Vom Hausbesetzer zum Chef des Bürgervereins

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Jenspeter Rosenfeldt setzt sich für seinen Stadtteil ein Foto: Haas

Jenspeter Rosenfeldt im WochenBlatt-Interview über Lieblingsplätze und Visionen

Winterhude. Einstimmig wählten die Mitglieder des Winterhuder Bürgervereins (WBV) kürzlich ihren Vorstand für die kommenden drei Jahre auf ihrer Jahreshauptversammlung. Nach drei Jahren im Amt wurde Jens-
peter Rosenfeldt, 54, bestätigt. Nach 18 aktiven Jahren als zweite Vorsitzende will Ursula Schütt nun als Beisitzerin mitarbeiten. Neuer stellvertretender Vorsitzender wurde Oliver Lay, 45. Welche Ziele verfolgt der WBV? Und welche Sicht hat dessen Vorsitzender?



WB: Was hat sich der WBV 2013 vorgenommen?
Rosenfeldt: In unserem Jahresprogramm spielem kommunalpolitische Themen eine große Rolle. Wir unterstützen den Wohnungsbau in Winterhude, insbesondere das geplante Pergolenviertel. Und wir machen uns stark für Tempo 30 in der Alsterdorfer Straße zwischen Winterhuder Marktplatz und Braamkamp.
WB: Engagiert sich der Verein auch fürs Stadtparkjubiläum 2014?
Rosenfeldt: Der WBV ist dem Stadtpark Verein beigetreten und beteiligt sich an dessen Vorbereitungen und Aktionen. Ich selbst bin Gründungsmitglied im Stadtpark Verein seit 2002.

WB: Wie können Bürgervereine attraktiver für junge Leute werden?
Rosenfeldt: Wir brauchen eben eine gute Mischung der Altersgruppen, der Erfahrungen und Berufe. Der WBV wird zunehmend attraktiv für die Jüngeren, wenn er zum Netzwerk für den Stadtteil wird, sich stark macht für seine Infrastruktur und für seinen Umbau. Die Jüngeren beteiligen sich auch sehr gerne, wenn’s um kommunalpolitische Entscheidungen geht. Etwa, wenn sie fragen: Was kann ich dazu beitragen, um unsere Lebensqualität zu erhöhen? Der WBV bezieht sich ja aufs direkte Umfeld und bietet jede Menge Aufgaben, wie etwa hier die neue Gestaltung des Lattenkamp-Platzes.
WB: Sie sind langjähriger SPD-Politiker. Sehen Sie Ihre Nähe zu Olaf Scholz als Vorteil in Ihrem WBV-Engagement?
Rosenfeldt: Vielleicht, wir kennen uns ja schon seit unserer Juso-Zeit. Aber die Nähe zu den Kommunalpolitikern ist für den WBV doch viel wichtiger. Zudem arbeiten wir hier überparteilich.

WB: Stimmt es, dass Sie mal Hausbesetzer waren?
Rosenfeldt: Ja, das war Mitte der 80er Jahre. Mit einer bunten Schar von Leuten aus dem Viertel besetzten wir ein SAGA-Haus am Knickweg, Ecke Mühlenkamp. Es sollte abgerissen werden. Nach einigen Verhandlungen mit Polizei und Innenbehörde wurde es doch saniert und es steht dort heute noch. Damals war ich überall aktiv – in der Friedensbewegung, gegen die Nazis. Und in einer Initiative gegen die Schließung des Lattenkamp-Freibades und des Stadtparkbades. Immerhin kam es hier zu einem Kompromiss: Das Stadtparkbad blieb, und anstelle des Lattenkamp-Freibads wurden immerhin Sozialwohnungen gebaut.

WB: Haben Sie einen Lieblingsplatz in Winterhude?
Rosenfeldt: Nicht nur einen, es gibt so viele davon, wie etwa den Lattenkamp-Platz, der jetzt umgestaltet werden soll. Dann das Landhaus Walter mit dem Downtown Blues Club oder das Café Sommerterrassen. Und die Wiesen um die Krugkoppelbrücke; dort hielt ich mich oft auf, als ich noch studiert habe. Oder Kampnagel, wo eine so tolle Ecke entstanden ist, ohne Verdrängungseffekte für die Jarrestadt. Deshalb trete ich ja auch entschieden für das Hebebrandquartier ein, denn dort entsteht ein Viertel mit 60 Prozent Sozialwohnungen.

WB: Was wird man im Jahr 2040 über Winterhude sagen?
Rosenfeldt: Das ist ein toller Stadtteil, der so lebendig ist wie früher, der sich seine soziale Mischung bewahren konnte: auch mit dem Schlachter und dem Fischhändler um die Ecke. Und (lächelt) die Altenwohnanlage des WBV in Fiefstücken bleibt mit ihren 28 Wohnungen ein Kleinod – dank der Mittel für barrierefreie Zugänge, die damals 2013 so großzügig bereitgestellt werden konnten.


Zur Person: Aufgewachsen in Haffkrug lebt Jenspeter Rosenfeldt seit 1979 in Hamburg. Nach seinem Studium (Geschichte, Deutsch, Sport und Erziehungswissenschaften) ist er berufstätig in der Wissenschaftsbehörde, inzwischen als Referatsleiter. Politisch engagiert sich der Vater einer Tochter für die SPD in der Kommunal- und Landespolitik, von 2001 bis 2008 war er Bürgerschaftsabgeordneter. In den vergangenen Jahren setzte er sich ein für den Erhalt des Planetariums im Stadtpark und den Lärmschutz für die Güterumgehungsbahn. Er engagiert sich ehrenamtlich als WBV-Vorsitzender und als AWO-Kreisvorsitzender. Verheiratet ist Jenspeter Rosenfeldt mit SPD-Senatorin Jutta Blankau. (wh)

Interview: Waltraut Haas
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