Verkehr(t) in Winterhude

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Ein Radfahrer kreuzt den Mühlenkamp. Die neue Verkehrsführung ist für viele nicht eindeutig
 
Der neue Radstreifen ist zugeparkt

Der Mühlenkamp, Hamburgs Verkehrsübungsplatz in Bestlage, im Praxistest

Hamburg. Rund 1,5 Millionen Euro hat der Spaß gekostet, der angeblich unbedingt nötig war. Für die Schnelligkeit der Busse. Sonst hätte man die Linien auf die Barmbeker Straße verlegen müssen, hatte Hochbahn-Chef Elste gedroht. Schade, dass es dazu nicht gekommen ist, sieht man jetzt das seltsame Ergebnis der Baumaßnahmen am Mühlenkamp. Die neue Verkehrsführung für Rad- und Autofahrer fiel im Praxistest der Wochenblatt-Reporter per Rad und Auto jedenfalls glatt durch.

Der Rad-Reporter

Es ist ein bunter Mix verschiedenster Verkehrsregeln, der sich am Mühlenkamp zu einer Straßen-Melange mischt. Am Ende kann sich keiner mehr sicher sein – vor allem die Radfahrer nicht.
Die roten Fahrradstraßen kann nun eigentlich keiner übersehen. Aber die Autos – von Kunden diverser Coffeshops ? – parken an diesem Donnerstagnachmittag den roten Streifen auf einer Länge von mehr als hundert Metern zu. Bleibt mir als Radreporter nur, den für Autos vorgesehenen Straßenbereich zu nutzen.
Noch schwieriger ist das Abbiegen: An jeder Kreuzung gibt es andere Regeln. An der Ecke Mühlenkamp/Preystraße könnten Fahrradfahrer meinen, dass sie hier eine eigene Fahrspur haben. Ein Irrtum, auf den man schnell per Hupe hingewiesen wird.
Zurück auf dem Mühlenkamp wird das Linksabbiegen in die Gertigstraße zum weiteren Kunststück. Radler können hier an der Kreuzung im eigenen Linksabbieger noch kurz verschnaufen. Sobald die Ampel aber Grün zeigt, muss man im Slalom durch die Lücken im Gegenverkehr und um zwei Verkehrsinseln herumfahren. So richtig durchdacht wirkt das Verkehrskonzept am Mühlenkamp nicht. Eher wie ein Kompromiss, der aber nicht überzeugt. Die Bürger-Initiative hat inzwischen einen Brandbrief an die Bürgerschaft geschrieben, nachdem Sprecher Bernd Kroll beinahe von einem Bus angefahren worden war. Kroll war mit dem Rad unterwegs... (mdt)

Die Autofahrerin

Orangefarbene Pömpel, deren Bedeutung nicht in der Fahrschule gelehrt wurde, dicht an dicht gesetzten Linien und Pfeile, Radwege in sattem Rot: Playmobil lässt an dieser Ecke Hamburgs grüßen, nur wollen die hier nicht nur spielen. Diese Verkehrsführung ist ernst gemeint, mit Tendenz zur Überforderung der Beteiligten.
Als Autofahrer war man früher klar der Stärkere. Das mag nicht gut gewesen sein. Doch die Hinwendung zum Rad führt an diesem Freitagnachmittag dazu, dass Radfahrer zu zweit nebeneinander auf den schmalen Radstraßen sausen, es wird überholt, ohne dass auf Autos oder gar Busse geachtet wird. Fußgänger sind im Slalom unterwegs, sie sind das letzte Glied der Kette. Autofahrer sind in der Defensive und teilweise verwirrt: Ein Kleinwagenfahrer hat die Bedeutung der Rad-Linksabbiegerspur vom Mühlenkamp Richtung Gertigstraße fälschlicherweise auf sich bezogen, sein Linksabbiegeversuch wird von wildem Gehupe der anderen Verkehrsteilnehmer quittiert, bis er seinen Fehler bemerkt und geradeausfährt.
Überhaupt wird viel gehupt in diesen Tagen an dieser Kreuzung in Bestlage. Wer von der Gertigstraße Richtung Preystraße autofährt, muss fliegen können, um keinen Verkehrsverstoß zu begehen: Unweigerlich landet auf der Busspur, wer geradeaus fahren will. Weiter oben umgedreht und für die Testfahrt Richtung Hofweg gesteuert. Hoppla, da wendet doch glatt unmittelbar vor der Reporterin ein grüner Kleinlaster per U-Turn, um in Höhe „Weinlust“ auf dem Radfahrstreifen stehen zu bleiben. Davor noch ein UPS-Laster – und schon wird’s noch enger für alle Beteiligten.
Noch ein Abstecher in die Preystraße: Wirklich herrlich ruhig hier... Für Autofahrer bleibt es jedoch überraschend, wenn plötzlich eine Radfahrerin mit Speed entgegenkommt!
Unklar bleibt die Bedeutung der schmalen Trenninsel am Mittelstreifen vor der Kreuzung Gertigstraße/Mühlenkamp und die Baubake zwischen den Pömpeln der Verkehrsinsel.
Fazit nach einer halben Stunde Testfahrt im Auto: Riskante Situationen durch Unübersichtlichkeit. Aufatmen bei Verlassen dieses Schelmenstücks deutscher Verkehrsplanung. (sta)
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2 Kommentare
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Roger ogt aus St. Georg | 02.07.2015 | 12:07  
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Klaus Sebaldt aus Barmbek | 02.07.2015 | 20:01  
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