Verkehr Hamburg: Mit der Fähre ins Büro

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Romantischer Arbeitsweg: Die CDU möchte eine Linienverbindung auf der Alster einrichten Foto: ch
 
Mathias Kruse betreibt das Dampfschiff St. Georg Foto: ch

CDU will mit Alsterschiffen Berufsverkehr entlasten. SPD lehnt Idee als zu „unwirtschaftlich“ ab

Von Christian Hanke
Hamburg
Die CDU Hamburg-Nord lässt nicht locker. Seit Jahren setzen sich die Nord-Christdemokraten für einen Linienverkehr der Alsterschifffahrt zum normalen HVV-Tarif ein – so wie er bis 1983 bestand. Im Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Nord beantragte die CDU kürzlich auf der Strecke Mühlenkamp-Jungfernstieg im morgendlichen Berufsverkehr für zwei Jahre Fahrten der Alsterschiffe zum HVV-Normaltarif als Pilotprojekt einzurichten. Der Antrag wurde, wie bisher alle CDU-Vorstöße in Richtung Alsterschifffahrt zum Normaltarif, von der rot-grünen Mehrheit in der Bezirksversammlung abgelehnt. Im Rahmen ihres Antrags hat die CDU aber eine öffentliche Anhörung bis zum 31. Januar 2017 zu diesem Thema durchgesetzt. Das kann eine Fraktion auch ohne Mehrheit erreichen.

Busse und Straßen entlasten

Die CDU „möchte damit die morgens vollkommen überfüllten Busse und verstopften Straßen rund um die Alster entlasten“, insbesondere die Metrobuslinie 6, die vom U-Bahnhof Borgweg über Mühlenkamp und Hofweg in die City verkehrt. Uhlenhorst und Winterhude seien, so die CDU, „aufgrund ihrer Lage an der Außenalster an einigen Stellen nur unzureichend durch Bahnen und Busse angeschlossen“. Als Vorteile der Alsterschiffe sehen die Christdemokraten neben „zusätzlichen Kapazitäten im morgendlichen Berufsverkehr“ unter anderem, dass Verspätungen so gut wie nie vorkämen, es keine Konflikte mit dem Individualverkehr gäbe, die Umweltbilanz eines Alsterschiffes deutlich besser sei als bei anderen Verkehrsmitteln und dass die Schiffe als „deutlich angenehmer“ empfunden würden als Busse.

Senat lehnt ab

Aus der Antwort auf eine schriftliche kleine Anfrage der SPD-Bürgerschaftsfraktion zu diesem Thema geht hervor, dass der Senat eine Wiederaufnahme des Alsterschifffahrtsbetriebs zum HVV-Normaltarif ablehnt. Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Der Senat bezweifelt, dass ein Linienverkehr auf der Alster auf große Akzeptanz stoßen würde. Weniger als zehn Prozent der Kosten des Betriebes, so schätzt der Senat, könnten durch die Einnahmen gedeckt werden. So war es 1983. Der Hauptgrund: Busse sind, so unbequem sie sein mögen, schneller als die Schiffe und verkehren häufiger. Der Metrobus 6 braucht laut Fahrplan 14 Minuten vom Mühlenkamp zum Rathausmarkt und verkehrt im morgendlichen Berufsverkehr alle drei bis vier Minuten. Ein Alsterschiff würde auf den beiden Strecken, die die CDU vorschlägt, 20 Minuten benötigen. Das Pilotprojekt sieht Schiffe ab Mühlenkamp im 10-Minuten-Takt vor. Die CDU hält allerdings staubedingt eine Fahrzeit des 6er Busses von 24 Minuten für die Strecke Mühlenkamp-Rathausmarkt für realistisch.

Nicht barrierefrei

Der Senat sieht auch in der nicht ausreichenden Anzahl der Alsterschiffe, derzeit 18, für einen Linienbetrieb mit ansprechender Taktung einen Grund für die Beibehaltung der nur touristischen Nutzung der Schiffe zu höheren Preisen als HVV-Normaltarif. Neue Schiffe müssten für rund 1,5 Millionen Euro pro Schiff angeschafft werden. Auch könnte es Probleme im Winter geben: mit längeren witterungsbedingten Betriebseinstellungen sei zu rechnen. Schließlich hätten behinderte Menschen Probleme. Nur sieben der 18 Alsterschiffe sind barrierefrei. Nicht barrierefrei sind auch die Zugänge zu vier Anlegern, darunter der Anleger Mühlenkamp.

Nicht wirtschaftlich

Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion und früherer Abgeordneter der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, findet die Idee, den Linienverkehr auf der Alster zum HVV-Normaltarif wiederzubeleben, zwar „charmant“, lehnt ihn aber aus den schon erwähnten wirtschaftlichen Gründen ab. „Morgens will man schnell zur Arbeit. Außerdem könnten nur die Menschen, die im Umfeld der Anleger Mühlenkamp und Mundsburger Brücke wohnen, die Alsterschiffe ohne Umsteigen nutzen. Da ist der Bus trotz Staus besser“, argumentiert Bill.

ÖPNV nie kostendeckend

Einen Linienverkehr zum HVV-Normaltarif würde Mathias Kruse, der Vorsitzende des Vereins Alsterdampfschifffahrt begrüßen, der den Dampfer „St. Georg“ auf der Alster betreibt. Er konterte schon vor drei Jahren das wirtschaftliche Argument des Senats mit der Bemerkung: „ÖPNV ist nie kostendeckend“. Die 10-Prozent-Kostendeckung bei Alsterschiffen zum Normaltarif findet die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Dorothee Martin allerdings doch zu gering. Zu 90 Prozent, so Martin, würden die einzelnen Verkehrsarten des HVV ihre Kosten durch Einnahmen abdecken. Die CDU möchte zur Anhörung Vertreter des Senats, des HVV und des HVV-Fahrgastbeirates sowie Mitglieder der in Winterhude und Uhlenhorst tätigen Bürgervereine einladen.
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1 Kommentar
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Brigitte Röper aus Winterhude | 03.01.2017 | 20:07  
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