Vom Ehrenamt zum Beruf

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Mit voller Kraft engagiert sich Monika Spielberger aus Eppendorf jetzt am Grellkamp Foto: Haas

Ex-Journalistin arbeitet jetzt als Sozialmanagerin in Flüchtlingsunterkunft

Von Waltraut Haas
Hamburg
Sie gehört zur Generation 50plus und war auf der schwierigen Suche nach einem beruflichen Neuanfang. Weil der auf sich warten ließ, engagierte sich Monika Spielberger ehrenamtlich für Flüchtlinge. Seit einigen Wochen hat die Eppendorferin einen neuen Arbeitsplatz: Jetzt berät sie Flüchtlinge im Sozialmanagement der Erstaufnahme Grellkamp in Langenhorn – „von Amts wegen“. Sie wurde angestellt von fördern & wohnen (f&w). Angesichts eines akuten Personalengpasses für die neuen Unterkünfte beschäftigt der städtische Betrieb auch qualifizierte Quereinsteiger.

Neue Orientierung


Monika Spielberger arbeitete nach dem Studium der Betriebswirtschaft 25 Jahre lang erfolgreich als Wirtschaftsjournalistin. Dann kommt das berufliche Aus, weil sich ihr Verlag anders aufstellt. Die Neuorientierung, die jetzt ansteht, eine „Zeit des Ausprobierens“, kann sie immerhin abfedern durch eine Abfindung des Arbeitsgebers. Die Eppendorferin interessiert sich für den Sozialbereich, absolviert Fortbildungen in systemischer Beratung und engagiert sich ehrenamtlich – zunächst im Kinderhospiz.
Seit Jahresbeginn ist sie aktiv bei der Flüchtlingshilfe Harvestehude, „einer richtig gut strukturierten Initiative“. Mit gleichgesinnten Freiwilligen fördert sie neu ankommende Flüchtlinge in der Erstaufnahme Sportallee, Groß Borstel. Sie bastelt und spielt mit Kindern, entdeckt, wie ruhig und konzentriert die Kleinen mit ihr singen, begleitet von ihrem Spiel auf der Ukulele. Ob in der Frauengruppe oder bei der Einrichtung eines Kultur-Cafés: In allen Bereichen packt Monika Spielberger zusammen mit anderen Ehrenamtlichen an und sieht, wie notwendig qualifizierter Deutschunterricht für alle hier ankommenden Menschen ist. „Mit welcher Gruppe ich mich auch befasste, immer galt es zuerst, überhaupt eine Verständigung zu ermöglichen.“
Da hilft zunächst die Frage nach den Namen und eine Landkarte, um zu zeigen, wer aus welchem Land kommt. Dann werden Tisch und Stuhl, Tasse und Teller mit Zetteln in verschiedenen Sprachen beschriftet. Immer wieder tauchen Fragen auf: Was heißt „verheiratet“? Und warum fällt allen Nationen das deutsche Wort „Geburtstag“ so schwer? Sie freut sich über die enormen Fortschritte, ganz besonders über eine junge Frau aus Eritrea, die nie eine Schule besuchen konnte.
Ihre Erfahrungen aus dem Ehrenamt sind für die neue f&w-Mitarbeiterin überaus hilfreich, wenn sie jetzt beruflich Hilfen für die Bewohner organisiert: Termine für Arztbesuche, Behörden oder beim Jobcenter. Schon über 600 Flüchtlinge sind angekommen, also haben die f&w-Kollegen viel zu tun, während aus den Lehrerzimmern und den Verwaltungsräumen der ehemaligen Schule immer noch weitere Einzelbüros fertiggestellt werden.

Willkommene Hilfe


Da sei der Runde Tisch besonders hilfreich. Inzwischen können ehrenamtliche Helfer in der neu eingerichteten Kleiderkammer schon die reichlich gespendeten Textilien ausgeben. Es gibt eine Kita und der Schulunterricht läuft. Mit großer ehrenamtlicher Unterstützung wird gerade der Deutschunterricht für Erwachsene aufgebaut. „Auch alle weiteren freiwilligen Aktionen sind willkommen, sofern sie von Gruppen gut vorbereitet sind.“ erklärt Monika Spielberger. „Wir haben zum Beispiel eine Schulküche, in der regelmäßig gemeinsam gekocht werden kann. Und wir freuen uns über Nachbarn, die eine Patenschaft übernehmen wollen. Eine dringende Bitte hat Monika Spielberger: Keine Spenden am Eingang der Erstaufnahme zu verteilen. Das ist gut gemeint, hilft aber nicht. „Und niemand soll so zum Betteln erzogen werden.“ (wb)
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 17.10.2015 | 09:32  
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