Unruhe wegen Bauplänen

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Wolfgang Kopitzsch (66), Kirchengemeinderatsvorsitzender, am Stumpf der Linde an der Alsterdorfer Straße 303 Foto: Barth
 
Das Grundstück der Martin-Luther-Gemeinde grenzt an das Areal an der Alsterdorfer Straße 303 Foto: Barth

Warum ein gefällter Baum und der Brief eines Investors die Kirchengemeinde empört

Von Daniela Barth
Alsterdorf
Das hat sich Wolfgang Kopitzsch (66) vermutlich nicht träumen lassen, dass er als ehemaliger Bezirksamtsleiter (2009 bis 2011 in Hamburg-Nord) in der Bürgerfragestunde des Regionalausschusses die Arbeit seines ehemaligen Wirkungskreises kritisieren würde. Seit Januar dieses Jahres ist der pensionierte Polizeipräsident Kopitzsch ehrenamtlicher Vorsitzender des Kirchengemeinderates der Martin-Luther-Kirche. In dieser Funktion trat er kürzlich im Regionalausschuss Groß Borstel-Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf auf den Plan, um die „unangekündigte Fällung“ einer Linde vor dem Grundstück Alsterdorfer Straße 303 zu monieren.

Schaler Beigeschmack


„Die Linde hatte fortgeschrittene Pilzfäule im Stammfuß und musste aus Gründen der Verkehrssicherheit umgehend gefällt werden. Es handelte sich daher um eine Notfällung“, gibt dazu Katja Glahn vom Bezirksamt gegenüber dem Wochenblatt Auskunft. Aber diese Begründung befindet Wolfgang Kopitzsch als „merkwürdig“ und „überraschend“. Weshalb das für den engagierten Alsterdorfer so einen schalen Beigeschmack habe, hat einen Hintergrund: Das Grundstück Alsterdorfer Straße 303 mit dem ehemaligen – schon einige Jahre leerstehenden – Restaurant grenzt genau an die Liegenschaft der Martin-Luther-Kirche mit Gemeindehaus, Krippe und Kindergarten. Im Januar erhielt der Kirchenvorstand einen Brief vom jetzigen Eigentümer des Grundstückes Alsterdorfer Straße 303, der Uhlendorff Projekte GmbH. In dem heißt es, man habe im Dezember 2014 einen positiven Bauvorbescheid erhalten und wolle bald elf Eigentumswohnungen und eine Tiefgarage bauen. Dieses Bauprojekt bewirbt die Firma Uhlendorff-Projekte auch auf ihrer Homepage.

Fläche für Gemeinbedarf


Laut Kopitzsch dürften auf diesem Grundstück aber gar keine Eigentumswohnungen gebaut werden, weil im Bebauungsplan Alsterdorf 8 diese Fläche für den Gemeinbedarf ausgelegt ist – und die Kirchengemeinde ist sogar als „Begünstigte“ eingetragen. „Das heißt, Eigentumswohnungen würden einen Gemeinbedarf keinesfalls erfüllen“, argumentiert Wolfgang Kopitzsch, der sich insbesondere über den angeblichen „positiven Bauvorbescheid“ im Regionalausschuss echauffierte. Die plötzliche Fällung der Linde direkt vor dem Grundstück kam ihm deshalb so vor, als sollten Fakten geschaffen werden. Als Ersatz sollte eine Zierkirsche gepflanzt werden – „und das in einer Lindenallee“, so Kopitzsch empört.
„Der Eigentümer hat leider nicht die Wahrheit gesagt“, kann Jörg Lewin (SPD), Vorsitzender des Regionalausschusses mittlerweile beruhigen. Und auch das Bezirksamt gibt die Auskunft: „Es gibt keine Baugenehmigung, noch nicht einmal einen Bauantrag.“Auf eine Wochenblatt-Anfrage antwortete die Geschäftsführung von Uhlendorff-Projekte nicht. Der Regionalausschuss hat einstimmig beschlossen, dass statt eines kurzlebigen Zierbaums wieder einen Linde gepflanzt werden soll. Außerdem werde der Bauausschuss ein ganz besonderes Augenmerk auf die weitere Entwicklung des Grundstückes bei der Kirchengemeinde legen, verspricht Jörg Lewin, der übrigens selbst Stadtplaner ist. Die Kirche hatte laut Bebauungsplan ein Vorkaufsrecht für das Grundstück, das im Jahr 2010 vom ehemaligen Eigentümer veräußert wurde. Aber der Preis sei „so gigantisch hoch“ gewesen, dass sich die Gemeinde das nicht leisten konnte, begründet Wolfgang Kopitzsch. Sonst hätte die Kirche hier eventuell ihr Gemeindehaus vergrößert.
Jetzt kann sich der Kirchengemeinderat-Vorsitzende auch schöne moderne Spielanlagen – die auch öffentlich genutzt werden – vorstellen. „Denn das fehlt in Alsterdorf“, meint der ehemalige Bezirksamtsleiter. Und: es erfülle den geforderten Gemeinbedarf auf dieser Fläche.
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