Unterkunft Osterfeldstraße: Kritische Fragen bleiben

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Das Wochenblatt berichtete über die kürzlich gegründetet Bürgerinitiative Repro: wb

Anwohner befürchten wegen Flüchtlings-„Großsiedlung“ Sicherheitsprobleme

Von Christian Hanke
Eppendorf/Harvestehude
Turbulenzen in der Nikolaikirche: die Hauptkirche am Klosterstern war kürzlich schon zum zweiten Mal in letzter Zeit Austragungsort einer Großveranstaltung. Das Bezirksamt Hamburg-Nord nutzte das rund 700 Plätze starke Gotteshaus im Nachbarbezirk Eimsbüttel, um über die geplante Flüchtlingsunterkunft Osterfeldstraße zu informieren. Die Brisanz des Themas, sie war bald förmlich mit Händen zu greifen. Schon bei den Vorstellungen der Flüchtlingssituation in Hamburg, der geplanten Unterkunft und den Ideen des Bezirksamtes zur Integration wurden die Referenten teilweise lautstark unterbrochen. Befürchtungen von Anwohnern der geplanten Unterkunft und Verärgerung über den Umgang des Bezirksamtes mit dem Thema machten sich Luft. Insgesamt blieb die Atmosphäre der Veranstaltung zwar sachlich. Sie drohte aber das eine oder andere Mal aus dem Ruder zu laufen. Der Diskussionsleiterin Yvonne Nische, Dezernentin für Soziales, Jugend und Gesundheit in Hamburg-Nord, gelang es aber immer wieder, erhitzte Gemüter zu beruhigen. Gestritten wurde über den Begriff Großsiedlung, für die Behördenvertreter Wohnviertel wie Steilshoop, Mümmelmannsberg oder Neuallermöhe, für die Initiative Eppendorf/Lokstedt – Integration statt Großsiedlung ein Quartier wie das geplante an der Osterfeldstraße. Über dessen Belegungsgröße ebenfalls unterschiedliche Vorstellungen herrschten.

Mehr Mut gefordert


Während die Fachleute auf dem Podium mit nicht mehr als 2.400 Bewohnern rechnen, sprachen die Mitglieder der Initiative beharrlich von 3.000 Flüchtlingen. Bezirksamtsleiter Harald Rösler führte aus, dass alle Möglichkeiten einer kleineren Unterbringungslösung untersucht würden und schon größtenteils aus verschiedenen Gründen nicht für gut befunden wurden, was von so manchen Diskussionsteilnehmern anders gesehen wurde. Viele Anwohner sehen in der geplanten Unterkunft ein Sicherheitsproblem. Dazu berichtete ein Beamter des Polizeikommissariats Troplowitzstraße: rund um die bestehenden Unterkünfte westlich von Eppendorf gäbe es keine auffällige Kriminalität. Neben Kritik an der geplanten Flüchtlingsunterkunft, gab es auch Zustimmung. Marthe Friedrichs von „Wir sind Eppendorf“ forderte die Kritiker auf, mit Mut und Selbstvertrauen auf die künftigen Neueppendorfer zuzugehen: „Eine erfolgreiche Integration hängt davon ab, wie viele Menschen bereit sind, aufeinander zu zu gehen.“ Andere sehen sich in der Pflicht, gerade als begünstigte Eppendorfer etwas für die Flüchtlinge zu tun.
Das Kulturhaus Eppendorf bot sich als Treffpunkt für alle Eppendorfer an, um einmal im Monat Detailfragen zur Flüchtlingsunterkunft zu besprechen. Ihr Leiter Klaus Kolb begrüßt die Unterkunft, hat aber auch viele kritische Fragen zu diesem Thema. Die Forderung nach sozialem Wohnraum auf Dauer in den „Expresswohnungen“ für die Flüchtlinge an der Osterfeldstraße wurde abgelehnt. Der Investor, der die Wohnungen nach 15 Jahren frei vermieten oder verkaufen kann, braucht dann auf keine Sozialbindung Rücksicht nehmen. Seine Sozialverpflichtung sind die Flüchtlinge jetzt. Das klare Signal der Verwaltung: die Wohnungen werden so gebaut, wie mit dem Investor geplant. Aber, so Yvonne Nische: „Wir möchten mit Ihnen im Dialog bleiben. Es gibt viel zu tun.“
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