Winterhuderin engagiert sich seit 60 Jahren

Anzeige
 

Die 90-Jährige Martha-Maria Kessler von der Pestalozzi-Stiftung ist soziales Engagement „Ehrensache“

Winterhude „Donnerwetter, 60 Jahre bin ich im Verwaltungsrat“, staunt Martha-Maria Kessler selbst über ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit für die Pestalozzi-Stiftung Hamburg. Die 1847 gegründete Stiftung ist eine der ältesten sozialen Institutionen der Hansestadt, benannt nach dem Schweizer Pädagogen und Philanthrop Johann-Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827). Gründungsidee der Stiftung war es, eine Hilfseinrichtung für verwaiste oder vernachlässigte Kinder zu schaffen. Das Tätigkeitsfeld wurde im Laufe der Jahre stark ausgedehnt, heute leistet sie Hilfe für Kinder, Jugendliche, Familien und Menschen mit Behinderungen. Ihr Engagement wurde der Winterhuderin, die am 19. November ihren 90. Geburtstag feiert, nach eigenen Worten in die Wiege gelegt: Ihr Vater Hugo Poppe war in den 1930er Jahren Vorsitzender der Stiftung. Der Pastor erwarb ein weitläufiges Grundstück an der Diestelstraße in Ohlstedt und richtete dort ab 1931 ein Heim für Kinder und Jugendliche ein. Seine kleine Tochter Martha-Maria spielte in dem großen Garten des Grundstücks. „Ich war zwar noch ein Kind, aber ich habe gespürt, dass es schwierige Zeiten waren“, erinnert sie sich an die NS-Zeit. Ihr Vater und die Heimleiterin verhielten sich distanziert zu den neuen Machthabern, ein Hitler-Bild wurde im Kinderheim nicht aufgehängt und es wurden auch keine Gedanken zur Stärkung des Nationalgefühls verbreitet. Die Heimleitung wurde deshalb überwacht. „Ich hatte einen sehr guten Draht zu meinem Vater und habe seinen Kummer und seine Sorgen immer mitbekommen“, erzählt die temperamentvolle Seniorin. „Meine Mutter war Lehrerin. Ich bin also mit Kindererziehung aufgewachsen!“ Ihren Vater begleitete Martha-Maria Kessler nicht nur in das Kinderheim, sondern auch bei seinen Erledigungen rund um sein Pastorat in St. Petri in der Hamburger Innenstadt: „Ich bekam vom Sattler dafür eine kleine Aktentasche“, erinnert sie sich lächelnd. Schon Mitte der 1950er Jahre setzte ihr Vater sie als Verwaltungsratsmitglied in die Stiftung ein: „Ich war für die Schulkinder zuständig, denen ich als junge Frau altersmäßig sehr nah war.“ Kessler unterstützte die Erzieher auch vor Ort und unterrichtete als Sportlehrerin Gymnastik: „Aber die Kinder wollten oft lieber toben!“ Auch heute besucht sie noch regelmäßig die Sitzungen. „Denkt immer an die Menschen und wie man ihnen helfen kann“, lautete ihre Maxime als Verwaltungsratsmitglied. Der Mensch, nicht die Stiftung sollte im Vordergrund stehen. Der Verwaltungsrat der Stiftung hat die Aufgabe, die Vorstandsmitglieder zu bestellen, sie anzustellen oder abzuberufen. Zu den komplexen Aufgaben der ehrenamtlichen Verwaltungsratsmitglieder gehört es, die Funktion des Vorgesetzten für die Vorstandsmitglieder wahrzunehmen und deren Geschäftsführung zu überwachen. Auch für die Mathilde-Zimmer-Stiftung, die Wohn- und Pflegeheime für Senioren betreibt, engagierte sich Martha-Maria Kessler lange Zeit ehrenamtlich. Sowohl ihr Vater als auch die Kirche prägten ihr soziales Engagement: „Ich kann nicht verstehen, wenn einer das nicht tut“, resümiert die Winterhuderin, die täglich im Stadtpark unterwegs ist, wenn das Wetter es zulässt: „Viel Bewegung ist wichtig! Man muss selbst viel tun, damit es einem im Alter gut geht. Ich bin ein positiver Mensch!“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige