Von Promis und Krimis

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Eine Messerschmitt 109 (hier das Modell) stürzte in Vehlows Heimat Pommern ab. Vor ein paar Jahren hat er sie geborgen Foto: Gehm
 
Auf seinem Schreibtisch parkt das Modell des 500 K Roadster – Streitwert 4,9 Millionen Euro Foto: Gehm

Winterhuder Star-Anwalt Vehlow: Spektakuläre Fälle und ein neues Abenteuer

Von Dagmar Gehm
Winterhude
Die ganze Welt berichtete im Juli 2002 über die tragische Kollision zweier Flugzeuge am Bodensee – den „Crash von Überlingen“ –, bei dem alle Insassen ums Leben kamen. Der Hamburger Anwalt Dr. Wolfgang Vehlow vertrat die Angehörigen der Opfer aus der russischen Tupolew, in der auch 49 Kinder saßen. Ein trauriger Fall, den der heute 80-jährige Jurist in der mentalen Ablage nie einfach so ad acta legen konnte.
Auch wenn weitere spektakuläre Prozesse folgten. In die Schlagzeilen geriet 2013 ein verschollener Oldtimer, der dem Unternehmer Hans Friedrich Prym in den Kriegswirren abhanden gekommen und nach einer 68 Jahre langen Odyssee über die USA wieder in Deutschland aufgetaucht war. Vehlow prozessierte für einen niederländischen Oldtimer-Sammler, letzter Besitzer des Mercedes K 500 Roadster. Bei einem Streitwert von 4,9 Millionen Euro einigte man sich schließlich auf zwei Drittel für die Prym-Erben.

„Als zehnjähriger Junge habe ich von meinem Elternhaus in Stolp, dem polnischen Slupsk, den Absturz erlebt. Seitdem hat mich das Bild verfolgt.“ Dr. Wolfgang Vehlow

Als verschollen galt auch die Messerschmitt (Me) 109, die 1945 über Pommern abgestürzt war. Mit einem Suchtrupp macht sich der Staranwalt auf den Weg, findet sie und lässt sie ausheben: „Als zehnjähriger Junge habe ich von meinem Elternhaus in Stolp, dem polnischen Slupsk, den Absturz erlebt. Seitdem hat mich das Bild verfolgt“. Endlich kann er damit abschließen. Endlich kommen auch die Angehörigen der Insassen des abgestürzten Jagdfliegers zur Ruhe.
Immer wieder Flugzeuge. Das erste Mal 1971, als er den Piloten vertrat, der mit einer Chartermaschine auf der A7 eine Notlandung hinlegte, die 22 von 115 Passagieren nicht überlebten. „Der Pilot hatte nur 68 Sekunden Zeit für die Entscheidung, abzustürzen oder auf der Autobahn zu landen. In dieser Minute hat er graue Haare bekommen“, erinnert sich Vehlow.
Vom katholischen Priester mit Verdacht auf Missbrauch bis zum vergifteten Spion – die Bandbreite aufsehenerregender Fälle ist groß, die Zahl der Promis, die in der Kanzlei in der Sierichstraße ein- und ausgehen, auch. Die Ehefrau von Dmitri Kowtun zum Beispiel, der in den Mordfall des KGB-Agent Litwinenko verwickelt war. Dieter Bohlen und Jens Riewa, die als Zeugen aussagten. Oder Schauspielerin Anna Maria Kaufmann, die eine halbe Million Schulden zahlen musste und sich später noch von Vehlow scheiden ließ. „Rund 1000 Scheidungen waren es insgesamt“, sagt Vehlow. Und viele Katastrophen zur Luft und zu Land. Das Hallenunglück in Kattowitz mit 69 Toten, der Busunfall am Schöneberger Kreuz. Sie alle meistert der Jurist und leidenschaftliche Tennisspieler mit Hilfe seiner Büroleiterin Rita Kasimir, die ihn schon seit 1972 unterstützt. „Ich habe viel in all den Jahren erlebt“, sagt die treue Mitarbeiterin. „Besonders in Ehesachen.“ Eine so ungewöhnlich lange Zusammenarbeit ist laut Rita Kasimir aber nur möglich, wenn man Beruf und Privatleben strikt trennt.

Auf Schatzsuche


Ein Leben zwischen Politkrimi und Prominenz. Und jetzt der nächste Coup: ein Schatz. Versteckt von einem „sehr reichen Mann“ irgendwo in einem Haus in Polen. Eine Hamburgerin hat ihn mit der Suche betraut. Es verspricht mal wieder, spannend zu werden. Ausgerüstet mit Lageplan, den der Großvater der Mandantin hinterlassen hat, ausgerüstet auch mit den notwendigen Mitteln, um den Schatz von den neuen Hausbesitzern freizukaufen, wird sich der Mann, der nie aufgibt, schon bald in sein nächstes Abenteuer stürzen.
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