Urban Gardening auch ohne Moos

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Berufsorientierung beim „Urban Gardening“: Leoni, Svenja und Jocelyn (v.l.), angeleitet von Lehrer Tobias Malzahn, Edith Aufdembrinke und Garten- und Landschaftsplanerin Astrid Bosslemann-Mohr (r.)Foto: Hanke

Fraktionen lehnen Honorarzuschuss ab / Edith Aufdembrinke macht aber weiter

Eppendorf. Helle Aufregung in der Bezirksversammlung um ein kleines mit bürgerlichem Engagement getragenes Projekt: Das „Urban Gardening“ an der Meenkwiese soll trotz in Aussicht gestellter Finanzhilfe nun doch keine Sondermittel vom Bezirk erhalten. Die Projektverantwortliche Edith Aufdembrinke glaubt, dass ihr der Zuschuss gezielt verwehrt wurde. Das städtische Gärtnern für Jedermann soll trotzdem weiterlaufen – komplett ehrenamtlich.
Die Politiker argumentierten, dass die Voraussetzungen für den Zuschuss nicht erfüllt seien. „Wir spielen das nicht mit, dass bezirkliche Sondermittel allein für Planungskosten an zwei Damen gehen. Da sind noch nicht einmal die Pflanzen dabei“, sagte Ralf Gronau, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Im Haushaltsausschuss war eine Unterstützung des Projekts mit 5200 Euro durch die Fraktionen SPD, FDP und CDU daher gekippt worden.
„Ich hatte die Information von der Abteilung Stadtgrün, dass die Projektmittel kommen und bin jetzt irritiert“, sagte Edith Aufdem-
brinke. „Hat man denn überhaupt Sinn für Bürgerengagement bei den großen Parteien oder ist das etwas, was nicht erwünscht ist? Der Eindruck nach außen ist ein relativ schlechter“, sagte Aufdembrinke aufgebracht.
„Das ist zweifellos ein sinnvolles Projekt, das Sie geplant haben – und es wirkt weit über die Meenkwiese hinaus, dass Urban Gardening im Bezirk stärker verankert wird“, signalisierte Ulrike Sparr die grundsätzliche Unterstützung der Grünen-Fraktion. Doch im Haushaltsausschuss gebe es „leider“ die Festlegung, dass Sondermittel nicht für Honorare ausgegeben werden. „Man sollte sich flexibel zeigen, auch bei Sondermitteln“, meinte Grünen-Fraktionsvorsitzender Michael Werner-Boelz.
„Mit dem Projekt sollen Jugendliche an die Gestaltung des Gartens herangeführt werden, und die Verantwortung soll an sie übergeben werden. Um diesen pädagogischen Auftrag zu erfüllen, ist es nötig, dass über einen längeren Zeitraum, von April bis Oktober, Projektmittel fließen“, erklärte Rachid Messaoudi für die Linke, die den Zuschuss beantragt hatte. „Bei dem Projekt haben die Kinder die Möglichkeit, so viel zu lernen, und zum Stadtgrün eine Beziehung aufzubauen, dafür zu sorgen – das ist etwas, das uns allen nützt“, sagte der Linken-Abgeordnete. Messaoudi appellierte an die SPD-Fraktion, die Mittel freizugeben und damit „auch gegen die Bezirksamtsleitung zu entscheiden“.
Doch bei der Ablehnung blieb es. Edith Aufdembrinke hat dafür nur eine Erklärung: „Es ist mein Projekt, und deshalb wird es abgelehnt.“ Das sah Zuschauer Götz von Grone genauso und tat das vom Plenum aus lautstark kund. Von Grone ist ebenso wie Edith Aufdembrinke in der Bürgerinitiative „Wir für Eppendorf“ engagiert, die sich gegen die Vernichtung günstigen Wohnraums im Quartier wendet. Als Sprecherin der Initiative ist der Name Edith Aufdembrinke in den bezirklichen Gremien vor allem mit „Wir für Eppendorf“ verbunden.
Trotz der hellen Aufregung, die kurz zuvor noch in der Bezirksversammlung um das Projekt geherrscht hatte, ging es vorige Woche an der Meenkwiese gleich wieder tatkräftig zur Sache. Edith Aufdembrinke steckte zusammen mit Schülern die Hände in die Erde. Entlang der Mauer zum Wasser pflanzten sie und weitere Stadtgärtner mit fünf Schülerinnen und Schüler der Handelsschule Kellinghusenstraße und deren Lehrer Tobias Malzahn Farne, Gräser und Staudenpflanzen. Bald werden auch Blumen, Kräuter und Kamille für einen Bauern-, einen Küchen- und eine Medizingarten gepflanzt.
Die Elftklässler, die hier entkrauteten, umgruben, pflanzten und säten, machten all dies im Rahmen der Ausbildungsvorbereitung. „Sie orientieren sich für das Berufsleben, lernen hier das Gärtnern kennen“, erläuterte Tobias Malzahn. (ag/ch)
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