Verein „Leben mit Behinderung“ sucht Helfer

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Dicke Freundinnen sind Ulla Hilberoth (l.,56) und Jette Wrobel (72) geworden Foto: Flüß

Die Hamburgerin Jette Wrobel wirbt für mehr Arbeit mit behinderten Menschen

Von Miriam Flüß
Winterhude
Mit viel Begeisterung engagiert sich Jette Wrobel seit zehn Jahren bei Leben mit Behinderung (LMBHH) in Winterhude. Die Rechte und Pflichten des Einsatzes von Jette Wrobel und ihren rund 330 Mitstreitern werden nun durch die Charta Engagementfreundliche Einrichtung (CEE) gewürdigt, die LMBHH-Geschäftsführer Stephan Peiffer als Erstunterzeichner mit auf den Weg gebracht hat. „Ein bisschen was kann ich ja zurückgeben, dachte ich mir“, erzählt Jette Wrobel. Seit mehr als zehn Jahren ist die 72-jährige Barmbekerin ehrenamtlich in der Tagesstätte von Leben mit Behinderung am Südring engagiert: „Ich habe selbst eine behinderte Tochter, die immer sehr gut versorgt wurde. Im sozialen Bereich habe ich allerdings nie gearbeitet.“ Dass sich aus dem eher pragmatischen Entschluss auf dem Stadtpark-Spaziergang, aufgrund des kurzen Anfahrtsweges einmal im Südring vorbeizuschauen, eine intensive Freundschaft entwickeln würde, hätte Wrobel nicht gedacht. Einmal wöchentlich besucht sie Ulla Hilberoth in der Tagesstätte am Südring, unternimmt mit ihr Spaziergänge, geht schwimmen, ins Kino oder bei schlechtem Wetter ins Einkaufszentrum. „Dann kann jede da gucken, wo sie gucken will“, sagt Wrobel über ihre unterschiedlichen Schaufenster-Interessen. Ulla Hilberoth nickt begeistert. Die 56-Jährige kann nicht sprechen, die beiden Frauen verstehen sich dennoch blendend. In der Tagesstätte bügelt Hilberoth Papier für die Produktion von handgeschöpften Karten. Die verkauft Wrobel unter anderem auf dem Weihnachtsmarkt im Museum der Arbeit: „Durch mein Ehrenamt habe ich auch mein Verkaufstalent entdeckt“, sagt die ehemalige Sekretärin eines Versicherungsmathematikers. Und weiter: „Als Ehrenamtliche bin ich hier mit offenen Armen empfangen worden. Wir Freiwilligen dürfen auch an spannenden Fortbildungen teilnehmen.“ Der respektvolle und wertschätzende Umgang mit Menschen, die sich freiwillig in einer Einrichtung oder Institution engagieren, ist ein Anliegen der Charta. „Die Freiwilligen sind bei uns keine Hilfskräfte sondern ein großer Gewinn“, betont LMBHH-Geschäftsführer Stephan Peiffer.

Freiwillige gesucht


Den beruflich Mitarbeitenden wiederum soll die CEE durch klare Abgrenzungen und – bei entsprechender Größe – einen Freiwilligenkoordinator Ängste um den eigenen Arbeitsplatz nehmen. Peiffer freut es deshalb besonders, dass auch der Betriebsrat die Charta sofort unterschrieb. Aber auch die Versicherung der Freiwilligen oder Vereinbarungen über Kosten- und Auslagenerstattungen sollte eine Engagementfreundliche Einrichtung explizit regeln. Für Stephan Peiffer ist es ganz wichtig, dass die Ehrenamtlichen seinen Klienten einen „Kontakt in die Gesellschaft bieten.“ In den meisten Fällen würden diese von der Wohngruppe direkt in die Tagesstätte gebracht, sodass sie im Alltag kaum Begegnungen mit Handwerkern, Kaufleuten oder anderen Menschen außerhalb ihres Umfeldes hätten. „Wenn ich mit Ulla einmal im Monat in die Therme vom Holthusenbad gehe und sehe, wie selig sie ist, weiß ich, warum ich das mache“, resümiert Jette Wrobel. Aber klar ist für die resolute Barmbekerin auch: „Was ich freiwillig mache, muss Spaß machen!“ Umso bedauerlicher findet sie es, „dass viele Leute immer noch Hemmschwellen gegenüber Menschen mit Behinderung haben.“ „Leben mit Behinderung“ sucht insbesondere im Bereich Freizeitaktivitäten und Kulturveranstaltungen noch Freiwillige, die Menschen mit Behinderungen in Wohngruppen beim Einkaufen, zum Kaffeetrinken, ins Kino oder zu weiteren Aktivitäten begleiten. Wer mehr über die Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements bei LMBHH wissen möchte, kann den nächsten Informationsabend für Freiwillige am Dienstag, 25. Oktober, um 18 Uhr im Südring 36 besuchen.

Weitere Infos: Verein „Leben mit Behinderung“oder bei Frank Nestler unter Telefon 412 630 033
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