das ist ein Schildbürgerstreich.“ Hermann Nahstedt dagegen ist zufrieden. Er radelt auf der Fahrradstraße. „Das geht viel besser als auf dem Radweg. Auf dem Straßenbelag fahre ich lieber. Gefährlich ist es hier nicht“, erzählt der Radfahrer.
Eine akute Gefahrenlage lässt sich an einem Werktag mittags nicht feststellen. Nur wenige Autos fahren auf der Fahrradstraße Harvestehuder Weg, in sehr langsamem Tempo.
Vor Verengungen und vor den neuen Parkplätzen kommt es mitunter zu kleinen Staus, die sich schnell auflösen. Die Radler nutzen etwa zur Hälfte die Straße und den alten Radweg, der nun nicht, wie zunächst angekündigt zurückgebaut wird. Einmal fühlt sich ein Radfahrer durch ein Auto behindert, zeigt dem Fahrer den Stinkefinger. Insgesamt aber ergibt sich ein Bild des weitgehend friedlichen Nebeneinanders. So fällt auch die Bilanz des örtlichen Polizeikommissariats aus. „Es liegt keine Gefährdung vor, die uns zum sofortigen Handeln zwingt“, fasst Ralf Schlüter, Abteilungsleiter Verkehr im Polizeikommissariat 17 an der Sedanstraße, zusammen. Es gab seit dem Umbau des Harvestehuder Weges zur Fahrradstraße einen Unfall, der leider sehr häufig auf Straßen mit Fahrradnutzung vorkommt. Die Fahrerin eines auf den neu eingerichteten Parkplätzen abgestellten Autos hatte beim Öffnen der Tür einen Radfahrer übersehen, der gegen die Tür fuhr. Den „hohen KfZ-Anteil“ auf der neuen Fahrradstraße sieht Schlüter allerdings kritisch: „Er nimmt Straßenflächen für die Radfahrer. So haben sich die Radler das nicht vorgestellt.“ Für Dirk Lau vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) geht das gar nicht. „Man kann eine Fahrradstraße nicht uneingeschränkt für den Autoverkehr freigeben. Das ist absurd“, ärgert sich der ADFC-Sprecher. Die Fahrradstraße sei, so Lau, zwar eine Verbesserung gegenüber dem Zwei-Richtungs-Radweg durchs Alstervorland. Doch der Autoverkehr müsse eingeschränkt werden. „Klassisch wäre nur Anliegerverkehr“, so Lau. Müssen die Stadtrundfahrten dann auf eine Fahrt durch den Harvestehuder Weg verzichten? Darauf hat der ADFC-Sprecher noch keine Antwort.
Für die Busunternehmer wäre das eine Katastrophe. Die Fahrradstraße ist es schon. „Die Ausweichmanöver der Autos wegen der Parkplätze führen zu Staus und Be-hinderungen der Busse. Aber wir müssen durch den Harvestehuder Weg.“, berichtet Christa Reduch von den Gelben Doppeldeckern.
Verhalten äußert sich der ADAC über die neue Fahrradstraße. Er wurde in die Planung miteinbezogen. „Eine Fahrradstraße kann der richtige Weg sein, wenn die Zahlen es zulassen, also sehr viele Radfahrer fahren. Das ist hier so“, erläutert ADAC-Sprecher Christian Hief und erklärt: „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass der Autoverkehr nicht eingeschränkt wird.“ Nun müsse man abwarten und gucken, ob sich diese Straße bewährt.
Für neue Aufregung sorgt allerdings die Ankündigung, dass weitere Fahrradstraßen rund um die Alster wie vorgesehen geplant werden, zum Beispiel der Straßenzug Krugkoppel-Fernsicht.
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