Wie gefährlich ist Hamburger Alsterwasser?

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Für Professor Ralf Otterpohl ist das Alsterwasser nicht in Ordnung. Er fordert eine Nachrüstung der Klärwerke, um den Zustrom von Medikamentenresten in die Gewässer wie zum Beispiel in die Alster zu stoppenFotos: Hanke(1)/Thinkstock (2)

Forscher fürchtet Verweiblichung von Fischen durch Medikamentenreste

Hamburg. Drohen Fische in der Alster zu verweiblichen, weil sie Medikamentenreste schlucken, die durch Achtlosigkeiten in zunehmenden Maße in die Alster gelangen? Abwasserspezialist Professor Ralf Otterpohl aus Harvestehude behauptet das. Der Siedlungswasserwirtschaftler leitet das Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Technischen Universität (TU) Harburg. Vor allem hochwirksame Antibiotika könnten die die Wassertiere gefährden, so Otterpohl. Mikroschadstoffe lösten geschlechtliche Veränderungen bei Fischen aus. Über Abwasser gerieten auch Krankheitserreger in die Alster, die durch die Fische auch Menschen gefährden könnten. „Größere Medikamentenmengen sind nicht wassergerecht, können nicht abgebaut werden“, erläutert Ralf Otterpohl. Über menschliche Ausscheidungen gelangen die meisten Medikamente in die Alster, aber auch durch achtloses Wegspülen über die Toiletten. Auch Hamburg Wasser betrachtet diese Einläufe kritisch, hält sie aber nicht für gefährlich. „Es ist eher selten, dass Medikamente in die Gewässer gelangen“, erläutert Ole Brauckmann, der Sprecher von Hamburg Wasser, und verweist auf die vielen Mischwassersiele, die Hamburg Wasser in den letzten Jahren rund um die Alster gebaut hat.
Doch die Klärwerke schaffen es bei weitem nicht, alle Medikamentenreste aus den Abwässern herauszufiltern, ist sich Ralf Otterpohl sicher. Das aber wäre eigentlich kein Problem. „Es gibt inzwischen sehr feine Filter. Die Reinigungstechnik ist weit fortgeschritten. Man muss die Klärwerke nur damit ausrüsten. Das ist nicht mal teuer, denn die Technik ist schon ausgereift“, berichtet Ralf Otterpohl. „Ein Klärwerk umzurüsten, kostet einen dreistelligen Millionenbetrag“, sagt dagegen Ole Brauckmann. „Fünf Euro müsste pro Kubikmeter Wasser aufgewendet werden. Das ist für den Verbraucher 20 oder 30 Cent teurer als nach der herkömmlichen Technik“, rechnet Otterpohl vor. Er hält die Medikamentenreste in der Alster für „kein geringes Problem“. „Hier wird sehr nachlässig mit einer wichtige Frage umgegangen. Die Umrüstung von Klärwerken wird generell zu wenig gefordert. Hier ist die Politik gefragt. Abwasserbetriebe müssen Auflagen erhalten“, fordert Otterpohl. Auch die Landwirtschaft trägt zur Vergiftung der Alster bei. Chemikalien, die für die Düngung genutzt werden, gelangen im Oberlauf der Alster in den Fluss und ins Grundwasser. „Irgendwann“, so Otterpohl, „werden diese Herbizide und Pestizide auch in tieferes Grundwasser gelangen.“ Von dort wird das Trinkwasser für Hamburg entnommen.
„Wir sind dran. Wir beobachten die Wasserqualität permanent“, beruhigt indes Volker Dumann, der Sprecher der Umweltbehörde. Es gäbe aber bislang nur wenige Daten zur Ökotoxologie von Medikamenten in der Alster. Über die Risiken von Arzneistoffen in Gewässern sei generell ebenfalls wenig bekannt, gibt der Behördensprecher zu. (ch)
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