Wohnungen auf Giftboden?

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Der CDU-Bezirksabgeordnete Stefan Bohlen vor einer der Flächen an der Osterfeldstraße, auf der Wohnungen für Flüchtlinge gebaut werden sollen Foto: Hanke

Stefan Bohlen (CDU): „Areal Osterfeldstraße ist mit Altlasten kontaminiert“

Von Christian Hanke
Eppendorf
Sind die Gebiete, auf denen an der Osterfeldstraße bis zu 480 Wohnungen gebaut werden sollen (das Wochenblatt berichtete), direkt oder durch angrenzende „Altlastverdachtsflächen“ gefährdet? Das befürchtet der CDU-Bezirksabgeordnete Stefan Bohlen nach Durchsicht von Bebauungsplanunterlagen aus den Jahren 1977 und 2004. „Sollte sich bewahrheiten, was das Bezirksamt schon 2004 festgestellt hat, wäre es ein Riesenskandal von Seiten des Senats und des Bezirks an diesem Standort jetzt 2800 Flüchtlinge, davon etwa 500 Kinder, unterbringen zu wollen und sie den Verunreinigungen sehenden Auges mit allen Konsequenzen aussetzen zu wollen“, so Bohlen. Im Umkreis der Flächen, die bis Ende des Jahres mit bis zu 480 Wohnungen für geschätzt 2.800 Flüchtlinge bebaut werden sollen, befanden sich einst die Deponie Nedderfeld, in der in den 1950er Jahren erst Haus- und Sperrmüll und später Bauschutt und Aushubböden entsorgt wurden, eine Firma für Produktion und Lagerung von Lacken und Farben sowie drei Tankstellen.
In der Begründung zu einer Änderung des Bebauungsplanes Eppendorf 7, der unter anderem das Gebiet zwischen Osterfeldstraße, Nedderfeld und
Offakamp umfasst, vom 26.1.2004 wird ausgeführt, dass hier „mit erhöhten Belastungen durch Schwermetalle, Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) und polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) zu rechnen“ ist. Daher seien auf der Verdachtsfläche „bauliche Sicherungsmaßnahmen zur Abwehr von Gefahren durch Deponiegaseintritte vorzusehen“. Auch im Umkreis von 100 Metern der Verdachtsfläche seien deponiegasspezifische Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Die Fläche der früheren Deponie und das nördliche Teilstück der Fläche der Lacke- und Farbenfirma wurden deshalb als „Flächen, deren Böden erheblich mit umweltgefährdeten Stoffen belastet sind“ gekennzeichnet. Auch vor einer Bebauung der Tankstellenflächen werden vorherige Bodenuntersuchen angeraten. Die genannten Stoffe, insbesondere die PAK können durch Atmung über die Haut aufgenommen werden und zu Krebserkrankungen oder zur Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit führen.
Die CDU hat deshalb eine entsprechende Kleine Anfrage ans Berzirksamt Hamburg-Nord gestellt, die bis Redaktionsschluss nicht beantwortet worden war. Stattdessen gibt die Umweltbehörde Entwarnung. Wohnbebauung auf einer Fläche, die sich in der „Gaswanderungszone einer früheren Deponie befindet“, sei unbedenklich. Vorbeugende bautechnische Sicherungsmaßnahmen sind aber aufgrund der nicht auszuschließenden Gaswanderung bei Neubauten auf den Deponie-Nachbarflächen vorgeschrieben. Da sich auf einem Teil des zu bebauenden Grundstücks eine Tankstelle befand, wird für diese Fläche ein Baugrundgutachten erforderlich, auf Grund dessen ein Bodenaustausch unerlässlich sein könnte.

Die CDU lädt zu diesem Thema am 28. Januar, um 18.30 Uhr, in den Ian-Karan-Hörsaal, Eingang Süderfeldstraße, zur Infoveranstaltung ein.
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