Vergewaltiger bereit zu Therapie

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Frank W.

Frank W. nach Tat in Alsterdorf zu 7,5 Jahren Gefängnis verurteilt

Winterhude/Alsterdorf. Er ist 46 Jahre alt. Davon saß er bereits 21 Jahre im Gefängnis. Jetzt muss Frank W. erneut für siebeneinhalb Jahre hinter Gitter. So lautet das Urteil des Hamburger Landgerichts gegen den ehemalige Hinz&Kunzt-Verkäufer vom Mühlenkamp in Winterhude. Seine Strafe für eine besonders schwere Vergewaltigung, schweren Raub, Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Frank W., der bei einer Freundin in Alsterdorf wohnte, hatte am Morgen des 15. September 2012 seine 58jährige Nachbarin überfallen, gefesselt und vergewaltigt. Nach der Vergewaltigung raubte er ihre Brieftasche. Seine Freundin war zu der Zeit auf Wellnessurlaub.
„Dank des umfangreichen Geständnisses des Angeklagten konnten wir die für das Opfer schreckliche, verstörende und bis heute nachwirkende Tat bis ins kleinste Detail rekonstruieren. Verstehen aber kann man die Tat nicht. Auf die Frage nach dem Warum konnte keine Erklärung gefunden werden“, so die Vorsitzende Richterin Astrid Roderjan in der Urteilsbegründung. Frank W., im Bayerischen Wald aufgewachsen, hatte sich nach den vielen Straftaten eigentlich gefangen. Er war beliebt, hatte viele Freunde und verdiente am Mühlenkamp durch den Verkauf der Obdachlosenzeitung und die Trinkgelder von älteren Leuten, denen er die Einkaufstaschen schleppte, bis zu 2000 Euro im Monat. Der intelligente Hinz & Kunzt-Verkäufer hatte studiert, ein Studium der Religionspädagogik mit „sehr gut“ abgeschlossen. Während seine Freundin verreist war, hatte Frank W. in ihrer Wohnung Pornofilme mit Fesselspielen angesehen. Außerdem habe er Drogen genommen, sagte er dem Gericht. „Die Tat ist passiert wegen der Drogen und der Pornofilme. Sonst macht man doch so was nicht“, versuchte der Angeklagte die Tat zu erklären.
Nach der Tat floh Frank W. mit einem Fahrrad über die Niederlande und Frankreich nach Spanien. Dort begab er sich „zur Buße“ auf den Jakobsweg. Nachdem er 16 Stationen mit dem Pilgerbuch abgelaufen hatte, wurde er von der spanischen Polizei festgenommen und nach Hamburg ausgeliefert.
Die Vergewaltigung war Frank W.s erstes Sexualdelikt. Das Rückfallrisiko, dass er erneut ein Sexverbrechen begehen könnte, liegt bei zwölf Prozent, so ein Gutachter. Das Gericht sah deshalb keinen Grund, Sicherungsverwahrung anzuordnen. Während der Haftzeit will sich Frank W. auf eigenen Wunsch therapeutisch behandeln lassen. (je)
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