Und wie beeinträchtigt sind Sie?

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Behinderte Künstler haben sich selbst porträtiert - so wie sie sich in unserer Gesellschaft sehenFotos:Stiftung AA/wb
 

Neue Erlebnis-Ausstellung von und mit der Stiftung Alsterdorf im Hamburg Museum

Hamburg/Alsterdorf. Ganz gleich, ob jung oder alt, Mann oder Frau, mit oder ohne Behinderung – Inklusion heißt mit dabei zu sein. Inklusion ist der Weg in eine neue Gesellschaft und eine große Herausforderung für uns alle. Die neue Sonderausstellung „Geht doch! – Inklusion erleben“, die am 8. November im Hamburg Museum eröffnet wird, nimmt sich diesem aktuellen Thema an. Anhand von poetischen Inszenierungen, Interaktionen und Medieninstallationen taucht der Besucher in Lebenswelten von Menschen mit und ohne Handicap ein und erlebt spielerisch ihren Alltag.
Reingehen und ausprobieren ist die Devise: inklusiv Kickern in der Kneipe, Einkaufen aus Sicht eines Rollstuhlfahrers, Spielen nach Gehör. Der Besucher platzt mitten in das Leben unterschiedlicher Personen, lernt sie kennen, begibt sich interaktiv in ihre Situation und wird sensibel für die Lebensumstände anderer. Die Ausstellung greift in den unterschiedlichen Lebenssituationen sowohl die Probleme auf, die bestehen, als auch die Möglichkeiten, die Inklusion eröffnet. Und die Ausstellung hat Humor: Beim Druck auf einen Klingelknopf erscheint auf einem Bildschirm ein Mann im Rollstuhl der sagt: „Mein Handicap ist, dass ich nicht jodeln kann.“ Und jeder kann sich selbst die Frage stellen: Wo beginnt eigentlich ein Handicap? Mit einer psychischen oder physischen Beeinträchtigung? Als Brillenträger? Als Linkshänder? Was ist mein Handicap? Prof. Dr. Lisa Kosok, Direktorin des Hamburg Museums: „Die Ausstellung gibt keine Gebrauchsanweisung an die Hand. Es geht um den Prozess, der bei jedem Besucher in Gang gesetzt werden soll. Das Ideal der Inklusion ist die Erkenntnis, dass jeder Mensch mein Leben bereichern kann. Wir sind alle verschieden und das ist prima.“
Historischer Anlass und Hintergrund der Ausstellung ist das 150jährige Bestehen der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Ein digitales Buch in der Ausstellung erzählt die gesamte Geschichte von der Gründung der Alsterdorfer Anstalten bis zur Stiftung heute in Bildern, Tondokumenten und Filmen. Es kommen auch ehemalige Angestellte in Interviews zu Wort, die von den unhaltbaren Zuständen und menschenunwürdigen Behandlung der „Pfleglinge“ in den 1960er und -70er Jahren sprechen. Den notwendigen Umbruch brachte ein Artikel im Zeit- Magazin im Jahr 1979. Die Ausstellung wurde von Menschen mit und ohne Behinderung konzipiert und von den kreativen Machern des Universe Science Center in Bremen und des Klimahauses in Bremerhaven umgesetzt. Gebaut wurden die einzelnen Elemente unter anderem in den Werkstätten von alsterarbeit, und Künstlergruppen wie Schlumper und Barner 16 wurden in die Gestaltung und die Produktion mit einbezogen. Die Ausstellung wird gefördert von der Aktion Mensch. (wb)

Das Hamburg Museum am Holstenwall 24 ist nicht vollständig barrierefrei. Die Ausstellung und alle Exponate sind mit dem Rollstuhl erreichbar, es gibt einen Audioguide und ein Leitsystem für Sehbehinderte, Untertitelungen für Hörgeschädigte. Alle Texte liegen in einfacher Sprache vor. Die Erlebnis-Ausstellung läuft vom 8. November bis zum 21. April 2014.
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1 Kommentar
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w l aus Eppendorf | 09.11.2013 | 17:05  
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