Verkehrschaos Winterhude

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Ein wahres „Somnerloch“: An der Sierichstraße werden aufwändige Sanierungsarbeiten durchgeführt.Fotos: Haas

Vollsperrungen in Winterhude sorgen für Chaos - doch es gibt auch Vorteile

Von Waltraut Haas
Winterhude. Nichts geht mehr in den Straßen der näheren Umgebung – seit der Vollsperrung der nördlichen Sierichstraße.
Die Nerven seien andauernd strapaziert, berichtet eine Anwohnerin, die sich gerade eine kleine Auszeit beim Latte Macchiato gönnt. Aber manche Autofahrer bringen sie auch jetzt richtig in Rage. Und bei denen liegen auch die Nerven blank, wenn sie trotz der Absperrung den Poelchaukamp befahren, nur um dann kaum wenden zu können. Dazu kommen Lieferfahrzeuge, die vor den Geschäften halten müssen.
Und täglich dann das, in sämtlichen Seitenstraßen: „Eine riesige Blechlawine steht mit laufenden Motoren vor unseren Häusern, kommt kaum vorwärts, lärmt, hupt und verpestet die Luft.“ Die Dame ist sichtlich genervt, auch wegen mancher Verzweiflungstat von Anwohnern, die ihr Auto einfach in der zweiten Reihe parken, was den stockenden Verkehr noch mehr aufstaut. „Nein, bitte kein Foto! Was mich am meisten ärgert,“ so fährt sie fort, „es fehlt einfach eine anständige Ausschilderung für eine großräumige Umleitung. Es bringt doch rein gar nichts, ausgerechnet hier durchzufahren, denn der ganze Berufsverkehr bleibt ja doch nur stecken.“
Der tägliche Dauerstau herrscht oft bis spät abends, so in der Dorotheenstraße oder in der Gellertstraße, hier noch verschärft wegen des Halteverbots an privaten Baustellen. Friseurmeister Stefan Reitenbusch schaut während einer kleinen Arbeitspause vor seinem Salon zu, wie sich gerade wieder der Feierabendstau an der Dorotheenstraße aufbaut. „Die Leute hier sind richtig gereizt.“ bestätigt er, selber jedoch ganz entspannt: Er kann zu Fuß zur Arbeit gehen. „Diese Baustellen müsste man eigentlich hinnehmen so wie das Wetter. Man sollte sich einfach besser darauf einstellen.“ sagt Reitenbusch salomonisch. Freie Fahrt am 9. August? Von wegen!
Ob hanseatische Langmut über den ganzen Ärger hinweghilft, wird sich weisen. Denn noch mindestens eine Woche lang setzt sich das Verkehrschaos fort. Schon seit dem 10. Juli ist – wie berichtet – die nördliche Sierichstraße zwischen Poelchaukamp und Maria-Louisen-Straße voll gesperrt, nachdem sich an der 1989 erbauten Brücke über den Goldbekkanal ein Krater auf der Fahrbahn gebildet hatte. Das etwa vier Quadratmeter messende „Sommerloch“ war durch Hohlräume entstanden, nachdem der Füllsand aus bisher ungeklärter Ursache ausgespült wurde. Die Hohlräume sind inzwischen verfüllt, zurzeit arbeitet ein Bagger an der Brücke, um sie weiter zu stabilisieren. Der für die Arbeiten zuständige Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) nutzte inzwischen die bestehende Sperrung für weitere Bauarbeiten: Die erste galt der rissigen Asphaltdecke zwischen Poelchaukamp und Andreasstraße. Hier konnten die Asphaltierungsarbeiten in der vergangenen Woche abgeschlossen werden. Während die Arbeiten am Straßenbelag zwischen Krohnskamp und Brücke erst nach Abschluss der Brückenarbeiten beginnen können. Das teilte Pressesprecherin Helma Krstanoski mit und versprach: „Voraussichtlich ab Donnerstag, 9. August fließt der Verkehr dann wieder reibungslos.“
Noch mehr Baustellen und Vollsperrungen
Allerdings gibt es da noch die Sierichstraßen-Baustelle Nummer 2 vom „Projekt Winterhuder Brücken“ der Hamburger Hochbahn, die sämtliche U-Bahnbrücken in Winterhude erneuert und deshalb im U3-Streckenabschnitt zwischen Kellinghusenstraße und Saarlandstraße derzeit auf Ersatz-Busse ausweicht. Bislang wird der Autoverkehr an der Hochbahnbrücke in der nördlichen Sierichstraße auf eine Fahrspur verengt. Während die Vollsperrung an der Brücke Saarlandstraße schon am vergangenen Wochenende erfolgte, kommt an der Sierichstraße wegen des Einhubs der neuen U-Bahnbrücke gleich die nächste Vollsperrung: vom Freitag, 10. August ab 20 Uhr bis Montag, 13. August, 5 Uhr. Da wiegt die dritte Baustelle an der Barmbeker Straße zwischen Goldbekufer und Semperstraße in der Verantwortung von Hamburg Wasser deutlich weniger: Wegen Sielbauarbeiten gibt es hier eine Verengung auf jeweils eine Fahrspur bis voraussichtlich 28. August. Fehlt noch die Dauerbaustelle an der Deelbögenbrücke: Vollsperrung am Freitag, 24. August, 20 Uhr bis Montag 27. 8., 5 Uhr. Und zwei Wochen später: die nächste Sperrung. (wh)
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