Was bleibt vom Charme des Hotels Reichshof in Hamburg?

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Die denkmalgeschützte Fassade des Reichshofs an der Kirchenallee
 
Dieses rund 100 Jahre alte Bowle-Gefäß gehört zum Hotelsilber

Kulturbehörde: „Planungen zeigen sensiblen Umgang mit Bau und Ausstattung“

Hamburg. Als das Hotel Reichshof 1910 von Anton-Emil Langer (1864 – 1928) eröffnet wurde, war es das größte Hotel Deutschlands. Bis heute besticht es durch Top-Lage und eine besondere Atmosphäre. 1989 wurde es von Maritim-Gruppe übernommen. Doch inzwischen ist der Renovierungsstau groß und so wird Maritim den Betrieb dort mit seinen mehr als 300 Zimmern Ende Mai einstellen.
Hoteldirektor Ralf Adamcyk (46) nimmt nach sechs Jahren in dem Traditionshaus an der Kirchenallee wehmütig Abschied: „Durch den Reichshof weht ein Hauch Geschichte, das ist allgegenwärtig.“ Auch die rund 100 Mitarbeiter und die zahlreichen Stammgäste, darunter Schauspieler, die für Auftritte im benachbarten Schauspielhaus kamen, sind traurig über das Ende. Aber was passiert mit dem Reichshof, seiner stilvollen Einrichtung und dem Hoteltafelsilber, das vor etlichen Jahren bei einer Renovierung hinter Mauern entdeckt wurde? Wie viel von seinem Charme wird er behalten? Der Reichshof, der seit 2006 unter Denkmalschutz, steht, wird wohl saniert und erneut ein Hotel. Interessenten gibt es schon. Was Enno Isermann von der Kulturbehörde auf Wochenblatt-Anfrage sagt, klingt ein Stück weit beruhigend: „Die bisherigen Planungen zeigen einen sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz und Ausstattung und werden in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt durchgeführt.“ Der Denkmalschutz gilt nicht nur für die Fassade. Isermann: „Beim Hotel Reichshof liegt das Hauptaugenmerk im Inneren auf den repräsentativ gestalteten Räumen wie dem Restaurant und der Bar-Einrichtung.“ Letztere gilt als Kleinod im Art-Deco-Stil. „Der Denkmalschutz für das Gebäude bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass überhaupt keine Veränderungen am historischen Bestand möglich sind“, heißt es in der Kulturbehörde. Und: „Das Denkmalschutzamt wird im Falle eines Umbaus den Anforderungen an einen zeitgemäßen Hotelbetrieb Rechnung tragen. Derzeit laufen Vorgespräche mit dem Architekten. Es wird momentan ein statisches Gutachten angefertigt, dass die grundsätzliche Gebäudesubstanz prüft. Parallel ist ein Designbüro momentan mit den Vorentwürfen beschäftigt.“
Das Wochenblatt fand bei einer Leserin in Farmsen eine Reichshof-Chronik von Erich Lüth (1902 – 1989). Der Publizist, der durch seinen Protest gegen einen Film des Nazi-Regisseurs Veit Harlan in den Fünfziger Jahren eine Legende wurde („Lüth-Urteil“), veröffentlichte 1985 die Familiengeschichte der Langers und des Hotels. So hatte die Erfolgsgeschichte des Hotels Reichshof begonnen: An einem Sonntagmorgen 1906 spazierte Emil Langer jungverheiratet mit seiner Frau Martha an die damalige Hamburger Stadtgrenze, um den neu erbauten Hauptbahnhof zu bewundern. Der 42-Jährige hatte als Küchendirektor auf den Hapag-Ozeanlinern gearbeitet und anschließend sein Geld an der Börse und durch Immobiliengeschäfte vermehrt. An der Ecke Kirchenallee/Lange Reihe zeigte er auf ein freies Grundstück neben dem Schauspielhaus und sagte: „Hier möchte ich ein Hotel erbauen, nach neusten Gesichtspunkten ... zum Einheitspreis mit Frühstück für den Bahnreisenden.....das hätte eine Zukunft bis ins Jahr 2000!“ Nun hat es sogar deutlich länger gehalten und soll auch weiter Hotel bleiben. Noch ist unklar, wer den Reichshof übernimmt, Interesse bekundet unter anderem die Accor-Gruppe („Sofitel“).
Das Erfolgsrezept damals hatte zwei Gründe, so Chronist Lüth, „die Größe des Zimmerangebots und den Einheitspreis“. 3,50 Mark für die Übernachtung mit Frühstück, 13 Mark für die Suite mit Salon – das stellte den gehobenen Gast zufrieden. Viele Gäste, denn Langer – nach seinem Tod übernahm seine Witwe die Hotelleitung – setzte als einer der ersten mit seiner großen Zimmerzahl auf Massentourismus. Ihm war Eigenständigkeit wichtig, von der Versorgung mit Lebensmitteln aus eigenem Anbau an der Elbchaussee bis hin zu hauseigenen Werkstätten und einem Brunnen, aus dem Wasser aus 172 Metern Tiefe gewonnen wird. Maritimes gehörte zum Kozept: „Alles soll so sein wie an Bord“, soll Langer betont haben, als er auf der Marmortreppe zur Galerie stand und sein „Stadt-Restaurant“, heute Restaurant Classic, wachsen sah. Eingerichtet wurde es von Schiffsausstatter Friese, edel mit Holzvertäfelung. Ein Am-
biente, das Hamburg hoffentlich erhalten bleibt. (sta)
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