Verdienstkreuz am Bande für Gudrun Halbrock

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Bundespräsident Joachim Gauck überreichte Gudrun Halbrock am Donnerstag das Verdienstkreuz.
 
Gudrun Halbrock arbeitet mit 86 Jahren noch Vollzeit. Foto: Hanke

Eppendorferin engagiert sich schon jahrelang ehrenamtlich für Kinder

Eppendorf. Für ihr ehrenamtliches Wirken um das Wohl der Kinder wurde die Eppendorfer Psychologin und pensionierte Lehrerin Gudrun Halbrock vergangene Woche von Bundespräsident Joachim Gauck als eine von 33 Geehrten mit dem Verdientskreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die 86-Jährige setzt sich seit vielen Jahren für einen respektvollen Umgang mit Kindern ein. Sie gründete 2002 die „Gudrun-Halbrock-Stiftung zum Wohle des Kindes“, die Projekte in diesem Sinne fördert.
Gudrun Halbrock war 34 Jahre lang als Lehrerin in Berufs- und Fachschulen tätig. Als sie dann in Heimschulen an der Feuerbergstraße und in Maschen die dort lebenden Jugendlichen unterrichtete, stellte sie große Mängel im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern fest. „Es war eine schwere Zeit. Schüler zündeten im Klassenzimmer die Vorhänge an. Die Heime konnten mit den Kindern und Jugendlichen nicht umgehen“, erzählt Gudrun Halbrock dem WochenBlatt. Deshalb beschloss die Lehrerin mit 50 Jahren Psychologie zu studieren.
Mit Mitteln, die sie als allein erziehende Mutter einer jugendlichen Tochter bekam, konnte sie eine Auszeit vom Lehrerjob finanzieren. Gudrun Halbrock begeisterte sich für die Konzepte von Alfred Adler und Rudolf Dreikurs, die bereits vor 100 Jahren respektvolle Erziehungsmethoden für eine demokratische Gesellschaft entworfen hatten. „Ich habe sehr unter einer autoritären Erziehung gelitten“, erzählt die Eppendorfer Psychologin. In einem sehr frommen christlichen Elternhaus vermisste die kleine Gudrun Chancen zur Selbstentfaltung. Sie wollte es besser machen, Kinder in ihren Fähigkeiten respektieren. Sie wurde Berufsschullehrerin, machte viele Praktika, konnte dadurch 18 Fächer unterrichten. „Das hilft mir jetzt sehr in meiner Tätigkeit als Psychotherapeutin“, erzählt Gudrun Halbrock. Noch nach ihrer Pensionierung mit 62 Jahren ließ sie sich für diese Tätigkeit ausbilden.
Im Mittelpunkt aller ihrer Aktivitäten standen und stehen dabei immer die Kinder. Deshalb setzt sich Gudrun Halbrock auch für die Ausbildung und für Training von allen Menschen ein, die mit Kindern zu tun haben. „Erziehung muss gelernt werden“, lautet ihr Credo. In verschiedenen Institutionen, zum Beispiel im Verband alleinerziehender Mütter und Väter, den sie als stellvertretende Vorsitzende 1968 mitgegründet hat, setzt sie sich für Elterntraining, für Seminare und Kurse in Sachen Erziehung ein. Immer mit dem Ziel eines respektvollen Umgangs mit Kindern. „Wir müssen die Kinder für die Gesellschaft gewinnen“, lautet eines ihrer wichtigsten Ziele. Das bedeutet auch, ihnen Grenzen zu setzen und Konsequenzen aufzuzeigen.

Sich einmischen

Daran mangelt es heute, hat Gudrun Halbrock festgestellt, und ganz besonders in ihrer unmittelbaren Umgebung. „Eppendorfer Kinder sind Wohlstands verwahrlost“, hat sie beobachtet. Sie machen zum Teil mit ihren Erziehungsberechtigten, was sie wollen. Das fällt der Psychologin insbesondere in den Eppendorfer Parks immer wieder auf. Erziehung hat etwas mit Einmischen zu tun, findet sie. Im Gegensatz zu den letzten beiden Bundsfamilienministerinnen, denen sie vorschlug, die Vergabe von Elterngeld an den Besuch von Elterntrainingskursen zu koppeln. Die Damen von der Leyen und Schröder lehnten mit der Begründung ab, man wolle sich nicht in die Erziehung einmischen. „Aber wo bleibt das Recht der Kinder auf kompetente Erziehung?“, empört sich Gudrun Halbrock. Mit ihrer psychotherapeutischen Arbeit hofft die Eppendorfer Psychologin rechtzeitig autoritäre Erziehungsmethoden zu verhindern. Ihre Klienten sind fast ausschließlich Eltern, Kinder und Jugendliche. Sie empfiehlt allen Eltern, die Probleme mit ihren Kindern haben, einen Familienrat einzuführen, in dem der Vorsitz paritätisch wechselt. „Kinder, die in ihrer Kindheit Gemeinsinn entwickeln, werden nicht korrupt“, glaubt die Psychologin.

Noch immer aktiv

Auch mit 86 Jahren arbeitet Gudrun Halbrock als Psychotherapeutin. Ihre Arbeit hat sie allerdings etwas eingeschränkt. Statt drei Klienten, behandelt sie nur noch zwei pro Vor-
und Nachmittag. Dazu kommen aber unverändert Eingaben, Sitzungen und das Schreiben von Büchern. Da bleibt nach wie vor nur wenig Zeit für Hobbys und Entspannung wie Musik hören, Fahrradfahren und Laufen.
Das Skilaufen hat Gurdrun Halbrock kürzlich aufgegeben. Aber sie läuft noch immer, gern vom Jungfernstieg bis nach
Eppendorf. (ch)
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